Wolf Hertz-Kleptow macht Feierabend

Chef der BBS geht von Bord

Wolf Hertz-Kleptow sitzt am Schreibtisch in seinem Büro. Ende dieses Monats räumt er seinen Arbeitsplatz.
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Nach fast 20 Jahren an den BBS geht Wolf Hertz-Kleptow in den Ruhestand.

Wolf Hertz-Kleptow sagt, dass es für ihn genau der richtige Zeitpunkt sei, um in den Ruhestand zu gehen. Gerade erst ist er 65 Jahre alt geworden, seit fast 20 Jahren leitet er die Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg.

  • Nach 20 Jahren: Rotenburger BBS-Schulleiter geht von Bord.
  • Wolf Hertz-Kleptow ist nebenbei immer noch Bürgermeister in Hönisch.
  • Einst war er „Quotenmann“ in seinem Studiengang.

Rotenburg – Ende dieses Monats nimmt Wolf Hertz-Kleptow seinen Hut – in einer Phase, die allerdings eine Verabschiedung nicht in der Form zulässt, wie er sie sich vielleicht gewünscht hätte. „Ich bin schon ein Jahr länger hier, als ich eigentlich müsste“, sagt der Pädagoge, der in seinem zu Verden gehörenden Heimatort Hönisch seit 2000 auch als Ortsbürgermeister tätig ist. „Der Spaß an der Sache ist nach wie vor gegeben, und ich bin immer noch voll drin“, sagt Hertz-Kleptow.

Das ist auch seinem Büro anzusehen. Auf dem Besprechungstisch sind noch einige Stapel mit Schulunterlagen zu sehen. Und auch den Schreibtisch hat er noch nicht geräumt. Es wird kein Zufall sein, dass darauf ein kleiner Globus ins Auge fällt. „1999 waren die BBS Rotenburg eine der ersten Europaschulen.“ Ganz besonders für die Schüler ergeben sich seiner Ansicht nach aus den Projekten ganz besondere Möglichkeiten. „Es geht um neue Ideen und um Freundschaften sowie um kulturelle und wirtschaftliche Zusammenhänge“, sagt der 65-Jährige.

Schule betrachtet Hertz-Kleptow nicht als eine isolierte Einrichtung. Schule versteht er viel mehr als Bildungszentrum in einem großen Netzwerk. In genau diese Richtung haben sich die BBS in den vergangenen 20 Jahren deutlich weiterentwickelt. Das erkennen auch die Partner: 2015 zeichnete ihn die Kreishandwerkerschaft Rotenburg mit der Handwerksmedaille aus.

„Wir sind als Schule ein Zentrum, das für die Kunden da ist – dazu gehören die Schüler und natürlich ebenso die Ausbildungsbetriebe“, unterstreicht Hertz-Kleptow. Für ihn bedeute diese Entwicklung als Leiter einer Schule mit fast 2 500 Schülern sowie 155 Lehrkräften, vielfach vor allem als Manager unterwegs zu sein. „Dabei ist es mir aber ganz wichtig, den pädagogischen Blickwinkel nicht zu vergessen.“

Gerade erst habe er eine Mail von einer ehemaligen Schülerin bekommen, die sich noch einmal auch für die Arbeit in den BBS bedankt habe. Die BBS, schreibt sie, habe ihr geholfen, auf den richtigen Weg zu kommen. „Heute ist sie selbst Unternehmerin“, erklärt der Schulleiter nicht ohne Stolz. „Darüber freut man sich natürlich.“ Es würde ihn noch mehr freuen, wenn diese Schule in diesem Geiste weiterlebt. Eine Schule, die er deutlich geprägt hat. 2003 etwa öffnete sich zum ersten Mal die neue, zentral gelegene und von Licht durchflutete Aula – eine Aula, sagt Hertz-Kleptow, wie man sie in dieser Form nirgendwo sonst habe im Landkreis. „Sie ist sehr prägend für diese Schule. Sie macht ganz viel möglich.“

Unter anderem auch eine gelungene Feier zum 100-jährigen Bestehen der BBS in Anwesenheit von Altkanzler Gerhard Schröder. Wer damals schon dabei war, erinnert sich auch heute noch gerne daran. Nur ein Jahr später hat sich die Schule dann an die erste Ausbildungsmesse herangemacht – ein Projekt, das sich entwickelt hat, wie es seinerzeit wohl niemand für möglich gehalten hätte. Ein Projekt zudem, das Schule gemacht hat – auf diesen Zug sind inzwischen auch andere Berufsschulen aufgesprungen. Dabei waren die Ansätze im Laufe der Jahre sehr unterschiedlich. Mal waren es die jungen Menschen auf der verzweifelten Suche nach einer Lehrstelle, mal die Betriebe auf der dringenden Suche nach Nachwuchs. Das, was sich draußen abspielt, prägt in besonderem Maße diese Schule.

Das spiegelt sich nicht zuletzt in der Entwicklung wider. Die BBS stehen schon lange nicht mehr nur für das duale System der Berufsausbildung. Im Laufe der Jahre ist ein breites Angebot an Vollzeitschulformen hinzugekommen. Ein spannendes Unterfangen – für die jungen Menschen und für die Pädagogen. Heute unterrichten 50 Lehrer mehr an den BBS als 2001 – das Jahr, in dem Hertz-Kleptow hier die Leitung übernommen hat.

Nach seinem Abitur 1975 hat sich der damals junge Mann für ein Studium der Landwirtschaft in Osnabrück entschieden. Nach drei Jahren setzte er in Hannover ein weiteres Studium drauf: Als „Quotenmann“ war er im Fachbereich Ökotrophologie unterwegs („Das war auch ganz schön“), außerdem widmete er sich der Wirtschaft und Sozialwissenschaft.

Das alles war aber kein Zufall: Hertz-Kleptow hatte sich schon 1975 entschieden, sich für zehn Jahre in der Johanniter-Unfallhilfe in Verden zu engagieren, um dem Wehrdienst zu entgehen. Denn: Die Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb, und nach dem frühen Tod des Vaters wurde er dort gebraucht. Dieses Engagement schließlich bei den Johannitern sollte eine nachhaltige Wirkung erzielen – Hertz-Kleptow stieg dort schon recht früh in die Schulungen ein und machte dabei einen derart guten Eindruck, dass es entsprechende Anfragen auch aus anderen Richtungen gab.

Nach dem Studium folgte das Referendariat an den BBS in Buchholz/ Nordheide, danach setzte er seine berufliche Entwicklung in den BBS in Verden fort, wurde nach einem Jahr Studienrat und Beamter auf Lebenszeit, 1987 Oberrat und 1993 stellvertretender Schulleiter. 2001 dann folgte der Wechsel in die Nachbarstadt Rotenburg.

„Der Weg war richtig für mich, denn aus vielen Situationen und eigenen Überlegungen heraus ist mir sehr viel möglich geworden.“ Bis zuletzt hat Hertz-Kleptow selbst noch unterrichtet. Das war ihm immer wichtig. „Meistens dann dort, wo es einer besonderen Zuwendung bedurfte“, erklärt er. Im Fokus hatte er also Schüler, die mit Schule nicht immer nur gute Erfahrungen gemacht haben, die lernen mussten, Vertrauen zu gewinnen und Konfliktsituationen zu bewältigen. „Das ist ganz wichtig für ein gesundes Selbstvertrauen“, findet Hertz-Kleptow.

Auf einem Zettel hat Wolf Hertz-Kleptow in Form von zahlreichen Schlagworten – dargestellt in unterschiedlicher Größe – zahlreiche Begriffe dargestellt, die ihm durch den Kopf gegangen sind, während er sich mit seinem Abschied beschäftigt hat. Besonders augenfällig sind dabei zwei Dinge: Alle Schlagworte zusammen ergeben eine Art Netz, das verdeutlicht, wie eng alles miteinander verzahnt ist. Und: „Bildung bewegt sich“ steht nicht nur in der Mitte, sondern ist auch am größten geschrieben. Das kann kein Zufall sein, und eben das wird in einem Gespräch mit dem 65-Jährigen deutlich. „Europa“, „Leitungsteam“, „Innovations- und Zukunftszentrum“, „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sind auf diesem Zettel ebenso zu finden, wie „Schulklima“, „E-Mobilität“, „Kooperation“, „Ausbildungsmesse“ und „Comenius“. Es geht um Vielfalt, und dazu hat der Verdener einen großen Teil beigetragen. In der Politik und auf dem inzwischen kleinen Hof der Familie bleibt er weiter am Ball.

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