Wer auf dem „Campus Unterstedt“ helfen möchte, muss sich an Regeln halten

Ehrenamtliche als tragende Säule

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Matthias Richter mit der Organisationsübersicht für die ehrenamtliche Mitarbeit auf dem „Campus Unterstedt“. Darüber wird am kommenden Donnerstag im Buhrfeindsaal gesprochen.

Rotenburg - Von Guido Menker. Das Zusammenleben der zurzeit 100 auf dem „Campus Unterstedt“ untergebrachten Flüchtlinge funktioniert. Aber damit allein ist es nicht getan. Ziel sind nun Maßnahmen, die den Menschen aus mehreren verschiedenen Ländern helfen, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Dabei setzen die Macher – das sind die Stadt Rotenburg sowie das Diakonissen-Mutterhaus – auf die Mithilfe von Ehrenamtlichen.

Das Diakonissen-Mutterhaus hatte drei Gebäude der ehemaligen Lungenklinik umbauen und so herrichten lassen, dass dort bis zu 150 Flüchtlinge leben können. Die Stadt hat diese angemietet – aus den Mieteinnahmen finanziert das Mutterhaus nun Projekte und Personal, um die angestrebte Integration der Asylbewerber zu realisieren. „Aber das funktioniert nur mit ehrenamtlichen Helfern“, sagt Matthias Richter, Theologischer Direktor im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg.

Zusammen mit Campus-Koordinatorin Dorothee Clüver informiert Richter am Donnerstag von 18 Uhr an bei einer Bürgerversammlung alle an der ehrenamtlichen Mitarbeit interessierten Rotenburger über das, was dort auf dem Campus passieren soll – und kann. Veranstaltungsort ist der Buhrfeindsaal an der Elise-Averdieck-Straße. Ziel sei es, fünf sogenannte Teams zu gründen, die sich jeweils um ein Themenfeld kümmern und es auch mit Ideen füllen.

In einem Team soll es um die Freizeitgestaltung gehen, ein anderes ist für den Bereich Sprache vorgesehen, um den Asylbewerbern dabei zu helfen, Deutsch zu lernen. Geplant ist darüber hinaus eine Gruppe zum Aufbau einer Fahrradgruppe, eine weitere soll helfen, mit den Campus-Bewohnern einen eigenen Garten anzulegen, in dem sie selbst Ober und Gemüse ernten. Nicht weniger wichtig ist es aus Sicht von Matthias Richter, einer Kreis von Paten aufzubauen, die sich bereit erklären, sich jeweils einem der Flüchtlinge anzunehmen, um als Ansprechpartner und Helfer bereit zu stehen und Orientierung zu geben.

„Das Diakonissen-Mutterhaus unterstützt die Stadt Rotenburg, damit die Hilfesuchenden bei uns mehr als nur eine Unterkunft finden. Dies verstehen wir als Hilfe zur Selbsthilfe, damit sich die Menschen bei uns einleben können und Möglichkeiten finden, die eigenen Fähigkeiten einzubringen.“ Das schreibt Richter in seiner Einladung für den kommenden Donnerstag – und genau das beinhaltet den wesentlichen Teil der Bedingungen, die an eine ehrenamtliche Mitarbeit geknüpft sind. Die Initiatoren wollen die Selbstständigkeit fördern. Das heißt, auch die Beteiligung spielt eine ganz wesentliche Rolle: „Wir wollen nicht alles für, sondern mit ihnen machen.“

An den Stellen, wo es möglich ist, gelte es außerdem, die Potenziale, die die Flüchtlinge von sich aus mitbringen, einzubinden. Mit Hilfe der Ehrenamtlichen wünscht sich Richter eine Form der Begegnung, die dazu beitragen könne, Ängste abzubauen. Der Theologische Direktor: „Dadurch bekommen die Hilfesuchenden nämlich ein Gesicht.“ Das ist also der Rahmen für alle, die mithelfen möchten – und genau darüber wollen Richter und Clüver bei der Informationsveranstaltung sprechen.

Das alles aber nicht ohne zu erwähnen, dass die Ehrenamtlichen bei ihrem Einsatz versichert seien und das Mutterhaus nach Absprache auch für die Kostenerstattung bereit stehe. „Außerdem kann es ja sein, dass in der einen oder anderen Gruppe eine Supervision erforderlich wird – auch darum kümmern wir uns natürlich“, so Richter .

Schon jetzt gibt es allerdings auch Stimmen, die Kritik deutlich werden lassen, weil auf dem Campus in Unterstedt ja nur ein Teil der von der Stadt untergebrachten Flüchtlinge leben. Richter: „Wir wollen zwar keine Insel der Glückseligen in Unterstedt entstehen lassen, aber wir können uns nicht um die ganze Stadt kümmern, das würde unsere Kapazitäten übersteigen.“ Er sehe aber in dem Projekt eine Art Keimzelle, die sich – wie auch immer – weiterentwickeln könne. Wenn also Flüchtlinge an den Projekten teilnehmen möchten, die an anderen Orten in der Stadt untergebracht sind, sei auch das vollkommen in Ordnung.

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