BUNDESTAGSWAHL Für den CDU-Kandidaten geht es zurück in die Polizeiwache

Carsten Büttinghaus verpasst Einzug in das Parlament

Bedrückte Stimmung bei der Wahlparty am Abend: Carsten Büttinghaus ist enttäuscht.
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Bedrückte Stimmung bei der Wahlparty am Abend: Carsten Büttinghaus ist enttäuscht.

CDU-Kandidat Carsten Büttinghaus verpasst den Einzug in den Bundestag. Für ihn ist sein politischer Weg damit aber noch lange nicht vorbei: In vier Jahren will er wieder antreten.

Wilsede/Rotenburg – Jubel bei Konkurrent Lars Klingbeil (SPD) in Berlin, Ernüchterung dagegen bei der Wahlparty von Carsten Büttinghaus, CDU-Bundestagskandidat für den Wahlkreis 35 „Rotenburg I - Heidekreis“. Während Klingbeil sein Direktmandat verteidigte, reichte es für Büttinghaus nicht für den Einzug in das Parlament. Der 38-Jährige hatte Parteifreunde, seine Familie und Unterstützer im Restaurant Seeterrasse am beschaulichen Brunausee in Bispingen um sich versammelt, eigentlich, um dort mit ihnen den Einzug in den Bundestag zu feiern.

Doch nach Feiern war an diesem Abend niemandem mehr zumute, nachdem die ersten Wahllokale ausgezählt waren und sich im Verlauf des Abends mehr und mehr abzeichnete, dass es nicht reichen würde: Nur 26,4 Prozent der Wähler gaben Büttinghaus Stand kurz vor Mitternacht ihre Erststimme – deutlich zu wenig, um sich gegen Klingbeil durchzusetzen, der selbst 47,6 Prozent der Stimmen erhielt.

Büttinghaus zeigte sich dementsprechend enttäuscht: „Wer bei einer Wahl antritt, der weiß natürlich, dass er sie verlieren kann. Ich hatte mir aber trotzdem ein engeres Rennen gewünscht.“

Der Wilseder bleibt deutlich hinter seinen eigenen Erwartungen zurück: „42 bis 45 Prozent“ war sein erklärtes Ziel. Noch am Nachmittag betonte er auf Nachfrage: „Ich habe ein gutes Gefühl, weil ich alles dafür getan habe. Ich glaube daran, dass es am Ende reichen wird. Ich möchte mindestens mit einem knappen Vorsprung gewinnen.“

Warum dies nicht gelang, dafür hatte Büttinghaus am Abend noch keine abschließende Erklärung. Für eine Analyse sei es noch zu früh, erklärte er, als mögliche Gründe nannte er dann die bundesweiten Verluste der CDU und die Popularität Klingbeils.

Büttinghaus zeigte sich jedoch kämpferisch: „Das Ergebnis ist kein Abgesang, es ist erst der Startschuss. Es ist nicht der gewünschte Gipfel geworden, aber immerhin das Basiscamp. Das Ergebnis ist die beste Grundlage für den zweiten Angriff. Ich bin niemand, der beim ersten Gegenwind umkippt.“

„Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Carsten Büttinghaus am Nachmittag, während er in seinem Garten sitzt.

Mit dem Verlauf seines Wahlkampfes sei er insgesamt sehr zufrieden: „Wir haben das ganze Jahr Gas gegeben und sind immer wie mit Lichtgeschwindigkeit durch einen Tunnel gerast. Wir hatten immer nur den nächsten Termin im Blick. Jetzt fällt alles von mir ab. Ich weiß nicht, an welcher Stelle ich mit dem Team sowie auf diesem recht bodenständigen Niveau noch mehr hätte machen können. Auf allen Ebenen wurde vom ersten bis zum letzten Tag gekämpft.“

Noch am frühen Sonntagmorgen war Büttinghaus mit zwei Teams unterwegs und verteilte Marmeladengläser an die Kunden von Bäckereien in Bispingen: „Das war kein Wahlkampf mehr. Ich wollte die Menschen überparteilich dazu motivieren, wählen zu gehen“, stellte Büttinghaus klar und lobte den Einsatz seiner Unterstützer in den vergangenen Monaten: „Wir haben während des Wahlkampfs 4 000 Gläser Marmelade und 24 000 Säcke Kartoffeln an die Bürger verteilt – das sind umgerechnet 60 Tonnen. Ich bin als No-Name gestartet – hier im Wahlkreis kann nun fast jeder etwas mit meinem Namen anfangen. Darauf bin ich stolz. Es tut mir jedoch leid für all diejenigen, die mich unterstützt haben“ , erklärte der CDU-Kandidat.

Als „großes Hemmnis“ während des Wahlkampfs bezeichnete er die Corona-Pandemie: „Wir konnten die Masse an Leuten nicht in einer Veranstaltung zusammenbringen. Wenn man jeden Bürger einzeln oder in kleinen Gruppen anfahren muss, kostet das natürlich viel mehr Zeit. Das war im ersten halben Jahr die größte Herausforderung für mich, zum Glück wurde es zuletzt immer besser.“

Lars Klingbeil gegen Carsten Büttinghaus: Am Ende ein Duell, bei dem sich der Politprofi gegen den Neuling durchgesetzt hat. Büttinghaus ist erst 2013 in die CDU eingetreten. Schon damals sein erklärtes Ziel: Er wollte so bald wie möglich für den Bundestag kandidieren. Bereits 2017 fühlte er sich bereit, ließ jedoch Kathrin Rösel (CDU) den Vortritt. Diese scheiterte jedoch wie er an Klingbeil.

Mit Vivian Tauschwitz verteilt er Marmelade.

Büttinghaus will in vier Jahren erneut antreten und dann von Berlin aus die Geschicke in seiner Heimat lenken. Dafür verzichtet er gerne auf die Kommunalpolitik: „Ich setze mir immer große Ziele. Ich mache mir lieber Gedanken über die große strategische Ausrichtung als über die Höhe eines Bordsteins“, hatte Büttinghaus im Sommer erklärt.

Der Wilseder war vor einem Jahr mit dem Ziel angetreten, für seine Partei Klingbeils Direktmandat zurückzugewinnen, das für die CDU zuletzt Reinhard Grindel innehatte. Er hatte seinen kompletten Jahresurlaub in den Wahlkampf investiert und sich für die heiße Phase vor der Wahl für vier Wochen von seiner Polizeidienststelle freistellen lassen.

Bereits am Dienstag wird er dorthin zurückkehren. Als Verlierer fühle er sich dabei nicht: „Damit habe ich kein Problem. Es ist weiterhin mein Traumjob“, betonte Büttinghaus, der für denselben Tag aber eigentlich bereits andere Pläne hatte: „Dann ist die konstituierende Sitzung der niedersächsischen Landesgruppe. Die Abgeordneten bekommen eine Schnelleinweisung in den Bundestag.“ Büttinghaus wird dann aber nicht dabei sein.

Zumindest nicht in diesem Jahr. „In vier Jahren möchte ich erneut bei der Bundestagswahl antreten. Letztlich entscheidet die Partei darüber, ob ich dabei sein werde. Aber ich kann hier und heute sagen: Ich bin dazu bereit. Bis dahin werde ich mich weiterhin im Vorstand der CDU im Heidekreis engagieren und die Partei neu aufstellen. Dort gibt es einiges zu bewegen.“

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