Abenteuer unterwegs

Campingboom: Die Menschen zieht es in die Natur

Jan Scherweit mit Campingausrüstung
+
Wenn der Rotenburger Jan Scherweit seine Sachen packt, dann reist er möglichst „light weight“ – also mit so wenig Gepäck wie nötig.

Die Campingbranche boomt, immer mehr Menschen zieht es hinaus in die Natur, auf die Suche nach Abenteuern und Freiheit. Einer, der dieses Gefühl ganz genau kennt, ist der Rotenburger Jan Scherweit.

Rotenburg – Campen boomt. Nicht erst seit der Corona-Pandemie, aber seitdem noch mehr. Es bedeutet Abenteuer, Freiheit, Unabhängigkeit. Heute hier, morgen dort, Zwischenstopps an mitunter einsamen Orten. Und der Nachhaltigkeitsgedanke dieser Urlaubsart ist ein wesentlicher Faktor für viele: Sie entdecken die Natur, wollen sie schützen. Aber: „Man braucht Leidenschaft dafür“, sagt Jan Scherweit. „Das ist ein ganz anderer Urlaub als in einer Ferienanlage. Man ist extrem flexibel, erlebt viel und trifft schnell nette, hilfsbereite Leute.“

Der „Ur-Rotenburger“, wie er sich vorstellt, ist schon viel herumgekommen: Portugal, Frankreich, Italien, Norwegen. Island ist noch ein Punkt auf seiner Wunschliste. Scherweit ist ein „Outdoor-Mensch“, wie er sagt, „schon immer gewesen“. Seine bevorzugten Fortbewegungsmittel sind die eigenen Füße, das Fahrrad oder Motorrad. Er hat damit angefangen, lange bevor diese Art des Reisens solchen Zuspruch erfahren hat. Denn auch Fahrradtourismus boomt – noch immer sind viele Räder ausverkauft, berichtet er.

Scherweit weiß aus eigener Erfahrung, was man für eine Tour braucht – und was nicht. Denn nicht selten, das hat er oft festgestellt, reisen die Abenteuerlustigen mit unnötigem Gepäck. „Neben mir auf Fehmarn hat mal eine Familie geparkt, deren Kofferraum bis obenhin voll war“, erinnert er sich. Auch Improvisationstalent ist mitunter gefragt: Scherweit hat schon einmal Erdnägel geschnitzt, um einer Familie zu helfen, ihr Zelt aufzubauen.

Die Campingbranche hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Sie hat, gerade in Deutschland, massiv zugenommen. „Auch hier in der Region, die super dafür geeignet ist“, sagt Scherweit – und das nicht erst, seit die Nordpfade, insbesondere Dör’t Moor durch die Ernennung zu Deutschlands schönstem Wanderweg, in aller Munde sind und zu ausgedehnten Touren einladen. Die Ernennung, verschweigt Scherweit nicht, hat aber nicht nur Vorteile – sie kurbelt die Besucherzahlen an, doch überlaufene Orte meidet er lieber. „Deswegen würde ich auch jedem raten, keine Hotspots wie den Gardasee anzufahren.“ Sein Insider-Tipp ist aktuell Sardinien.

Das richtige Camping-Equipment

Aber auch die Ansprüche der Menschen an ihren Urlaub steigen, und damit sowohl an die Campingplätze als auch ihre eigene Ausrüstung. Teils gibt es richtige Fünf-Sterne-Plätze. „Sie sind enorm gut geworden, auch mit den sanitären Einrichtungen.“ Was wiederum bedeutet, dass Camping nicht mehr immer die günstigste Urlaubsvariante ist. Allein schon, wenn man sich eine vernünftige Ausrüstung gönnt – je nach Wunsch dessen, was man machen möchte. Ein Dachzelt fürs Auto („Das heute kaum noch was wiegt.“) oder ein „ultra light weight“-Equipment für Motorrad oder Fahrrad. Reisende wollen den Komfort unterwegs nicht missen, dennoch mahnt Scherweit: „Konzentration auf das, was gebraucht wird.“

Das Wichtigste aus dem Landkreis Rotenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Ein zuverlässiges, funktionierendes Equipment sei das A und O. „Das ist fürs Leben bei richtiger Pflege.“ Scherweit weiß, wovon er redet und deswegen hat der 35-Jährige seine Leidenschaft zu seinem Hauptberuf gemacht und an der Harburger Straße in der Wümmestadt einen Laden für Campingbedarf nebst E-Bike- und Wohnwagenvermietung eröffnet. „Ich wollte wieder zurück in die Selbstständigkeit“, sagt Scherweit, der Informatik und später Medien, Sport und Eventmanagement studiert hat.

Ja, eine Ladeneröffnung sei immer ein Risiko – aber für das Thema Campen sieht er Zukunft. „Das wird sich nachhaltig weiter durchsetzen. Da ist schon viel passiert, aber das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Der Boom wird die nächsten Jahre locker noch anhalten.“ Zumal es ganzjährig Möglichkeiten gibt – sei es durch Thermo-Inlays für Schlafsäcke für die Hartgesottenen oder sowieso im Wohnwagen.

Testzelten vor der eigentlichen Camping-Reise

„Die Campingzeit beginnt aber meist um Ostern“, sagt Scherweit. Wer zum Beispiel eine Reise mit einem Wohnwagen plant und keinen eigenen besitzt, sollte frühzeitig planen – gerade derzeit sind sie schnell ausgebucht. Manche reisen auch einfach von Ort zu Ort, mit dem Fahrrad oder E-Mountainbikes. Letzteres ein Trend „der noch nicht überall angekommen ist“, meint Scherweit. Oft höre er „das ist nur was für Ältere“. Das bringt ihn zum Lachen. „Dann müssen sie mal eine Tour mit mir machen.“

Die Reisenden übernachten also nicht immer im eigenen Zelt oder Wohnwagen, Gasthäuser und Herbergen an den Strecken sind gefragt. Viele Privat-Vermieter hätten das erkannt und reagiert. Sowieso sagt der Rotenburger: Wer zelten möchte, sollte vorher testzelten. „Wir haben hier schöne Campingplätze.“

Gerade Neulinge suchen sich seiner Erfahrung nach vieles im Internet zusammen, „manches braucht man einfach nicht, wie man schnell feststellt“. Außerdem sei es wichtig, sich vor Fahrtantritt über die Route und Übernachtungsmöglichkeiten zu informieren – ein großes Problem sind Wildcamper. „Sie stellen sich in Naturschutzgebiete, stören Flora und Fauna, was ihnen oft nicht mal bewusst ist.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Meistgelesene Artikel

Pläne für Visselhöveder „Altensiedlung“: Eigentümer will bauen

Pläne für Visselhöveder „Altensiedlung“: Eigentümer will bauen

Pläne für Visselhöveder „Altensiedlung“: Eigentümer will bauen
Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg ausgerufen

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg ausgerufen

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg ausgerufen
Street-Workout-Gemeinde weiht Calistenics-Park am Weichelsee ein

Street-Workout-Gemeinde weiht Calistenics-Park am Weichelsee ein

Street-Workout-Gemeinde weiht Calistenics-Park am Weichelsee ein
Mulmshorn und Buchholz gewinnen Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Mulmshorn und Buchholz gewinnen Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Mulmshorn und Buchholz gewinnen Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Kommentare