Mehr Tests, mehr Lockerungen

Rotenburg will Tübingen sein: Bewerbung als Modellregion

Eingang zur Kreistagssitzung mit Desinfektionsspender
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Maskenball im Rotenburger Kreistag. Ganz brav halten sich die Abgeordneten am Donnerstag in der Aula des Rotenburger Ratsgymnasiums an die Hygieneregeln. Rotenburg will trotzdem Lockerungen - nach Tübinger Vorbild.

Noch vor Ostern will Rotenburg raus aus dem harten Corona-Lockdown - mit einer Test-Strategie wie in Tübingen.

  • Rotenburg bewirbt sich beim Land als Modellregion.
  • Neues Teszzentrum in Rotenburg.
  • Landrat: Ansteckungen zuhause und bei der Arbeit.

Rotenburg – Testen, testen, testen: Auf diese Weise möchte auch die Stadt Rotenburg Perspektiven in der Coronakrise schaffen, für den Einzelhandel wie die Außengastronomie. So könnten die befürchteten Schließungen oder weiterer Stillstand bei den aktuell schnell steigenden Coronazahlen verhindert werden – quasi ein Tübinger Modell. Die Stadt in Baden-Württemberg gilt diesbezüglich bundesweit als Vorreiter.

Rotenburg hat sich beim Land Niedersachsen als Modellkommune beworben. Die Landesregierung möchte damit Innenstädten eine sichere und nachvollziehbare Öffnungsperspektive bieten. Dazu braucht es eine Teststrategie mit einem Konzept – und eben das wird im Rathaus gerade erarbeitet, teilen Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und Erste Stadträtin Bernadette Nadermann mit.

Teil des Ganzen ist die Einrichtung eines weiteren Testcenters am ehemaligen Standort der Tourist-Information. Dort wird zwar in einigen Monaten das Trauzimmer einziehen, bis dahin kann es aber anderweitig genutzt werden. Drei bis vier Testplätze können dort geschaffen werden. Das würde, gemeinsam mit den beiden weiteren Testzentren von Apotheker René Große, der auch in das am Rathaus involviert ist, zwischen 800 und 1 000 Testungen am Tag ermöglichen. „Wir brauchen eine Perspektive, und die kann nicht sein, dass immer nur alles zu ist“, betont Nadermann. Deswegen soll das Testzentrum – auch unabhängig von einer Zusage aus Hannover – schnell realisiert werden. Aktuell seien etwa 500 Termine pro Tag möglich, zuletzt habe Große etwa 350 Tests pro Tag durchgeführt. „Aber wir wollen mehr“, sagt der Verwaltungschef. „Wir wollen durch zusätzliche Testmöglichkeiten Sicherheit und Freiheiten schaffen.“

Vor dem neuen Testzentrum: Bernadette Nadermann und Andreas Weber.

Das Virus eindämmen durch frühzeitiges Erkennen, Sicherheiten schaffen zum Beispiel beim Einkaufen: Das kann durch groß angelegte Testungen erreicht werden. Selbsttests werden dabei aber vermutlich nicht anerkannt – zu unsicher ist, ob sie richtig gehandhabt werden und wer sie wirklich verwendet hat. Das nachzuweisen sei schwierig, so Nadermann. Parallel dazu wird die Nachverfolgung im Konzept mit bedacht, zum Beispiel durch Apps. Es gibt also noch Klärungsbedarf, aber sollte es grünes Licht geben, will die Stadt sofort loslegen können. Schnell ist das Ziel, Weber hofft auf eine Antwort aus Hannover noch vor Ostern. Wenn es finanzielle Unterstützung gibt, soll diese in Anspruch genommen werden – weil zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Bis dahin geht die Stadt in Vorleistung. „Wir machen das jetzt, wir wollen uns einen Spielraum erarbeiten“, erklärt der Verwaltungschef.

Wird Rotenburg für den Modellversuch akzeptiert, wird es Schritte wie in Tübingen geben können, wo bereits seit Längerem mithilfe von negativen Schnelltests jederzeit einkaufen und Essen gehen möglich sind – gerade jetzt, wo das wärmere Wetter kommt, muss es eine Chance zum Beispiel für Außengastronomie geben. „Wir wollen unsere Wirtschaft fördern und dafür eine kontrollierte Offensive durchführen.“ Gerade als Mittelzentrum mit dem Wettbewerb durch unter anderem große Shoppingcenter in der Nähe braucht es sichere Lösungen für die Händler und Gastronomen vor Ort. Daher geht die Stadt voran und bereitet alles vor. Auch einen Besuch im Ronolulu oder sportliche sowie kulturelle Aktivitäten hält Weber dann für denkbar.

Termine frei für Impfungen in der Pestalozzihalle

Deswegen sind die dezentralen Impfungen ein wichtiger Schritt und sollen vorangetrieben werden. Für kommenden Mittwoch und Donnerstag sind 586 Termine an Über-80-Jährige vergeben worden, die in der Pestalozzihalle an der Gerberstraße mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft werden. Dort sind drei Impfstraßen mit jeweils zwei Impfmöglichkeiten, eine davon musste die Stadt organisieren, die anderen organisiert das Impfzentrum in Zeven. Für die städtische Impfstraße hat Weber Ärzte und Impfberechtigte gewinnen können. Unterstützung gibt es dazu sowohl aus den eigenen Reihen im Rathaus als auch vom Ortsverband des DRK.

Zusammen mit den Impfungen in Zeven und in den Altenheimen seien dann 95 Prozent der Über-80-Jährigen mindestens einmal geimpft. Der zweite Impftermin in Rotenburg im Mai steht ebenfalls fest. Wer dennoch einen Anruf aus Hannover erhält, dass er einen Impftermin in Zeven bekommen kann, soll diesen einfach absagen, rät Weber. Ü-80-Senioren, die sich in der kommenden Woche noch impfen lassen möchte, sollte sich schnellstmöglich im Rathaus melden unter  04261/71100. Dort waren in der Tourist-Info, die als Impfhotline herhält, bereits am ersten Tag der Terminvergabe die Telefone heiß gelaufen.

In der Aula des Rotenburger Ratsgymnasiums tragen die Kreistagsangeordneten wie Doris Brandt (SPD) in der Sitzung am Donnerstag brav Maske. Vorsicht bleibt in der Kreisstadt auch weiter angebracht – dennoch wird nach Wegen aus dem dauerhaften Lockdown gesucht.

Landrat Luttmann spricht von „Armutszeugnis für die Gesellschaft“

Die Corona-Situation ist aktuell auch im Landkreis sehr ernst. Und so hält sich Landrat Hermann Luttmann (CDU) in seinen Ausführungen in dieser Kreistagssitzung am Donnerstag in der Aula des Rotenburger Ratsgymnasiums zeitlich kurz. Alle im Saal tragen Maske, viele haben das Angebot zum Selbsttest vor der Sitzung angenommen. An diesem Tag, als bei 47 neu gemeldeten Fällen die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis auf 88,5 Neuinfektionen in Bezug auf 100  000 Einwohner hochschnellt und sich der verschärften Lockdown-Grenze von 100 nähert, sind wenigstens die Impfzahlen ein kleiner Lichtblick: 14 825 Menschen, rund neun Prozent der Bevölkerung, haben bislang kreisweit die Erstimpfung erhalten, 7 266 sogar schon die zweite Dosis. Doch: „Wir könnten deutlich mehr impfen, es fehlt schlichtweg der Impfstoff.“ Wenn ab April die Hausärzte eingebunden werden und endlich ausreichend Vakzin vorhanden sei, könne es wirklich vorangehen.

Dass die Zahlen derzeit auch in der Region wieder dermaßen in die Höhe schnellen, sei insbesondere der britischen Mutation des Virus zuzuschreiben. „Viele Hygienekonzepte halten der Variante nicht statt“, sagt Luttmann. Die Kontaktnachverfolgung des Gesundheitsamts – derzeit gilt für knapp 600 Menschen die häusliche Quarantäne – habe ergeben, dass Ansteckungen vor allem im privaten und beruflichen Umfeld stattfinden. Die Maßnahmen der Schulen und Kitas seien dagegen weitgehend ausreichend, dort gebe es nur vereinzelt größere Übertragungen.

Mit Blick auf den für Rotenburg geplanten Lockerungsversuch mit ausgiebigen Testungen sagt der Landrat: „Es ist fantasielos oder falsch, bei Maßnahmen immer nur auf Inzidenzzahlen zu blicken.“ Es gehe um den Schutz der Menschen, und da gebe es verschiedene Wege. Klar sei aber auch: „Die hohe Zahl an Toten in den Heimen ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft.“ Im Kreis gibt es bislang 78 Pandemie-Tote. Nur neun waren jünger als 70, 59 Bewohner von Pflegeeinrichtungen.

Die tagesaktuellen Coronazahlen veröffentlicht das Geusndheitsamt genau hier.

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