Zahl der Arbeitslosen stabil / Kurzarbeit steigt weiter an

Das dicke Ende kommt noch

Oliver Lemke (l.) und Gregor Stein stehen im zurzeit geschlossenen Kundenbereich der Rotenburger Agentur für Arbeit.
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Oliver Lemke (l.) und Gregor Stein berichten über die Lage am Arbeitsmarkt.

Rotenburg – Die Zahlen, die Gregor Stein als Leiter des Rotenburger Jobcenters sowie Oliver Lemke als Leiter der Rotenburger Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit auf den Tisch legen und die die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt dokumentieren, sind so schlecht gar nicht. Stein allerdings macht deutlich: „Das dicke Ende kommt erst noch.“ Dahinter, sagt er, stecke eine realistische Einschätzung dessen, was sich schon jetzt abzeichnet, sich allerdings noch nicht mit Zahlen unterfüttern lasse. Was er aber meint, ist klar: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die das Jobcenter betreut, wird steigen – und damit auch die der Bedarfsgemeinschaften, die von Hartz-IV leben müssen.

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Landkreis im Februar um zwei auf 3 870 gestiegen. Die Quote verharrt daher bei 4,2 Prozent. Es gibt eine Reihe von Regionen in Niedersachsen, wo es deutlich schlechter aussieht. „Wir haben es hier bei uns mit einem robusten Arbeitsmarkt zu tun, der einfach nicht ganz so krisenanfällig ist“, erklärt Oliver Lemke. Nicht weit entfernt – in den Landkreisen Cuxhaven und Stade, die ebenfalls zum Agentur-Bezirk Stade gehören – sieht es schon ganz anders aus. Lemke: „Wir sind hier bislang wirklich mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Dabei spielt er vor allem auf die große Bewegung an, die am Arbeitsmarkt zu vernehmen sei. Zwar habe es im vergangenen Monat im Jobcenter und bei der Agentur für Arbeit zusammen einen Zugang von 749 Arbeitslosen, aber eben auch einen Abgang von 740 gemeldeten Erwerbslosen gegeben. Lemke: „Daran ist zu sehen, dass die Pandemie nicht alle Bereiche trifft.“ Deshalb, so Stein, gelinge es auch dem Jobcenter immer noch recht gut, Langzeitarbeitslose in Arbeit zu vermitteln. Dabei gehe es insbesondere um Tätigkeiten im Lager, aber auch um Zeitarbeit.

Bei der Vermittlung bewege sich das Jobcenter in etwa bei zwei Dritteln des Niveaus aus der Zeit vor der Pandemie. Von guten Vermittlungszahlen berichtet auch Oliver Lemke, der dabei auf 1 448 gemeldete Stellen im Februar hinweist. Das seien nur 2,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es nach wie vor eine Reihe von Anmeldungen zur Kurzarbeit gibt. Im Landkreis Rotenburg waren es im Januar 143 für insgesamt 1 240 Beschäftigte. Diese Zahlen sind mit dem November von elf auf 109 und im Dezember dann um weitere 132 Anmeldungen gestiegen.

Die Prognose ist gut, wenn der Lockdown bald endet

Dennoch sagt Lemke ganz klar: „Wir haben es mit einer guten Prognose zu tun, wenn der Lockdown am Mittwoch nicht noch einmal deutlich verlängert wird.“ Stein nickt zustimmend und kommt erneut auf das „dicke Ende“ zu sprechen, das er im Verlauf dieses und auch des kommenden Jahres erwartet. „Wir sind gut gerüstet und bereiten uns darauf vor.“ Das unterstreicht auch Oliver Lemke. Man unternimmt also gemeinsam Anstrengungen, um zu vermeiden, dass die Zahlen letztendlich explodieren.

Das Jobcenter setzt dabei in erster Linie auf Qualifikationsmaßnahmen, um das Hineinrutschen in eine Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden. „Die Bereitschaft ist sehr groß“, stellt Lemke dabei fest. Stein und seine Mitarbeiter hingegen stellen sich ganz gezielt auf Kunden ein, die bis jetzt noch gar keinen Kontakt zum Jobcenter hatten und ohne den Umweg über die Agentur für Arbeit bei ihnen landen. Das seien in erster Linie Solo-Selbstständige und Freiberufler, die keine Arbeitslosenversicherung haben. Stein spricht von arbeitsmarktnahen Kunden, die möglichst schnell wieder in eine Beschäftigung zurückfinden sollen.

Einen Corona-Jahrgang soll es nicht geben

„Bei all dem dürfen und werden wir natürlich die Langzeitarbeitslosen nicht aus dem Blick verlieren“, fügt der Jobcenter-Chef hinzu. Zugleich sei der Fokus auf Jugendliche und junge Erwachsene gerichtet, die zeitnah in eine Berufsausbildung gelangen. „Einen Corona-Jahrgang soll es nicht geben“, erklärt Stein.

Woher kommen eigentlich die Männer und Frauen, die sich in diesen Tagen und Wochen arbeitslos melden? Oliver Lemke nennt drei Schwerpunktbereiche. Da seien die Kultur und die Geisteswissenschaften, der Handel sowie der Tourismus und die Zeitarbeit. Für die Agentur für Arbeit stellt der Zugang an Arbeitslosen ein Plus von 35 Prozent, für das Jobcenter von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar.

Parallel dazu unterstreicht er, dass das Jobcenter bei der Zahl an Bedarfsgemeinschaften gerade erst einen Minusrekord hinter sich hat – im Januar waren es 31 08 und damit so wenige wie nie zuvor seit 2005. Im Februar wuchs die Zahl leicht auf 3 192 an. Immer noch ein relativ guter Wert, aber es ist eben damit zu rechnen, dass im Laufe der Krise der Bedarf noch einmal deutlich ansteigen wird.

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