Die Belastungen nehmen zu

Corona sorgt beim Amt für Jugend und Soziales für Engpässe

Kurz vor dem Ruhestand im Stress: Elke Bellmann.
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Kurz vor dem Ruhestand im Stress: Elke Bellmann.

Rotenburg – Eigentlich würde Elke Bellmann endlich damit beginnen, in ihrem Büro für Klarschiff zu sorgen. Schließlich geht die Leiterin des Rotenburger Amtes für Jugend und Soziales Ende kommenden Monats in den Ruhestand. „Daran ist zurzeit aber gar nicht zu denken“, sagt sie in einem Gespräch mit der Kreiszeitung über die aktuelle Situation, die für sie und ihre Kollegen reichlich Stress mit sich bringt. Bei aller Arbeit nämlich halten die Auswirkungen der Pandemie sie zusätzlich mächtig auf Trab.

Zurzeit geht es in erster Linie darum, die Neuanmeldungen für die Kindertagesstätten zu bearbeiten. Allein deshalb klingelt deutlich häufiger als sonst das Telefon. „Die Eltern haben Nachfragen, sie wollen wissen, wann sie denn Bescheid bekommen und woran sie sind“, so Elke Bellmann. Da es immer auch Mehrfachanmeldungen in verschiedenen Einrichtungen gibt, um am Ende auf Nummer sicher zu gehen, wird die Aufgabe, alle unter einen Hut zu bekommen und die Wünsche der Eltern bestmöglich zu erfüllen, nicht wirklich leichter.

Hinzu kommen die sogenannten Flexi-Kinder, Mädchen und Jungen also, die zwischen dem 1. Juli und 30. September geboren wurden. In diesen Fällen müssen die Eltern entscheiden, ob sie ihre Sprösslinge einschulen lassen oder noch ein Jahr länger in die Kita geben. „Durch Corona gibt es immer wieder auch Fälle, die die Kita für ein weiteres Jahr vorziehen, weil das für die Eltern in der momentanen Situation besser planbar ist“, berichtet die Leiterin des Amtes für Jugend und Soziales.

Steigt die Zahl der „Kann-Kinder“, die ein weiteres Jahr den Kindergarten besuchen, wird es enger mit den Plätzen – und damit auch beim Erfüllen von Elternwünschen mit Blick auf die Betreuung. Bis Ende dieser Woche können die Eltern diese Entscheidungen treffen.

Zusätzlich sorgt das Pandemiegeschehen an sich für mehr Arbeit. Immer wieder müssen Gruppen in den Kitas in Quarantäne geschickt werden. Zurzeit betrifft dies eine Gruppe in der Kita am Lönsweg. Ein ähnliches Szenario drohte in Waffensen, aber dort haben die PCR-Tests nach dem positiven Schnelltest eines Kindes für Entwarnung gesorgt. An diesen Beispielen, so Bellmann, werde deutlich, wie wichtig es ist, für eine strikte Trennung zwischen den Gruppen in den Einrichtungen und den Fachkräften zu sorgen. Nur so ließen sich im Fall der Fälle die Folgen von Infektionen auf einzelne Gruppen beschränken.

Fallen aber Erzieherinnen aus, wird es schwierig, weil die Trennung eben auch für die Vertreterinnen gilt – „das ist sehr schwer umzusetzen“, erklärt Elke Bellmann. Hierbei mache sich zusätzlich nämlich der Fachkräftemangel bemerkbar, mit dem die Kommunen ohnehin schon zu kämpfen haben. Dabei muss ein personeller Ausfall nicht immer mit Corona zu tun haben. „Es gibt ja auch noch andere, krankheitsbedingte Ausfälle“, so Bellmann. „Wir haben zwar Vertretungskräfte, aber bei ihnen versuchen wir ebenfalls, die Einsätze auf jeweils nur eine Einrichtung zu beschränken.“ Kein Wunder also, wenn das Telefon in diesen Tagen häufiger klingelt als sonst üblich.

Dazu landen im Amt für Jugend und Soziales und damit auch in den Kitas neue, mehr als 30 Seiten starke Rahmenhygienepläne für die Einrichtungen auf dem Tisch. Zudem befinde man sich derzeit im eingeschränkten Regelbetrieb – mit reduzierten Zeiten von maximal sechs Stunden. „Das führt bei manchen Eltern zu Engpässen. Sie rufen also an und fragen, wie das gehen soll.“ Die Eltern gingen „auf dem Zahnfleisch“ – das sei alles belastend.

Dennoch: Es ist ja nicht alles schlecht. Die Zahl der infizierten Kinder halte sich in den Rotenburger Kitas noch in Grenzen. „Überwiegend sind es Einzelfälle.“ Dennoch seien die Auswirkungen eben nicht zu unterschätzen. Bellmann: „Das alles ist sehr belastend – für uns, für die Einrichtungen und für die Eltern.“

Umso mehr freue sie sich darüber, dass inzwischen viele der Erzieherinnen geimpft sind. Doch während des Gespräches wirft Elke Bellmann einen Blick auf die aktuellen Zahlen für den Landkreis: 170 Kinder im Alter bis zu neun Jahren sowie 303 Kinder und Jugendliche bis zu 19 Jahren sind an diesem Tag infiziert. Und die Inzidenz für den Landkreis überstieg Ende vergangener Woche die 100er-Marke. Es drohte, die Notbremse zu greifen. Dann wären die Kitas nur noch im Notbetrieb – und die Probleme für die Eltern entsprechend noch größer als ohnehin schon. Am Wochenende sind die offiziellen Zahlen wieder gesunken – vielleicht also kommt der Landkreis und damit auch Rotenburg noch einmal glimpflich davon. Und dann schafft es die Leiterin des zuständigen Amtes im Rotenburger Rathaus am Ende vielleicht ja doch noch, bis zur Übergabe an die Nachfolgerin in ihrem Büro für Klarschiff zu sorgen.

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