Ausbildungsmarkt bleibt von Corona weitgehend verschont

Da geht noch was

Die Agentur für Arbeit in Rotenburg kann Ausbildungsplatzbewerbern auch jetzt noch helfen.
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Die Agentur für Arbeit in Rotenburg kann Ausbildungsplatzbewerbern auch jetzt noch helfen.

Rotenburg – Der Ausbildungsmarkt im Landkreis Rotenburg zeigt sich von Corona eher unbeeindruckt. Die Zahl der Lehrstellen und die der Bewerber bewegt sich auf Vorjahresniveau. Das teilt der Rotenburger Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit, Oliver Lemke, in einem Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung mit.

1 175 Lehrstellen sind der Agentur in den vergangenen Monaten aus dem Landkreis Rotenburg gemeldet worden. Das waren 47 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der registrierten Bewerber ist um zehn auf 803 gestiegen. 370 von ihnen haben noch nicht das Richtige gefunden – allerdings sind noch mehr als 500 Ausbildungsplätze zu haben. Oliver Lemke und auch die Berufsberaterin Katrin Röttjer sind sich sicher: In den kommenden Wochen werde es noch viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt geben. „Wir suchen das Gespräch mit den Bewerbern, um für sie noch eine passende Stelle zu finden. Möglichkeiten gibt es noch in fast allen Bereichen“, sagt Röttjer. Dass nach wie vor noch so viele Lehrstellen unbesetzt sind, ist eine Feststellung, die man auch schon aus den vergangenen Jahren kennt. Hintergrund: Oftmals passen Bewerber und Arbeitgeber einfach nicht zusammen – nicht selten scheitert eine Vertragsunterschrift ganz einfach an zu weiten Wegen. Ein Problem, mit dem man es vor allem im ländlichen Bereich zu tun hat. Immer wieder allerdings klappt es dann doch noch, weil beide Seiten aufeinanderzugehen und erfolgreich nach Lösungen suchen. „Das ist sicher einer der Hauptgründe, aber eben auch, dass die Vorstellungen beider Seiten nicht passen“, ergänzt Katrin Röttjer. Da gehe es um die Schulnoten oder auch um die Vorstellung der Bewerber von den Tätigkeiten.

Das neue Ausbildungsjahr beginnt am 1. August beziehungsweise am 1. September. Bis dahin, aber auch darüber hinaus gilt aus Sicht von Oliver Lemke: Da geht noch was. Denn die Region sei trotz der Corona-Krise in Sachen Ausbildung gut aufgestellt. „Wir haben nur wenige Stornierungen bei den uns gemeldeten Ausbildungsstellen“, so Lemke. Allerdings seien die Auswahlverfahren aufgrund der Corona-Beschränkungen teilweise verzögert worden, oder sie gestalteten sich anders als sonst. Zudem hätten sich viele Jugendliche mit den Bewerbungen zunächst noch zurückgehalten.

Kurzfristige Praktika zum Ausprobieren in den Osterferien sind in diesem Jahr nicht möglich gewesen, und Testverfahren in Gruppen seien ebenfalls ausgefallen. Lemke: „Betriebe, die so etwas normalerweise machen, haben darauf verzichtet und direkt zu den Vorstellungsgesprächen eingeladen.“

Der Leiter der Rotenburger Agentur-Geschäftsstelle unterstreicht, dass die Einwerbung von Auszubildenden im Landkreis Rotenburg erfahrungsgemäß immer sehr früh beginne. „Weitgehend ist das bis Weihnachten passiert.“ Mit anderen Worten: Viele Verträge waren schon unter Dach und Fach, als die Corona-Pandemie begonnen hat. Auch jetzt kümmerten sich viele Betriebe schon um Bewerber für den Ausbildungsstart im kommenden Jahr. Allerdings würden die Bewerbungsfristen zum Teil von Ende August in den Herbst hinein verlegt – mit Rücksicht auf die aktuelle Situation.

Das alles klingt gut, und doch gibt es eine Ausnahme: In der Gastronomie habe man in den vergangenen Wochen einige Stornierungen registriert. Katrin Röttjer: „In dieser Branche ist die Unsicherheit immer noch sehr groß.“ Vielfach sei es aber auch zuvor schon recht schwierig gewesen, Ausbildungsplatzbewerber für sich zu gewinnen.

Schwer haben dürfte es auch jener Betrieb im Raum Fintel, der einen Auszubildenden sucht, der künftig als Rollladen- und Sonnenschutz-Mechatroniker unterwegs sein möchte. Ein schwieriges Unterfangen – vielleicht auch, weil der Lehrling für den Blockunterricht eine Berufsschule im westfälischen Gelsenkirchen besuchen muss.

Mit etwa 110 verschiedenen Ausbildungsberufen hat es die Agentur für Arbeit allein im südlichen Teil des Landkreises Rotenburg zu tun, erklärt Katrin Röttjer. Die Auswahl ist also recht groß, und nicht selten wissen die Bewerber gar nicht um die ganze Bandbreite dieser vielen Berufsfelder. Vor diesem Hintergrund sei es der Agentur für Arbeit auch in der Corona-Zeit wichtig gewesen, für die jungen Menschen ansprechbar zu bleiben – wenn auch nur telefonisch und lediglich in besonderen Ausnahmefällen persönlich. Die Hotline gibt es immer noch. Sie ist unter der Nummer 04141 / 926345 zu erreichen.

Am Telefon erfahren die jungen Ausbildungsplatzsuchenden unter anderem auch, dass es noch Angebote für angehende Berufskraftfahrer oder Altenpfleger gibt. Bereiche, so Katrin Röttjer, die zurzeit allerdings eher weniger auf Interesse der Jugendlichen stoßen. Oliver Lemke: „Oft spielen eben auch sehr persönliche Rahmenbedingungen eine große Rolle bei der Suche nach einer Lehrstelle.“ In jedem Fall sei es gut, die Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Anspruch zu nehmen.

Im Normalfall sind die Berufsberater eh immer wieder in den Schulen anzutreffen, aber im zurückliegenden halben Jahr war eben genau das nicht der Fall. Dennoch stehen sie bereit, um den Schülern zum Ende der Schulzeit bei der Berufseinstiegsplanung zu helfen. Und selbst dann, wenn es zum 1. August oder 1. September nicht mehr klappt, gilt: „Bis in den Spätherbst hinein lässt sich noch was machen“, so Oliver Lemke.

Denn die meisten Betriebe wollten nach wie vor ausbilden, schließlich gehe es um die Fachkräfte von morgen. Die Ausbildungsunterstützung vom Staat für krisengeschüttelte Unternehmen werde laut Lemke allerdings nur wenig nachgefragt.

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