Verdachtsfall negativ getestet

Nach Coronavirus-Verdacht im Landkreis Rotenburg: Diako trifft Pandemie-Vorbereitungen

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland weiter aus. Auch im Landkreis Rotenburg gab es nun einen Verdachtsfall - das Diako ist vorbereitet.

  • Coronavirus im Landkreis Rotenburg: Verdachtsfall bestätigt sich nicht
  • Diakonieklinikum in Rotenburg bereitet sich auf Pandemie vor
  • Gesundheitsamt im Landkreis Rotenburg hat konkrete Pläne bei Coronavirus-Ausbruch

Rotenburg – Nachdem das Coronavirus in Italien ausgebrochen ist, bereitet sich auch Deutschland auf einen Anstieg der Virusinfektionen vor. Der Landkreis Rotenburg mit seinem Diakonieklinikum sieht sich jedoch schon gut gewappnet – und beschreibt das geplante Prozedere bei Infizierten.

Was bisher weit weg schien, rückt näher: Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ist in aller Munde, Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht am Mittwoch vom Beginn einer Epidemie. Sowohl der Landkreis als auch das Rotenburger Diakonieklinikum treffen Vorbereitungen, Grund zur Panik bestehe aber nicht.

Coronavirus im Landkreis Rotenburg: Diako ist mit Pandemieplan vorbereitet

So verfügt das Klinikum beispielsweise über einen abgestuften Pandemieplan, der die Unterbringung und Behandlung auch bei einem großen Anfall an Patienten regelt, erklärt Dr. David Heigener, Chefarzt des Zentrums für Pneumologie, auf Nachfrage der Kreiszeitung.

Mit diesen Plänen soll zum einen das Personal geschützt, aber auch die Weiterverbreitung des Coronavirus verhindert werden. Sollte ein Verdachtsfall eingeliefert werden, wird dieser umgehend von anderen Patienten getrennt, dafür hält das Diako Rotenburg mehrere Isolationszimmer vor.

Coronavirus: Proben von Verdachtsfällen werden in Hannover überprüft

Wer unter Atemwegssymptomen, mit und ohne Fieber, leidet und Kontakt mit einer infizierten Person hatte oder sich kürzlich in einem Coronavirus-Risikogebiet aufgehalten hat, gilt derzeit als begründeter Verdachtsfall und wird getestet. „Die Logistik dafür wurde optimiert, sie ist nicht mehr nur in Berlin, sondern für uns nun auch in Niedersachsen möglich“, sagt Heigener. So testet das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) in Hannover die Proben auf eine Coronavirus-Infektion.

Die Ärzte nehmen von den Patienten einen Abstrich, das Ergebnis liege gewöhnlich innerhalb 36 Stunden vor. „Spezielle Dienst- und Bereitschaftspläne sowie die Intensivierung der Kommunikation mit den Kooperationspartnern im Gesundheitswesen gehören dazu“, schreibt der Landkreis Rotenburg auf Nachfrage, dessen Gesundheitsamt ebenfalls eng in das Thema eingebunden ist.

In Rotenburg ist ein Coronavirus-Verdachtsfall aufgetaucht. Das Diako fühlt sich gut vorbereitet.

Coronavirus im Landkreis Rotenburg: Verdachtsfall bestätigt sich nicht

Anfang Februar sprach Chefarzt Heigener im Interview davon, dass die Maßnahmen vielversprechend seien, dennoch steigt die Zahl der Coronavirus-Infizierten täglich an, mittlerweile auch in Deutschland. Am Donnerstagabend waren elf Coronavirus-Fälle bekannt, in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Kurzzeitig sorgten am Donnerstag Gerüchte für Aufregung, nach denen es auch im Rotenburger Diako einen ersten Fall gebe. Doch das war nicht der Fall. Unternehmenssprecher Matthias Richter: „Nach den maßgeblichen Kriterien des Robert-Koch-Instituts hatten wir bislang keinen Verdachtsfall.“ Wohl sei aber am Sonntag ein Patient auf das Coronavirus getestet worden – negativ.

„Das Hauptproblem aus meiner Sicht ist, dass offensichtlich auch Patienten mit wenig oder keinen Symptomen die Erkrankung übertragen können. Diese Erkenntnis ist neu und verändert die Lage“, meint Chefarzt Heigener. Zur Versorgung stünden alle notwendigen Medikamente in ausreichender Anzahl zur Verfügung. „Es besteht kein Mangel, über Lieferengpässe, insbesondere für Antibiotika bei Begleitinfektionen, ist nichts bekannt“, so Heigener.

Coronavirus im Landkreis Rotenburg: Infektionen müssen früh erkannt werden

Eine absolute Sicherheit, eine Coronavirus-Erkrankung im Landkreis Rotenburg, Niedersachsen und Bremen zu verhindern, gibt es nicht. Aber die „massiven Anstrengungen auf allen Ebenen“ des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) verfolgten das Ziel, Infektionen frühestmöglich zu erkennen und die Ausbreitung so weit möglich zu verzögern. Es ist eine Strategie, die helfen soll, Zeit zu gewinnen. Zeit, die benötigt werde, um „sich bestmöglich vorzubereiten und mehr über die Eigenschaften des Coronavirus‘ zu erfahren“, so der Landkreis.

So sollen Risikogruppen besser identifiziert und Schutzmaßnahmen getroffen sowie antivirale Medikamente und die Impfstoffentwicklung ausgelotet werden. Denn Letzteren gibt es bisher nicht, auch wenn unter Hochdruck daran gearbeitet werde.

Coronavirus-Infektion: Norditalien trifft drastische Maßnahmen

Maßnahmen, wie sie derzeit in Norditalien getroffen werden, wo die Zahlen der Infizierten steigen, bezeichnet der Landkreis als drastisch. Noch immer ist unbekannt, wie das Coronavirus dorthin gelangt ist, der „Patient Null“ fehlt. Experten hätten laut Medienberichten in eine Richtung Entwarnung gegeben: Der Krankheitsverlauf ende in 95 Prozent nicht tödlich.

Gestorben sind bislang Patienten mit ernsten Vorerkrankungen. Muss isoliert werden, funktioniere das am besten, wenn die Infektionsketten genau bekannt sind, so der Landkreis. Dabei seien für Rotenburg wie für den Rest Deutschlands bislang weder massenhafte Abstrichuntersuchungen noch flächendeckende Quarantänezonen geplant.

Bei Coronavirus-Infektion müssen Kontaktpersonen ermittelt werden

Sollte es zu einem Coronavirus-Ausbruch im Landkreis Rotenburg kommen, gibt es konkrete Fahrpläne. Zunächst müssten die Kontaktpersonen lückenlos ausfindig gemacht werden und für 14 Tage, die Dauer der Inkubationszeit, in häusliche Quarantäne. Das Gesundheitsamt würde täglich jegliche Veränderung beobachten und bei Symptomen entsprechende Maßnahmen treffen.

Kontaktpersonen von Coronavirus-Infizierten erhalten die Empfehlungen, Abstand zu Dritten zu halten, für regelmäßige Händehygiene sowie ausreichende Belüftung aller Räume zu sorgen. Auch Alltagsgegenstände sollten nicht mit Dritten geteilt und regelmäßig gereinigt werden, ebenso die Wäsche, Tische und Türklinken. Wer Einkäufe geliefert bekommt, zum Beispiel von Verwandten, sollte engen Körperkontakt vermeiden.

Rubriklistenbild: © Guido Menker

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