Christine und Michael Behr sind Anhänger der Solidarischen Landwirtschaft

„Die vernünftigste Formder Ernährung“

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Max Rehberg (v.l.) und Janina Schütte vom Weidenhof sowie Sven Thiemer, Christine und Michael Behr sind Anhänger der Solidarischen Landwirtschaft.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Es duftet herrlich in dem kleinen Raum. „Das war früher einmal unser Fahrradschuppen“, sagt Michael Behr mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Derweil räumt Max Rehberg in aller Ruhe seine Körbe aus und deckt das frisch angelieferte Gemüse ab. In dieser Woche gibt es Liebstöckel, Eisbergsalat, Mangold, Gurken, Zucchini, Lauchzwiebeln, Schnittlauch, dicke Bohnen, Wirsingkohl, Kartoffeln und Auberginen.

Was sich in der Nase zu einer Gesamtkomposition verbindet, hat viel mit Weltanschauung zu tun. Michael Behr und seine Frau Christine sowie Max Rehberg sind Anhänger der sogenannten Solidarischen Landwirtschaft. Sie fußt auf mehreren Grundfesten: ökologische Erzeugung und Anbau in der Region. Hierfür bezahlen die Abnehmer einen festen Betrag. Menschen wie Christine und Michael Behr nennen sich Anteiler.

Sie finanzieren mit ihrem Monatsbeitrag alles das vor, was notwendig ist, um die landwirtschaftlichen Produkte zu erzeugen. Die Anteiler teilen sich die Verantwortung, das Risiko, die Kosten, aber am Ende auch die Ernte. Dafür, dass Christine und Michael Behr die Idee der Solidarischen Landwirtschaft in die Region tragen, haben sie den diesjährigen Umweltpreis der Stadt bekommen.

Von diesem Prinzip profitieren nicht nur die Anteiler, sondern auch Max Rehberg und seine Geschäftspartner. Sie bewirtschaften seit Anfang 2012 den Weidenhof in Schneverdingen. Es sind zwei junge Familien, die sich laut ihrer Internetseite zum Ziel gesetzt haben, „den Hof wieder in einen vielseitigen, kleinbäuerlichen, landwirtschaftlichen Betrieb zu verwandeln“. Während Max Rehberg sich weiter mit dem Gemüse beschäftigt, sagt er: „Wir haben uns während des Studiums kennengelernt.“ Ökologisches Agrarwissenschaften nennt es sich und lässt sich im nordhessischen Witzenhausen studieren.

Einmal in der Woche gibt es Frisches vom Weidenhof. „Wir versuchen immer, aus verschiedenen Segmenten zu liefern“, sagt der Öko-Landwirt, „zwiebeliges, verschiedene Salate, Kohl oder ein Kochgemüse.“ Dazu gehört zum Beispiel Fenchel. Alle drei Monate gibt es darüber hinaus Fleisch. Das alles können sich die Anteiler des Weidenhofes nach eigenem Gutdünken bei Familie Behr abholen. Aufschluss darüber, was in der jeweiligen Woche zu haben ist, geben Lieferlisten. Sie hängen im ehemaligen Fahrradschuppen von Familie Behr, den sie zur Verfügung gestellt hat. Zu ihm hat jeder Anteiler einen Schlüssel. Möchten sie eines der Gemüse nicht, kommt es in den sogenannten Geschenkekorb und wird an eine soziale Einrichtung vergeben.

„Bei uns wird nichts weggeworfen“, betont Michael Behr. Er ist überzeugt: „Solidarische Landwirtschaft ist die vernünftigste Form Lebensmittel zu sich zu nehmen.“ Es sei für ihn „Wahnsinn“, sogenannte Bio-Birnen aus Argentinien zu kaufen. Michael Behr unterscheidet fein zwischen Lebens- und Nahrungsmitteln. Letztere seien durch die Industrie geschädigt worden.

Einer der derzeit rund 50 Anteiler am Weidenhof ist Sven Thiemer, Leiter der Rotenburger Realschule und der neuen Integrierten Gesamtschule. Über seine Gründe stößt er ins gleiche Horn wie Familie Behr. Doch für Thiemer spielt ein weiterer Umstand eine Rolle: die Familienfreundlichkeit. So können die Anteiler ihre Kinder mit auf den Weidenhof bringen und ihnen dadurch zeigen, wie die Lebensmittel erzeugt werden. Thiemer sagt: „Man weiß, was man auf dem Tisch hat.“

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