Deutlich weniger Kundschaft

Corona-Testzentren im Sparbetrieb

Corona-Testzentrum
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Ja, es gibt sie immer noch, die Testzentren. Mittlerweile aber ist der Corona-Test eben nicht mehr für alle kostenlos. Vielleicht ist auch das ein Grund für die geringere Nachfrage.

Rotenburg – Die Tage der kostenlosen Bürgertests sind vorbei. Seit Montag gilt eine neue Verordnung, infolge derer die meisten Menschen für einen Corona-Test bezahlen müssen. Wie aber wirkt sich das nun auf Nachfrage und Angebot aus? Wir haben uns in den Testzentren in der Region umgehört, wie dort die ersten Tage verlaufen sind.

In Rotenburg etwa sei die Zahl der Corona-Tests deutlich eingebrochen. Das erklärt Apotheker René Große, der nach wie vor sein Zentrum an der Großen Straße betreibt. Er sieht mit Blick auf die neue Verordnung einen klaren Zusammenhang. Von denen, die online einen Termin bei ihm buchen, entfalle nur ein geringer Teil auf jene Personen, die jetzt 15,99 Euro pro Test zahlen müssen. Überwiegend seien es Kinder oder auch schwangere Frauen, die den Test nach wie vor kostenlos erhalten. „Unser Angebot bleibt aber natürlich bestehen“, sagt Große. Es sei nach wie vor sinnvoll, sich testen zu lassen. Die aktuelle Lage vor allem im Landkreis Rotenburg bezeichnet er als relativ gut – „vor allem auch wegen der ganzen Impferei“. Innerhalb der vierten Welle sei insgesamt eine kleine Delle festzustellen. „Wir müssen einfach schauen, wie es jetzt weitergeht.“ Neben Impfungen und Tests sei es nach wie vor ganz wichtig, die Masken weiter zu nutzen. Hier im Landkreis seien die Menschen offensichtlich sehr sensibilisiert, sie verhielten sich recht vernünftig. René Große: „Das merkt man allein schon daran, dass kaum Leute sagen: Das ist doch alles Blödsinn.“ Die Mehrzahl der Menschen hier sei geimpft und vorsichtig. Das mag auch der Grund sein, warum das Testzentrum von „H.i. Glove Service“ am Obi-Markt in der Kreisstadt jetzt geschlossen hat: zu wenig Kundschaft.

Monatelang war die Beeke-Apotheke erste Anlaufstelle, wollte man sich in Scheeßel testen lassen. „In der Spitze kamen täglich 180 bis 200 Leute zu uns“, berichtet Inhaber Hans-Erik Meyer. Doch seit einiger Zeit, erst recht mit Beginn dieser Woche, sei die Nachfrage doch auch bei ihm und seinem Team drastisch zurückgegangen. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sei das von den drei Apotheken im Beeke-Ort gemeinsam betriebene Testcenter erst gar nicht geöffnet gewesen. „Jetzt, mit Beginn der Ferienzeit, haben wir am Freitag und am Samstag noch mal eine ganz gute Buchungslage.“

Meyer meint, man müsse sich gerade im ländlichen Raum überlegen, ob man ein solches Angebot aus betriebswirtschaftlichen Gründen jetzt überhaupt noch aufrecht erhalten könne und wolle. 15,99 Euro, und damit genauso viel wie in der Wümme-Stadt, kostet in Scheeßel ein Test – für viele offenbar ein Grund, diesen Preis nicht zu zahlen. „Aller Voraussicht nach werden wir unser Zentrum zum Monatsende schließen“, kündigt der Apotheker an. „Andernfalls müsste der Test so teuer werden, dass das auch keiner mehr machen will.“ Meyer ist überzeugt: „Den Part, den wir leisten wollten, den haben wir inzwischen auch geleistet.“

Für viele Bürger sind Corona-Schnelltests ab sofort kostenpflichtig. Das hat auch Auswirkungen auf das Geschäft von Hans-Erik Meyer, Apotheker aus Scheeßel. Sein Testzentrum wird kaum noch aufgesucht.

Weite Wege in Kauf nehmen, um sich testen zu lassen, müssen die Visselhöveder, die noch nicht vollständig geimpft sind. Denn weder die Alte Apotheke noch die Neue Apotheke halten Testmöglichkeiten vor. „Bei uns ist schlichtweg zu wenig Platz“, informiert Robert Rabe von der Alten Apotheke. Aber generell sei auch die Nachfrage nach Testungen durch Kunden nicht mehr groß, berichtet er. „Ich gehe davon aus, dass bei uns hier auf dem Land die meisten Menschen schon durchgeimpft sind oder es hoffentlich möglichst schnell sein werden.“

In der Neuen Apotheke gibt es zwar immer noch eine Genehmigung für ein Testzentrum im Obergeschoss des Hauses, „aber wir haben die Einrichtung komplett wieder abgebaut“, sagt Apotheker Matthias Grube. Zum einen könne man das Angebot aus Kostengründen nicht ewig vorhalten, weil es kaum noch Nachfragen gebe, zum anderen sei es auch ein politisches Durcheinander, „bei dem wir lange Zeit nicht wussten, wohin die Reise beim Testen geht“. Grube hatte bis zum Sommer ein Testzentrum im ehemaligen Sportstudio betrieben, aber „auch das wurde aufgrund drastisch sinkender Zahlen geschlossen.“

In Sottrum bieten die St.-Georg-Apotheke und die Pinguin-Apotheke eine gemeinsame Testmöglichkeit: „Wir haben lange überlegt, ob wir das weitermachen. Es gibt ja nach wie vor Menschen, die einen aktuellen Test brauchen, von daher sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir das Angebot hier vor Ort erhalten wollen“, sagt Inhaberin Annette Katenkamp. 11,50 Euro kostet ein Test im Wieste-Ort – jedenfalls für Personen, die keine Berechtigung für einen kostenlosen Test haben. „Wir brauchen solche Nachweise – aber das funktioniert gut, die Nutzer haben in der Regel ihre Unterlagen dabei.“ Für den Betrieb des Testzentrums, das derzeit von montags bis freitags am Vormittag sowie donnerstags und freitags am Nachmittag geöffnet ist, hatte Katenkamp Aushilfen angeheuert. Jetzt sind die täglichen Testzahlen zwar zurückgegangen, aber dennoch: „Wir haben täglich Termine“, sagt Katenkamp.

In Fintel und Bothel gibt es keine speziell ausgerichteten Testzentren.

Eine Übersicht über die Testzentren im Landkreis hat der Landkreis genau hier aufgelistet.

Kostenlose Tests unter bestimmten Voraussetzungen

Die Schnelltests sind mittlerweile zwar kostenpflichtig, doch gibt es Ausnahmen für Menschen, die sich nicht impfen lassen können, so das Bundesgesundheitsministerium. Weiterhin kostenlos testen lassen können sich demnach mindestens einmal wöchentlich: Kinder unter zwölf Jahren oder die in den zurückliegenden drei Monaten vor dem Test erst zwölf geworden sind, ebenso Minderjährige und Schwangere noch bis zum 31. Dezember, vormals Schwangere und Stillende erhalten in einer Übergangsfrist noch kostenlose Tests bis zum 17. Dezember, da die Impf-Empfehlung der Stiko erst im September ausgesprochen wurde. Unter die Ausnahmen fallen auch Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, zum Beispiel im ersten Schwangerschaftsdrittel; Covid-Erkrankte, die den Test zur Beendigung ihrer Quarantäne benötigen; ausländische Studenten, die mit hier nicht anerkannten Vakzinen geimpft sind und Teilnehmer von klinischen Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen „SARS-CoV-2“.

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