Seit Beginn des Jahres hilft das Jugendberufszentrum beim Übergang in den Job

Damit keiner verloren geht

Harald Glüsing und Ivonne Thierbach glauben fest an den Erfolg des Jugendberufszentrums. Das vereint seit Beginn dieses Jahres eine ganze Reihe von Angeboten für Jugendliche, die nicht auf Anhieb den Weg ins Erwerbsleben finden. - Foto: Menker

Rotenburg - Die Schule ist geschafft. Aber wie geht es nun weiter? Mehr als 1000 Jugendliche im Landkreis Rotenburg finden Jahr für Jahr nicht auf Anhieb ihren Weg in das Berufsleben. Sie bleiben auf der Strecke – aus zum Teil sehr unterschiedlichen Gründen.

Aber auch für sie gibt es Hilfe: das Jugendberufszentrum. Seit Beginn dieses Jahres vereint es eine ganze Reihe von Angeboten für junge Menschen, die beim Übergang in den Beruf auf Unterstützung angewiesen sind. Das Jugendberufszentrum mit seinen drei Niederlassungen in Bremervörde, Zeven und Rotenburg ist dem Jobcenter angegliedert. Das Pro-Aktiv-Centrum (Pace), die Jugendberufshilfe, das Netzwerk Reionale Ausbildung (Neo) sowie die Ausbildungsberatung erwerbesfähiger Leistungsempfänger finden sich darin wieder. 15 Mitarbeiter sind unter der Leitung von Ivonne Thierbach im Einsatz – und zwar weitgehend unabhängig vom Jobcenter in eigenen Büros. Thierbach und Harald Glüsing als Leiter des Jobcenters sprechen vom Übergangsmanagement. Das greift genau dann, wenn die Jugendlichen Schwierigkeiten mitbringen, die sie an einem nahtlosen Übergang in das Berufsleben hindern.

„Oftmals ist es einfach die fehlende Orientierung“, sagt Ivonne Thierbach. In manchen Fällen kämen aber auch körperliche oder psychische Behinderungen dazu, persönliche Unreife, Sucht- oder auch Geldprobleme. Die bisherigen Angebote im Landkreis – bei einigen davon handelte es sich um auslaufende Projekte – hat der Landkreis nun zusammengefasst. Denn diese Angebote haben jeweils an unterschiedlichen Punkten gegriffen. Jetzt sind sie vernetzt – das macht die Hilfe deutlich einfacher.

Als offene Anlaufstelle für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen am Übergang von der Schule in den Beruf bietet das Jugendberufszentrum Information und Begleitung auf dem Weg in das Erwachsenwerden und in die Berufswelt. Es sei als dauerhafter und verlässlicher Ort der Unterstützung für alle jungen Menschen zwischen 15 und 26 Jahren zu festen Zeiten niederschwellig erreichbar. Wer dort Rat sucht, werde von einem Jugendberufscoach betreut – und der hat jeden Fall so lange im Blick, bis er als abgeschlossen gilt. Auch dann, wenn er den Jugendlichen zwischenzeitlich an eine andere Beratungsstelle vermittelt, so Glüsing. Der Coach bespricht mit seinen „Kunden“ den Unterstützungsbedarf, bietet kurzfristig unbürokratische Hilfe und Information oder vereinbart auf freiwilliger Basis einen längeren Coachingprozess. Seit Beginn dieses Jahres gibt es bereits acht erfolgreiche Prozesse zu vermelden, sagt Ivonne Thierbach.

Aber wie erreicht das Jugendberufszentrum die jungen Leute? Zunächst über die Schulen – an drei Tagen in der Woche ist einer der Coaches in den Berufsbildenden Schulen im Landkreis zu finden. Die Lehrer, aber auch Eltern können den direkten Draht ebenfalls herstellen. Die Mitarbeiter nehmen die Stärken der jungen Menschen ins Visier und versuchen, sie mit kleinen, erreichbaren und vor allem attraktiven Schritten individuell zum Ziel zu führen.

Eine Lebensperspektive sorgt für Motivation

Sie organisieren die weitere Unterstützung durch die entsprechenden Beratungseinrichtungen, sie stellen die Infrastruktur für Bewerbungen und den Kontakt zu Ausbildungsbetrieben bereit, kümmern sich um die finanzielle Unterstützung für Fahrtkosten, Arbeitsausstattung und notwendige Qualifikationen – und die Coaches sind auf den bevorzugten Kommunikationswegen junger Menschen erreichbar – also per „WhatsApp“, E-Mail oder über eine Homepage.

In schwierigen Fällen reicht es aber nicht aus, eine berufliche Perspektive zu schaffen und bei der Bewerbung zu helfen. „Wir haben es auch mit jungen Menschen zu tun, die sich erst einmal eine Tagesstruktur schaffen müssen“, berichtet Thierbach. Sie und ihr Team sehen sich als Unterstützer – die Ziele allerdings müsse sich der Jugendliche selbst erarbeiten. Glüsing: „Wir haben natürlich die Jugendlichen aus dem Kundenkreis des Jobcenters im Blick – bei ihnen geht es darum, Vertrauen zu schaffen. Das heißt, es geht um freiwillige Kooperation ohne Sanktionsdruck.“ Ziel sei es, zu verhindern, dass diese jungen Menschen dauerhaft im Hartz-IV-Bezug bleiben.

Nur dann, wenn es gelinge, eine Lebensperspektive zu entwickeln, sei es möglich, Motivation zu schaffen. „Die Jugendlichen müssen für sich selbst Verantwortung übernehmen“, sagt Thierbach. Das sei immer dann schwer, wenn sie noch kein Bewusstsein für das Arbeitsleben entwickelt haben. „Die Schulen machen da schon sehr viel,“ fügt sie hinzu. Aber: „Wenn etwas von Lehrern oder Eltern kommt, opponieren viele erst einmal“, weiß Glüsing.

Mit dem Konzept des Übergangsmanagements soll sichergestellt werden, dass alle jungen Menschen beim Übergang in den Beruf jederzeit die Unterstützung erhalten, die notwendig ist – „damit keiner von ihnen verloren geht“, so Thierbach und Glüsing. Dabei stehen die Mitarbeiter in engem Kontakt zu mehr als 100 Betrieben. Betriebe, die zunehmend Probleme haben, ihre Ausbildungsplätze mit qualifizierten Bewerbern zu besetzen.

Wer den Draht zum Jugendberufszentrum sucht oder weitere Infos darüber benötigt, schaut einfach ins Internet. Die Hilfe ist kostenlos.

www.jugendberufszentrum.de

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