Neue Regeln

Friseure: 2G+ ein Hemmschuh

Nur noch mit FFP2-Maske dürfen Friseurmeister Ralf Wesseloh und seine Mitarbeiter die Kunden bedienen.
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Nur noch mit FFP2-Maske dürfen Friseurmeister Ralf Wesseloh und seine Mitarbeiter die Kunden bedienen.

Aktuell müssen auch Friseursalons auf die Einhaltung der 2G-Regel achten. Mitte der Woche könnte das noch einmal verschärft werden durch 2G+. Ein „richtiger Hemmschuh“ sei das, sagt Carsten Gehse, stellvertretender Obermeister der Friseurinnung Bremervörde-Rotenburg.

Rotenburg – Ralf Wesseloh sitzt am Besprechungstisch in seinem Büro im ersten Stock seines „Haarstudios“. Eigentlich hätte der Rotenburger Friseurmeister in diesem Moment mit der Schere in der Hand hinter einem Kunden stehen sollen. Der Termin wurde abgesagt. Das passiert in diesen Tagen öfter – seit der Einführung von 2G gibt es Ausfälle. In dieser Woche wird die Lage noch einmal verschärft, ab Mittwoch könnte in vielen Teilen Niedersachsens die Warnstufe 2 gelten, damit also 2G+. Die Friseure rechnen damit, dass mehr Kunden wegbleiben, weil sie sich nicht zusätzlich testen wollen.

Die meisten Friseure sind Ende der vergangenen Woche dennoch relativ entspannt, es sei absehbar gewesen, und das Impf-Angebot für alle besteht lange genug. „Die Kunden haben es gut aufgefasst, trotzdem hatten wir Ausfälle. Die Kunden, die noch nicht geimpft sind, sind natürlich enttäuscht, weil sie teils auch länger auf einen Termin warten müssen“, sagt Jane Lüdemann, die ihren Salon in Brockel hat. Für sie am wichtigsten sei aber, dass sie arbeiten dürfen. „Wir müssen jetzt damit zurechtkommen.“ Hinter den Absagen steckten keine Impfgegner, sondern eher Schwangere oder junge Mütter, die noch unsicher oder nicht vollständig geimpft sind.

„Es müssen Maßnahmen ergriffen werden“, spricht Lüdemann für viele ihrer Kollegen. Man wolle die Regeln befolgen, doch dazu müssen sie klar kommuniziert werden, meint auch Wesseloh.

Genau da liegt aber der Hase im Pfeffer – mal wieder. Fehlende Klarheit in der jüngsten Verordnung, die erneut kurzfristig auf die Unternehmer zurollt. Nachfragen beim Ordnungs- oder Gesundheitsamt helfen zunächst nicht weiter. Es geht beispielsweise um die Frage im Umgang mit Zwölf- bis 18-Jährigen: Müssen sie 2G nachweisen? Noch nicht, wissen die Friseure mittlerweile – aber Fragen bleiben, zum Beispiel, ob die Jugendlichen zumindest getestet sein müssen. „Wir müssen alles schnell umsetzen können, sonst haben wir Einbußen“, sagt Wesseloh. Es ist wie so oft ein „Flickenteppich“, kritisiert Carsten Gehse, stellvertretender Obermeister der Friseurinnung Bremervörde-Rotenburg, der das Headspa in Scheeßel betreibt.

Kontrolliert wird bislang nicht, vom Landkreis gibt es dazu noch keine offiziellen Informationen. Der ist zuständig, so das Rotenburger Ordnungsamt, das auf Anfrage Amtshilfe leisten kann – aber eben erst dann. Dass die Einhaltung nicht kontrolliert wird, beobachtet die Friseurinnung Bremervörde-Rotenburg mit Sorge. Denn ein großes Problem, das sich seit den Lockdowns nicht gelegt hat, sind Schwarzarbeit und die Arbeit derjenigen, die es mit den Regeln nicht so genau nehmen. Nicht legal, vielleicht an einem Ort, an dem ein Infektionsgeschehen nicht kontrolliert werden kann – dann befürchtet die Innung Pandemiegeschehen. In einem Handwerk, das sonst nachweislich ein niedriges Infektionsgeschehen aufweist: frustrierend für die Friseure, die sich an die Vorgaben halten.

Dazu gehört seit Freitag, dass alle Mitarbeiter wieder FFP2-Masken tragen müssen. Das schreibt die Berufsgenossenschaft vor. Das bedeutet, dass auch mehr Pausen benötigt werden, in einem Job, der ohnehin ein „hartes Zeitmanagement“ aufweist, nennt es Wesseloh. Außerdem müssen die Masken regelmäßig gewechselt werden – erneut ein Kostenfaktor für die Inhaber.

Gehse hat Kunden, die zu ihm wechseln, weil sie sich in anderen Salons nicht sicher fühlen. Dennoch: Gut 20 Prozent haben sie an Schwarzarbeit verloren, schätzt die Innung. Die Gefahr sieht auch Wesseloh: „Die Leute haben gelernt, dass es ohne uns geht.“ Etwa 60 Prozent des normalen Kundenaufkommens verzeichnen die Salons der Innung derzeit durchschnittlich.

Dass sie nicht die Relevanz beispielsweise eines Lebensmittel-Grundversorgers haben, auch darin sind sich die Friseure einig. Dennoch: Sie müssen Geld verdienen, ihre Mitarbeiter bezahlen. Die Situation ist für viele ähnlich wie bereits vor einem Jahr, und es gibt genügend Friseure, denen es so schon nicht sonderlich gut geht, weiß Wesseloh. Mit 2G+ vor der Nase denken schon jetzt die ersten, auch größeren Salons daran, dass sie sehr wahrscheinlich wieder Kurzarbeit anmelden müssen.

Einige Kunden werden keine Lust haben, sich extra testen zu lassen – und vielleicht noch mehr zu unseriösen und nicht pandemie-gerecht agierenden Friseuren abwandern. „2G+ ist ein richtiger Hemmschuh, da werden einige Kunden wegbleiben“, ist sich Gehse sicher. „Schon jetzt sind Lücken da, durch 2G+ werden sie noch größer“, schließt sich Wesseloh an.

Die Salons stellen sich darauf ein. „Es gab zuletzt schon eine erste Auslese“, weiß Gehse. Mit 3G sei man aber „sehr bequem gefahren“, schon jetzt seien nur wenige Ungeimpfte gekommen – allerdings verzeichnet Rotenburg auch eine relativ gute Impfquote. Und das Problem der Schwarzarbeit bleibt. Eine Testung nicht nur für Ungeimpfte, sondern grundsätzlich hätte Lüdemann schon länger befürwortet. „Jeder kann es mitschleppen. Wir machen jetzt alles mit und hoffen, dass wir geöffnet bleiben können.“

Corona-Regeln im Supermarkt, auf dem Weihnachtsmarkt und beim Friseur: Was gilt bei Aldi, Lidl und Edeka sowie bei körpernahen Dienstleistungen im Dezember

Während sich die Corona-Regeln auf dem Weihnachtsmarkt in den verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich verhalten, können die Corona-Regeln im Supermarkt bei Aldi, Lidl und Edeka im Dezember ebenfalls stark voneinander variieren. Aber was genau gilt bei 2G oder 3G an Corona-Regeln im Supermarkt nun eigentlich?*

Ähnlich sieht es auch bei der Verschärfung der Corona-Regeln beim Friseur und weiteren körpernahen Dienstleistungen mit 2G* aus. Am Ende kommt es in der vorweihnachtlichen Zeit auch darauf an, wie sich das Pandemie-Geschehen entwickelt. Je nachdem kann es zu weiteren drastischen Verschärfungen kommen, bei denen nach Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil abermals die „Schrauben deutlich“ angezogen werden könnten. Bei einer Entspannung hingegen könnten vielleicht nicht nur die Friseure in Deutschland noch vor Weihnachten 2021 wieder etwas durchatmen.

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