Dr. Christiane Looks spricht im Interview über ihre Arbeit als Naturschutzbeauftragte des Landkreises

„Das finde ich erschreckend“

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Seit dem 1. Juli ist die Naturschutzbeauftragte Dr. Christiane Looks im Amt.

Eversen - Von Bettina Diercks. Seit dem 1. Juli ist Dr. Christiane Looks Naturschutzbeauftragte des Landkreises Rotenburg. Sie übernimmt diese Aufgabe für den Südkreis, Dirk Israel für den Nordkreis. Die pensionierte Gymnasiallehrerin (Kunst und Geschichte) zog mit ihrem Mann Joachim 1976 auf ihr „Traumgrundstück“ in Eversen. Looks ist seit langem für ihr umfassendes Engagement in Sachen Natur bekannt. „Die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts hat unsere Vorstellung von Landschaft wesentlich geprägt“, sagt die gebürtige Kielerin.

Frau Looks, wie sind Sie zu Ihrem jetzigen Amt gekommen?

Dr. Christiane Looks: Ich habe in der Kindheit mitbekommen, dass Natur nicht selbstverständlich ist. Oft kam ich von den Spaziergängen mit unseren Hunden wieder und meckerte zu Hause herum, was dort draußen alles schief läuft, beispielsweise Wegeseitenränder. Mein Mann konnte es dann irgendwann nicht mehr hören und sagte: „Tu was.“ Ich habe mich dann an die Pastorenwitwe Margarete Harms aus Verden erinnert, die an einer Sitzblockade gegen Atommüll teilgenommen hatte und deshalb zu einer Geld- oder Haftstrafe verurteilt wurde. Sie hat die Haftstrafe gewählt und gesagt: „Ich habe im Dritten Reich nichts aktiv dagegen getan. Ich will mir von meinen Enkeln nichts vorwerfen lassen.“ Dann wurde bekannt, dass Werner Burkart als Naturschutzbeauftragter aufhört. Ich habe unheimlichen Respekt vor seiner Arbeit. Die lange Zeit, die er sein Amt ausgeübt hat, spricht für seine Leistung. Jürgen Cassier, Leiter des Naturschutzamts, hat mich im Anschluss vorgeschlagen.

Wie groß ist die Freude auf Ihre Tätigkeit?

Looks: Ich finde das eine ganz spannende Angelegenheit. An vielen Stellen fehlen Informationen, so dass einige Dinge falsch gesehen werden. Es ist interessant, da einzusteigen und sich zusammen, beispielsweise mit Landwirten, Jägern und Anglern, für die Sache einzusetzen. Es geht darum, nicht nur den Status von geschützten Bereichen zu erhalten, sondern auch darum, Ziele, die angestrebt werden, im Auge zu behalten. Ich klappere gerade zum Beispiel die verschiedenen Schutzgebiete ab, mache Fotos und dokumentiere alles für mich.

Wie sehen die Inhalte Ihrer Arbeit aus?

Looks: Ich versuche, dort für Verständnis bei den Betroffenen zu werben, wo Naturschutz umgesetzt werden soll. Ich arbeite eigenständig, ohne Weisung der Naturschutzbehörde. Man kann mich auch „Wehrbeauftragte der Natur“ nennen. Teil meiner Arbeit ist es auch, für den Jahresbericht alles zusammen zu fassen. Dazu befrage ich auch die Obleute für Naturschutz der Hegeringe und die Angler und kontaktiere die Landschaftswarte. Kontakt habe ich auch schon zum Wasserverband und dem Landvolk aufgenommen. Das wird sicherlich alles eine zeitaufwendige Geschichte. Aber: Die Auswertung des Statistischen Bundesamtes hat ergeben, dass jede dritte Art, egal ob Tier oder Pflanze, gefährdet ist. Das finde ich erschreckend. Ein Aspekt meiner Arbeit ist, dass die Arten- und Naturschutzvielfalt erhalten werden muss.

Wie gefährdet ist aus Ihrer Sicht die Natur bei uns im Südkreis?

Looks: Ich finde es erschreckend, dass der Landkreis Rotenburg ein „roter“ geworden ist. Damit ist der Nitrateintrag gemeint. Früher waren es nur Cloppenburg und Vechta, jetzt auch Rotenburg. Das ist bisher so nicht gewesen. Früher wurden die Biogasanlagen dabei nicht mit berechnet, heute schon. Jetzt wird gemeinsam mit Stade eine Studie erstellt, wie sich Wirtschaftsdünger klüger verteilen lässt. Festgestellt wurde, dass die intensiv genutzten Grünlandflächen mehr vertragen als bisher gedacht. Da tut sich was. Sorgen bereiten aber auch Einträge wie Pestizide. Ich finde, wir müssen uns mehr um den Boden kümmern.

Was würden Sie denn verändern?

Looks: Die Schutzgebietsausweisungen, die wir haben. Ich habe den Eindruck, dass darum gefeilscht wird. Es ist so, dass der Großteil der Fläche in Privatbesitz ist. Eigentum verpflichtet, das darf man ja nicht vergessen. Auch, wenn man in wirtschaftliche Bereiche von Flüssen kommt, muss man doch nicht bis in den allerkleinsten Zipfel arbeiten. Ich wünsche mir, dass diese Dinge nicht so ausgenutzt werden und wir mehr unter Schutz stellen können. Auch bei Randstreifen muss mehr getan werden. Als wir hierher gezogen sind, gab es sogar noch eine Wallhecke. Das sind wichtige biologische Trittsteine für die Arten. Alles weg. Das Agrarwirtschaftliche verstehe ich, aber die Randstreifen haben auch eine Funktion. Wo soll das Niederwild denn hin? Das Aufräumen und Nutzen von Land für landwirtschaftliche Flächen ist problematisch. Das nicht regelkonforme Verhalten und fehlende Bewusstsein ist nicht in Ordnung. Ich würde gerne dazu beitragen, mehr Mut zu haben.

Was wollen Sie am Ende Ihrer Amtszeit über sich selbst sagen können?

Looks: Dass die Leute sagen: „Hier im Südkreis lohnt es sich zu leben. Wie haben eine liebenswerte Natur.“

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