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Circus Belly präsentiert in Rotenburg neues Programm: Zurück in der Manege

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Von: Ann-Christin Beims

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Die „Gerlings“ aus Kolumbien präsentieren Hochseil-Artistik.
Die „Gerlings“ aus Kolumbien präsentieren Hochseil-Artistik. © Circus Belly

Zum ersten Mal seit 2014 ist der Circus Belly wieder zu Gast in Rotenburg, diesmal auf dem Gelände des Flugplatzes. Mit einem neuen Programm startet er nach der kargen Pandemiezeit wieder durch. Doch es gibt noch andere Herausforderungen, denen sich Artisten und Co. gegenübersehen.

Rotenburg – Das runde Zelt des Circus‘ Belly steht auf dem Gelände des Rotenburger Flugplatzes. Gerade werden mehrere Stuhlreihen herantransportiert, die auf der Tribüne befestigt werden. Drinnen herrscht auf den ersten Blick Gewusel, doch jeder weiß, was er zu tun hat – jeder Handgriff sitzt. Das muss er auch, denn obwohl die erste Vorstellung erst am heutigen Donnerstag ist, musste bereits am Dienstagabend alles fertig sein auf dem Gelände.

„Mittwoch müssen wir schon wieder in Hamburg-Bergedorf Werbung machen und plakatieren“, erklärt Juniorchef Orlando Köhler. Der Zirkus, den sein Vater Klaus Köhler vor 40 Jahren ins Leben gerufen hat, macht anlässlich dieses Geburtstags eine „Jubiläumstournee“ mit dem Programm „Evolution“ für mehrere Tage nun auch Halt in Rotenburg.

Das Todesrad ist eines der Highlights.
Das Todesrad ist eines der Highlights. © Circus Belly

Der Aufbau ist einiges an Aufwand: „Es steckt viel Arbeit dahinter“, sagt Köhler. In der Wümmestadt waren sie schon mehrfach zu Gast, aber an anderen Standorten: in den 90er-Jahren am Weichelsee auf dem Festplatz, einmal am Weicheler Damm, wo heute der Hallenspielplatz Kito ist. Beim letzten Besuch 2014 waren sie dann im Gewerbegebiet Hohenesch, jetzt am Flugplatz. Der Standortwechsel – er zeigt auch die Veränderungen auf, denen sich Zirkusleute heute gegenübersehen. Es ist nicht mehr so leicht, einen passenden Platz zu finden, an dem sie zeitweise stehen können, meint Köhler, der den Zirkus gemeinsam mit seinen Brüdern leitet. „Viele Plätze sind verbaut. Das macht es uns schwieriger.“

Die Familie ist mit ihren Gast-Artisten verschiedener Nationalitäten in ganz Deutschland unterwegs – mal nur wenige Tage wie in Rotenburg, in größeren Städten stehen sie auch mal drei Wochen. 35 bis 40 Stationen fahren sie jährlich an. Aktuell sind sie in kleinerer Besetzung unterwegs, denn auch sie müssen sparen angesichts steigender Energiekosten – sie reisen mit dem kleinen Zirkuszelt, weniger Wagen und weniger Tieren. „Wir können die Tickets nicht einfach teurer machen – dann kommt keiner mehr“, befürchtet Köhler. Vorstellungen sollen immer noch für alle erschwinglich sein.

Auszug aus dem Programm „Evolution“

Alle zwei Jahre stellen sie ein neues Programm auf die Beine, erklärt Circus Bellys Juniorchef Orlando Köhler. In „Evolution“ sind ein Highlight die „Gerlings“ aus Kolumbien. „Waghalsige Sprünge und unglaubliche Tricks in luftiger Höhe, gepaart mit heißblütigem südamerikanischen Temperament“, beschreibt Köhler die drei Artisten in der Ankündigung, die auch Preisträger des Internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo sind. Unter anderem präsentieren sie Nervenkitzel auf dem „rotierenden Rad des Todes“. Auch wird das Clowntrio „Avantes“ aus Italien auftreten und „kein Auge trocken“ lassen, ist sich Köhler sicher. Die spanische Reiterin Karina entführt ins alte Spanien und präsentiert auf ihrem andalusischen Vollbluthengst Esparanto „die Hohe Schule der Reitkunst“, während Loreen mehrere Reifen gleichzeitig an Armen und Beinen bewegt. 

Sie haben Pferde, Alligatoren und Schlangen dabei. Die Kamele, Hunde und der Schimpanse sind beispielsweise mit dem Rest in ihrem Quartier in Celle, erklärt Köhler. „Die Kamele haben gefohlt und brauchen Ruhe, dürfen nicht mit auf Reisen.“ Zirkus ist nach wie vor eng mit Tieren verbunden und diese sind für die Köhlers wie eine Familie. Dennoch stehen sie wie auch andere Zirkusse oft in der Kritik wegen der Tierhaltung. Nicht artgerecht, wirft ihnen beispielsweise Peta vor und appelliert einmal mehr, sämtliche Tiernummern einzustellen. Die Zurschaustellung und der Zirkusalltag seien für sie mit Leid und Stress verbunden. Vor allem Schimpanse Robby, um den es einen langen Rechtsstreit gegeben hatte, solle „endlich an eine Auffangstation“ abgegeben werden. Doch das Tier ist gar nicht dabei, sagt Köhler.

Ohnehin sieht er das gänzlich anders. Wöchentlich würde das Veterinäramt einen Blick auf die Tiere werden, in jeder Stadt. „Sie begutachten, ob sie genug Auslauf haben und gut im Futter sind beispielsweise“, sagt er. Auch die Boxengrößen müssen entsprechend sein, einen Auslauf gibt es ebenfalls. „Da ist auch ein Tierpfleger, der sich um alles kümmert. Wenn es unseren Tieren schlecht ginge, dürften wir sie gar nicht halten.“ Das diesjährige Programm enthalte schon deutlich weniger Tiernummern. „Wir haben viel Artistik und Comedy. Die Show ist moderner als sonst, man muss mit der Zeit mitgehen. Viele sagen, Zirkus sei nur etwas für Kinder, aber das stimmt nicht.“

Orlando Köhler und der Rest der Circus-Belly-Familie bauen auf dem Flugplatz das Zelt auf.
Orlando Köhler und der Rest der Circus-Belly-Familie bauen auf dem Flugplatz das Zelt auf. © Beims

Ohnehin seien sie froh, dass es wieder losgehen konnte. Der Veranstaltungsbranche hat die Pandemie einen gehörigen Knick versetzt. Auch die Belly-Familie war monatelang ohne Betrieb – und damit ohne Einnahmen. Staatliche Hilfen gab es kaum. Zwischendurch konnten sie mit einem aufwändigen Hygienekonzept, in das sie einiges investiert haben, zwar ein paar Vorstellungen durchführen, erinnert sich der Juniorchef – aber in abgespeckter Form. „Die Show war im Prinzip zwei Jahre lang auf Eis gelegt. Da waren wir auf uns allein gestellt, hatten aber auch Hilfe von Landwirten, die uns Heu vorbeigebracht haben“, ist Köhler dankbar. Denn einen anderen Beruf könnte er sich nicht vorstellen. „Ich bin in den Zirkus reingeboren worden.“ Für ihn sei es das Romantische, das Ambiente, dass das Besondere am Zirkus ausmacht. „Das ist für das Publikum eine andere Welt. Da freut man sich, dass man es unterhalten kann und das geschätzt wird.“ Er habe den Eindruck, dass die Leute wieder mehr Interesse am Zirkus zeigen, seit es wieder Vorstellungen gibt. „Vor Corona war es etwas ruhiger. Heutzutage ist alles überfüllt mit Veranstaltungen, das wird manchmal zu viel. Da ist es nichts Besonderes mehr. Aber seit den Lockdowns weiß es das Publikum wieder mehr zu schätzen. Es war lange nicht da, sie haben es vermisst.“

Vorstellungen

Vom 15. bis zum 18. September gastiert der Zirkus am Flugplatz. Vorstellungen sind Donnerstag und Freitag um 17 Uhr, Samstag um 15 und 19 Uhr sowie am Sonntag um 11 Uhr. Der Ticket-Vorververkauf findet über Eventim statt. Außerdem gibt es Karten an den Spieltagen von 10 bis 12 Uhr an der Zirkuskasse. Donnerstag ist Familientag mit ermäßigten Preisen, Rabattflyer gibt es in Geschäften, Kindergärten und Schulen.

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