Sparkasse Rotenburg Osterholz zieht Bilanz / Umbau der alten Post startet bald

Corona verändert viel

Die Sparkasse am Pferdemarkt in Rotenburg – eine von noch 18 besetzten Geschäftsstellen der Sparkasse Rotenburg Osterholz.
+
Die Sparkasse am Pferdemarkt in Rotenburg – eine von noch 18 besetzten Geschäftsstellen der Sparkasse Rotenburg Osterholz.

Rotenburg – Es geht voran. Aber der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Rotenburg Osterholz, Stefan Kalt, sagt es ganz deutlich: „Wir hatten uns das anders vorgestellt.“ Er spielt damit auf die erhebliche Verzögerung an, mit der in den kommenden Wochen der Umbau des ehemaligen Postgebäudes an der Großen Straße in Rotenburg startet. Die Sparkasse plant dort den neuen Standort in der Kreisstadt und hofft auf einen Einzug Ende kommenden Jahres.

Das erklärt Kalt in der Jahresbilanz-Pressekonferenz zusammen mit seinem Vorstandskollegen Thorben Prenntzell. Die Sparkasse selbst wird in das neue Gebäude im Herzen der Stadt an der Wümme einziehen, dazu kommen weitere Mieter, unter anderem die Polizeiinspektion. Die Postbank, das steht fest, wird nicht wieder an diesen Standort zurückkehren. „Schade, das hätte gepasst, aber sie ist abgesprungen. Das wirft uns jedoch nicht aus der Bahn“, so Kalt. Ein Ladenlokal sei noch verfügbar.

Es passiert viel bei der vor drei Jahren fusionierten Sparkasse. Vieles davon ist den Umständen der Pandemie zuzuordnen – sie wirkt auch in diesem Fall an einigen Stellen als Beschleuniger. Kalt spricht von einer „Transformation in eine modernere, sehr agile Arbeitswelt“. Es gehe um eine neue Art der Kooperation, alles sei längst nicht mehr so starr, sondern übergreifender. „Wir müssen schneller werden.“

Das vergangene Geschäftsjahr habe fast vollständig unter dem Eindruck von Negativzinsen und den Auswirkungen der Corona-Krise gestanden. „Vor diesem Hintergrund können wir mit dem Jahresergebnis ganz zufrieden sein “, so der neue Vorstandsvorsitzende, der zum 1. November die Nachfolge von Ulrich Messerschmidt angetreten hat.

„Das Zinsniveau wird auf absehbare Zeit so bleiben.“

Stefan Kalt, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rotenburg Osterholz

Der Zinsüberschuss verliere als die tragende Ertragsquelle allerdings weiterhin an Bedeutung. Die Sparkasse sei jedoch auch im Dienstleistungsgeschäft – also in der Vermittlung von Versicherungen, Bausparverträgen oder Wertpapieren – sehr gut aufgestellt. So lasse sich der Druck auf den Zinsertrag ein wenig abmildern, wenngleich eine vollständige Kompensation nicht gelinge. Kalt: „Das Zinsniveau wird auf absehbare Zeit so bleiben.“

Mit der Pandemie ist es absolut notwendig geworden, neue Wege zu beschreiten. Thorben Prenntzell stellt dabei fest, dass zwar persönliche Beratungen möglich seien, „aber die Kunden akzeptieren auch die neuen Wege.“ Er spricht die verschiedenen digitalen „Tools“ an, die zum Einsatz kommen. „Das klappt gut.“ Kalt ergänzt während der ersten Online-Jahresbilanz-Pressekonferenz: „Die Zahl der App-Nutzer ist allein im vergangenen Jahr um 6 000 auf nun 28 000 gestiegen. Und die Einführung von Apple-Pay sei „sehr gut eingeschlagen“. Überhaupt habe sich die bargeldlose Zahlung im vergangenen Jahr verdoppelt – Kalt spricht von nun 177 Millionen Euro.

Die Kunden sind dankbar

Dazu passt auch die Entscheidung, die eigentlich für den vergangenen Herbst geplante Einführung von Baufinanz Neo ins späte Frühjahr vorzuziehen. Große Teile der Abwicklung von Wohnungsbaukrediten ließen sich digital erledigen – das geht schneller. Kalt: „Die Kunden sind dankbar.“

Nach wie vor hat es die Sparkasse mit einem großen Einlagevolumen der Kunden zu tun – ein Problem, wenngleich man sich über das Vertrauen freue. Man arbeite daran, diese Mittel in „geeigneterer Form“ einzusetzen – zum Beispiel in Wertpapieren. Denn auf dem Girokonto gibt’s keine Zinsen.

Nicht so gut lief es bei der Vergabe von Konsumkrediten. „Hier waren die Kaufzurückhaltung und der Konsumverzicht unserer Kunden in einer Phase hoher Unsicherheit deutlich zu spüren“, erörtert Thorben Prenntzell. Der Absatz sei in den Monaten März und April fast vollständig zum Erliegen gekommen. Besser läuft es auf dem Wohnungsmarkt: Die Sparkassen-Immobilienabteilung hat im vergangenen Jahr 146 Häuser und Wohnungen mit einem Gesamtwert von 29,8 Millionen Euro vermittelt.

Zurzeit 635 Mitarbeiter

Seit der Fusion vor drei Jahren hat die neue Sparkasse Rotenburg Osterholz übrigens etwa 120 Stellen „sozialverträglich“ abgebaut, heißt es. Zurzeit beschäftige man 635 Mitarbeiter. Weitere rund 50 Stellen sollen in den nächsten drei bis vier Jahren noch verschwinden, sagt Stefan Kalt. Jährlich stelle man aber nach wie vor 15 Auszubildende ein.

Unter dem Strich geht es immer auch um Kosten und damit dann um die Ertragslage. Der Zinsüberschuss war im Geschäftsjahr 2020 wie prognostiziert rückläufig. Er beläuft sich auf 50,9 Millionen Euro, so Prenntzell. Der durch die Niedrigzinsphase ausgelöste Trend, bei dem der Provisionsüberschuss einen bedeutenden Teil des Gesamtertrags einnimmt, verfestige sich weiter. „Durch diese bereits seit einigen Jahren spürbare Entwicklung des Zinsüberschusses muss auch die daraus in vergangenen Jahren übliche Quersubvention der Kosten für andere Dienstleistungen entfallen“, führt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende aus.

Mit dem Geschäftsjahr zufrieden – trotz Corona

Daher freut sich der Vorstand, dass durch gemeinsame Anstrengungen aller Mitarbeiter der Sachaufwand auf dem sehr guten Niveau des Vorjahres gehalten werden konnte. „Natürlich kam es hier coronabedingt zu temporären Effekten. Auf der einen Seite haben wir zum Teil deutlich höhere Ausgaben zur direkten Pandemiebekämpfung zu verzeichnen, auf der anderen Seite konnten wir Projekte und Veranstaltungen, die wir für das vergangene Jahr geplant hatten, in erheblichem Umfang nicht durchführen“, betont Stefan Kalt. Der nun nur noch zweiköpfige Vorstand zeigt sich beim Blick zurück mit dem Verlauf des vergangenen Geschäftsjahres zufrieden – unter coronabedingten, herausfordernden Rahmenbedingungen.

Billiges Geld sorgt erneut für Zuwachs bei den Kreditvergaben

Die Sparkasse Rotenburg Osterholz ist die elftgrößte Sparkasse in Niedersachsen– mit einer Bilanzsumme von 3,3 Milliarden Euro und einem Eigenkapital von 345 Millionen Euro. Mehr als 650 Mitarbeiter betreuen die zurzeit rund 130 000 Kunden der Sparkasse.

Keinerlei spürbaren Einfluss habe die Pandemie auf die Darlehenszusagen. Weiterhin seien die Zeiten zum Bauen, Modernisieren oder Investieren aus Sicht von Kreditnehmern so günstig wie nie, teilt der Vorstand der Sparkasse mit. So konnten die Zusagen an neuen Krediten – getragen durch die Privatkundschaft – nochmals gesteigert werden. Es seien im abgelaufenen Geschäftsjahr Zusagen in einer Höhe von rund 505 Millionen Euro neuer Krediten erfolgt – das bedeutet eine nochmalige Steigerung um 64 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr, heißt es.

Die Kundeneinlagen sind im vergangenen Jahr um mehr als 22,1 Millionen Euro angewachsen. Sie belaufen sich nunmehr auf fast 2,8 Milliarden Euro. Problem: Sie bekommen dafür keine Zinsen – und für hohe Guthaben wird inzwischen sogar ein Verwahrentgelt fällig.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Sanierung der Bundesstraße mit Radweg in Sottrum beginnt Mitte August

Sanierung der Bundesstraße mit Radweg in Sottrum beginnt Mitte August

Sanierung der Bundesstraße mit Radweg in Sottrum beginnt Mitte August
Ferdinands-Feld-Festival an drei Wochenenden auf dem Flugplatz Rotenburg

Ferdinands-Feld-Festival an drei Wochenenden auf dem Flugplatz Rotenburg

Ferdinands-Feld-Festival an drei Wochenenden auf dem Flugplatz Rotenburg
Feuerwehreinsatz in Zeven: Kita in Flammen – hoher Schaden

Feuerwehreinsatz in Zeven: Kita in Flammen – hoher Schaden

Feuerwehreinsatz in Zeven: Kita in Flammen – hoher Schaden
Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Kommentare