Dritter Anlauf: Antrag auf Einrichtung einer Oberstufe im Schulausschuss

Da ist sie wieder, die Rotenburger IGS-Debatte

Fassade der IGS in Rotenburg
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Die IGS in Rotenburg wünscht sich eine eigene Oberstufe.

Es wurde gewählt, es gibt neue politische Mehrheiten in Rotenburg und damit die Chance, endlich den Antrag für die Oberstufe an der IGS zu bekommen. Der dritte Versuch.

Rotenburg – Pünktlich zum Start der neuen Wahlperiode für den Rotenburger Stadtrat startet am Montag im Schulausschuss der dritte Anlauf für die Einrichtung einer Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule (IGS). Der Vorstand der Schule hat einen entsprechenden Antrag der Stadt eingereicht – und die neue von der SPD geführte Mehrheitsgruppe führt dies in einem Ratsantrag fort. Doch Bürgermeister Torsten Oestmann lässt sich vom vorgegebenen Tempo der IGS nicht so richtig mitreißen. Er legt im Schulausschuss vielmehr einen Beschlussvorschlag vor, der die Einrichtung einer Oberstufe frühestens zum Start des Schuljahres im übernächsten Jahr möglich machen würde.

Oestmann schlägt die Einrichtung einer unabhängigen Arbeitsgruppe unter externer Moderation vor, die „ergebnisoffen eine faktenbasierte und transparente Entscheidungsgrundlage für die endgültige Beschlussfassung zur eventuellen Einführung einer IGS-Oberstufe für das Schuljahr 2023 / 2024“ erarbeitet. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt Oestmann, dass Inge Hansen-Schaberg bereits ihre Bereitschaft signalisiert habe, diesen Arbeitskreis zu moderieren. In dieser Rolle war sie schon einmal an derartigen Gesprächen beteiligt. Diesmal allerdings sollen, so die Vorstellungen des neuen Bürgermeisters, Politik und Verwaltung außen vor bleiben. Darin sei sich die Stadt mit dem Landkreis einig, sagt er. Die Informationen über den jeweils aktuellen Stand der Dinge habe aus dem Arbeitskreis heraus direkt zu erfolgen. Die Idee des von ihr gestützten Bürgermeisters kommt der neuen Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen, Linke, Alexander Gridin und Telman Aliev entgegen. Aber: Sie soll aus Sicht der Politik nicht mehr über das Ob eines Antrags entscheiden, nur über das Wie einer Zusammenarbeit der drei weiterführenden Schulen in Rotenburg – IGS, Ratsgymnasium und BBS. Die neue Oberstufe an der IGS soll bereits zum Schuljahr 2022/2023 kommen, so das Papier, das am Donnerstagabend an Oestmann ging. IGS-Schulleiter Sven Thiemer hatte bereits parallel zur Abgabe des Antrages auf Einrichtung einer Oberstufe erklärt, dass man im Schulvorstand auch einen Startschuss für das kommende Jahr anpeile.

Eine inhaltliche Bewertung will der Bürgermeister zum jetzigen Zeitpunkt nicht vornehmen. Er kenne zwar die Diskussionen bei den ersten zwei Versuchen der Schule, setzt aber komplett auf Sachlichkeit. „Zum Teil war das schon verletzend, was da passiert ist. Ich hoffe, das wieder runterregeln zu können. Ich selbst kann die Sachlichkeit nur vorleben.“

Neue Mehrheitsgruppe für Oberstufe

Iris Rehder, Leiterin des Rotenburger Ratsgymnasiums, macht im Vorfeld deutlich: „Grundsätzlich trifft jede Schule eigenverantwortlich ihre Entscheidungen zur Schulentwicklung. Deshalb kann und will ich die Entscheidungen der IGS in dieser Hinsicht nicht beurteilen.“ Aber sie erklärt auf Anfrage auch, dass Oestmann stets betont habe, dass die weiterführenden Schulen Rotenburgs in einer unabhängigen Arbeitsgruppe ergebnisoffen eine transparente Entscheidungsgrundlage zur eventuellen Einführung einer IGS-Oberstufe erarbeiten sollen.

„Dieses sachliche und faire Vorgehen halte ich für einen sehr sinnvollen Weg, an dem sich das Ratsgymnasium selbstverständlich gerne engagiert beteiligen wird.“ Die letztendliche Entscheidung sei eine politische und liege beim Rat. „Insofern werden am Ende des Diskussionsprozesses hier die Voraussetzungen für die Einrichtung einer IGS-Oberstufe erörtert werden müssen.“

In der Rotenburger Politik haben sich inzwischen die Mehrheiten verschoben – für SPD und Co. sieht es grundsätzlich recht komfortabel aus. Das war zuvor anders – da war es die Mehrheitsgruppe von CDU, FDP und WIR, die am Ende zwei Mal den Plan der IGS abgeschmettert hat.

Der Ratsantrag der Mehrheitsgruppe

Ratsfrau Heike Behr (SPD) hat den erweiterten Beschlussvorschlag der Mehrheitsgruppe für die Einrichtung einer Oberstufe an der IGS am Donnerstagabend an Bürgermeister Torsten Oestmann geschickt. Beraten wird er öffentlich am Montagabend ab 18.30 Uhr im Lucia-Schäfer-Saal der Schule in der Ahe. Zwei Forderungen beinhaltet der Vorschlag: Zum einen soll die Stadt als Schulträgerin beim Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Lüneburg die „Einrichtung einer Oberstufe an der IGS-Rotenburg (Wümme) zum Schuljahr 2022/2023“ beantragen, zum anderen sollen IGS, Ratsgymnasium und BBS „unabhängig vom Prüfergebnis“ der Behörde „Kooperationsgespräche unter der Leitung einer durch die Verwaltung zu bestimmenden externen Moderation aufnehmen, mit dem Ziel, ein möglichst breites Fächerangebot für die Schülerinnen und Schüler in Rotenburg und eine bestmögliche Unterstützung der Schulen untereinander zu erreichen“.

„Der Vorschlag von Bürgermeister Torsten Oestmann, eine Arbeitsgruppe zu bilden und Ergebnisse bis spätestens Herbst 2022 zu präsentieren, findet unsere Zustimmung“, erklärt Tilman Purrucker als Vorsitzender der CDU-Fraktion und Sprecher der Arbeitsgruppe von CDU, FDP und WIR. Und ja, er gehe davon aus, dass es veränderte Voraussetzungen für die Einrichtung einer IGS-Oberstufe gibt. Zugleich betont Purrucker den Wunsch nach sachorientierten, ideologiefreien und respektvollen Diskussionen. Ziel müsse es sein, im Entscheidungsprozess den Blick auf die gesamte Rotenburger Schullandschaft zu richten. Oestmann betont in der Beschlussvorlage für die Sitzung das Ziel, im Idealfall eine von allen Schulen getragene, gemeinsame Empfehlung für einen attraktiven und vielfältigen Schulstandort Rotenburg in Bezug auf die weiterführenden Schulen zu erreichen. Dabei sollen die Einrichtung einer dritten Oberstufe in Rotenburg stützende, aber auch entgegenstehende Argumente auf aktuellem Stand abgewogen und sachlich hinterfüttert werden, sodass auch bei fehlender gemeinsamer Empfehlung eine faktenbasierte Entscheidungsgrundlage für den Rat zum Antrag der IGS auf Einrichtung einer eigenen Oberstufe besteht.

„Der Antrag sollte an das regionale Landesamt für Schule und Bildung gegeben werden, dort werden die Voraussetzungen geprüft. Und wenn die Zusage für die Oberstufe kommt, können sich alle auf Augenhöhe an einen Tisch setzen und die dann möglichen Kooperationen ausloten.“ Marje Grafe (Die Grünen) formuliert es zielgerichteter mit Blick auf die Sitzung des Schulausschusses. Das wäre dann eine ganz andere Herangehensweise. Und eben über die soll ihrer Ansicht nach abgestimmt werden. Schließlich decke sich das auch mit dem Antrag der Schule.

Schulleiter hofft auf sachliche Diskussion

Zudem hätten die Kommunalwahlen im September für eine klare Mehrheit im Rat gesorgt, die den Antrag in Lüneburg von den Fachleuten prüfen lassen wolle und voll umfänglich hinter ihrer eigenen Schule stehe. „Offensichtlich will der Wähler die beiden vorangegangenen Abstimmungen korrigieren, denn die Oberstufe war ein bekannter Schwerpunkt im Wahlkampf“, so Marje Grafe, Vorsitzende im Rotenburger Schulausschuss. Sie freue sich sehr über den erneuten Antrag, denn zu einer integrierten Gesamtschule gehöre eine Oberstufe. So stehe es auch im Schulgesetz. Die Argumente seien nunmehr zwei Mal ausgetauscht, und es habe sich inhaltlich nichts geändert. Grafe: „Ich hoffe, dass es diesmal ruhig und sachlich zugeht und unsere städtische Schule nicht noch weiter beschädigt wird.“

Diese Hoffnung verbindet auch IGS-Schulleiter Sven Thiemer mit den Startschuss für den dritten Anlauf: „Es ist absurd, wie die Debatte in Rotenburg in den letzten Jahren geführt wurde. Ich hoffe, dass man gelernt hat und sich nicht wieder dazu hinreißen lässt. Wer öffentlich debattiert, hat ja auch eine gewisse Vorbildfunktion. Ich hoffe auf eine kurze und faire Debatte, wobei in der Vergangenheit ja wahrscheinlich schon das meiste gesagt wurde.“ Aus schulischer Sicht befürworte man natürlich den Antrag des Schulvorstandes sehr. Nur mit einer Oberstufe sei eine integrierte Gesamtschule komplett. „Ohne eine Oberstufe, und das haben die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt, sinkt die Attraktivität: Es ändert sich das Anwahlverhalten der Eltern, Stellen für Lehrkräfte sind um ein Vielfaches schwerer zu besetzen, Schüler wechseln schon früher von uns auf Schulen, die eine eigene Oberstufe haben“, fügt er hinzu.

Von daher sollte aus Sicht der Schule natürlich ein positives Votum für den Antrag des Schulvorstandes geben, zuerst im Schulausschuss und dann anschließend im Rat. Thiemer: „Unser Wunsch ist, dass in Lüneburg zeitnah der Antrag der Stadt vorliegt, damit dort die Fachleute entscheiden können. Zeitgleich sollten dann dringend Gespräche mit den anderen Rotenburger Oberstufen starten, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten und konzeptionell zu verankern.

Was die aktuellen Voraussetzungen für die erneute Debatte betrifft, erklärt der Schulleiter, dass mittlerweile zwei Jahrgänge ihre Abschlüsse gemacht haben. Dabei sei festzustellen, dass die IGS über die nötige Anzahl an Schülern verfüge, die die Voraussetzung zum Übergang an eine Oberstufe nach Klasse 10 erfüllten. Sven Thiemer abschließend: „Insofern sind die Prognosen valider geworden.“

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