Kaum Personal und offene Fragen: Bei Spargelbauern bricht das Geschäft ein

Coronavirus bedroht Spargelernte

Alles wieder zurück. Die sogenannte Verfrühung durch die Plastikfolien wird wieder abgebaut. Fotos: Röhrs

Hellwege – Im Prinzip sei es umsonst gewesen. Das sagt Spargelbauer Thorsten Schloh, während er auf einem seiner Felder in der Hellweger Feldmark seinem Mitarbeiter zusieht. Der ist gerade dabei, mit einem Trecker und einer Rolle die weißen Folien wieder einzusammeln. Erst seit einem Vierteljahr sind diese aufgestellt. Eigentlich sollen sie ein Gewächshaus simulieren und so einen früheren Erntebeginn ermöglichen, erklärt Schloh. Diese sogenannte Verfrühung lässt er nun abbrechen. Einen zu frühen Beginn der Spargelsaison kann er jetzt nicht gebrauchen. Für ihn und seine Familie vom gleichnamigen Hofbetrieb brechen aufgrund des Coronavirus unsichere Zeiten an. Wie viel Spargel werden sie ernten, und wie viel werden sie verkaufen können? Schon jetzt sei klar: Die Umsätze des Familienbetriebs werden nach aktuellem Stand um rund 50 Prozent einbrechen, schätzt Schloh. Mit Gewinn rechne er ohnehin nicht mehr in der kommenden Saison. „Jetzt geht es nur noch um Schadensbegrenzung.“

Eigentlich habe man Anfang April mit der Spargel-ernte beginnen wollen. Nun plant man für die Zeit nach Ostern. Doch dafür braucht es Arbeitskräfte. „Wir können die Situation hinsichtlich unserer Saisonarbeitskräfte nicht abschätzen“, sagt Friederike Schloh, die den Spargelhof zusammen mit ihrem Ehemann und Sohn Christian betreibt.

Schon jetzt scheint klar zu sein: „Wir können nicht alles ernten.“ Wenn es gut läuft, kommt rund ein Drittel der 60 Stammkräfte aus Polen und Rumänien tatsächlich in den nächsten Wochen nach Hellwege, um auf den Feldern und in den Hallen zu arbeiten. „Ein paar Polen wollen kommen“, sagt Thorsten Schloh. „Aber wir glauben das erst, wenn sie auf dem Hof stehen.“ Die Schlohs haben vollstes Verständnis, wenn Stammkräfte absagen. Auch wüssten diese nicht, ob sie überhaupt ins Land einreisen dürfen. Zumal man ihnen in ihrer Heimat bereits mit Skepsis begegne, weil sie im „verseuchten Deutschland“ arbeiten wollen.

Insgesamt arbeiten inklusive Verkauf und allem in der Spargelzeit sonst rund 120 Menschen für das Unternehmen. Es ist auf der einen Seite dieses Mal nicht genügend Personal da, um die 40 Hektar Spargelfelder abzuernten – auch wenn Studenten und Menschen aus der Umgebung bereits ihre Arbeitskraft angeboten hätten, so Friederike Schloh. Die Familie ist dankbar, ihr Ehemann sagt aber auch: „Wir können den Betrieb nicht mit 100 Prozent Neuen führen.“ Die Erntezeit sei schon stressig genug. Immerhin sind es zehn Wochen, wo auf dem Hof jeden Tag rund um die Uhr gearbeitet wird. Da brauche es eine gewisse Verlässlichkeit.

Auf der anderen Seite bricht die Nachfrage ein. Etwa bei den Gastronomiebetrieben. 80 Restaurants beliefert der Hof laut Thorsten Schloh, die alleine machten 30 Prozent des Jahresumsatzes aus. Da aber auch deren Betrieb durch das Coronavirus eingeschränkt wird, schwindet dort die Nachfrage. Thorsten Schloh rechnet in diesem Sektor mit 80 Prozent Umsatzeinbruch. Doch auch über dem freien Verkauf in Supermärkten oder an den Ständen stehen Fragezeichen. „Wir können die Kaufkraft nicht einschätzen.“

Was die Ernte angeht, kann der Betrieb auf einen sogenannten Spargelvollernter zurückgreifen. Eine Art Kartoffelroder, bloß für Spargel. Den hatte man ursprünglich mal angeschafft, um die Saisonarbeiter an Hitzetagen zu unterstützen. Eine gleichwertige Ernte ist damit aber nicht zu erwarten, da mehr halbe Stangen zutage kommen, als wenn man mit der Hand sticht. Halbe Stangen waren lange Zeit nicht besonders populär, auch wenn laut Friederike Schloh mittlerweile ein Umdenken eingesetzt habe. Dennoch müsse man die Kunden jetzt mehr und mehr auch an diese Stangen heranführen.

Spargel ist das einzige Standbein des Betriebes. Nach aktuellem Stand darf der Hofladen öffnen. Ob das aber auch für den Kaffeegarten gilt, wissen die Schlohs noch nicht. Der Spielplatz jedenfalls bleibe dicht. „Es ist gerade eine emotionale Achterbahnfahrt“, sagt Thorsten Schloh. Es gibt viele Unsicherheiten, die Lage ändert sich ständig. Man lebe gerade von einen Tag zum anderen. Auch das Worst-Case-Szenario, eine komplette Absage der Ernte, sei schon durchgesprochen worden. Doch das würde alles, was man sich aufgebaut habe, gefährden.

Doch trotz der Ratlosigkeit, die im Moment oft herrsche, ist sich Friederike Schloh sicher: „Wir werden das überleben.“ Die Solidarität, die dem Betrieb entgegenkommt, sei groß. Mitarbeiter wollen sich einbringen so gut sie können, stellen Fragen. Fragen, die sie gerne beantworten möchte, es aber auch oft noch nicht kann. Trotzdem werde man das irgendwie durchstehen.

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