Der Ton wird rauer

Burger-King-Filiale bei Google als „Kanaken-Treff“ bezeichnet

Die Bezeichnung der Rotenburger Burger-King-Filiale als „Kanaken-Treff“ wurde in dieser Woche geändert.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Wie weit geht die Meinungsfreiheit in sozialen Netzwerken? Was müssen sich Privat- und Geschäftsleute gefallen lassen? Die Rotenburger Burger-King-Filiale wurde bei Google als „Kanaken-Treff“ bezeichnet. Ein Einzelfall? Die Rotenburger Polizei sagt: leider mittlerweile Alltag.

Mehr als 400 Bewertungen von Kunden hat die Rotenburger Filiale der Fast-Food-Kette Burger King an der Burgestraße auf Google, mit einem Durchschnitt von 3,8 von fünf möglichen Sternen liegt man im guten Mittelfeld. Dass auch mal von unfreundlichem, unmotiviertem Personal und viel Dreck die Rede ist, muss der federführende Gastronom hinnehmen - kommentieren kann bei Google jeder, auch anonym. 

Allzu groß schien das Interesse der Geschäftsinhaber an den Bewertungen aber nicht, denn lange Zeit wurde der Imbiss nicht mit seinem eigentlichen Namen über die Suche gelistet, sondern als „Kanaken treff.“. Erst als die Rotenburger Kreiszeitung nachfragte, änderte sich das: Seit Donnerstag lautet der Eintrag zum Standort „Burger King“.

Antrag auf Änderung gestellt

Die Rotenburger Filiale gehört zur Baum-Unternehmensgruppe mit Sitz in Hannover, die Dutzende Restaurants dieser Art in Deutschlands betreibt. Mit der beleidigenden Online-Bezeichnung konfrontiert, stellte die Firma bei Google umgehend einen Antrag auf inhaltliche Änderung. Burger King behalte sich zudem vor, „rechtliche Schritte zu prüfen“. Grundsätzlich sei Burger King „ein Ort, an dem jeder so sein darf, wie er sein möchte - wir heißen jeden Gast herzlich willkommen und leben diese Toleranz, insbesondere im Hinblick auf unsere Mitarbeiter und deren Diversität.“ Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft zu stigmatisieren, passe nicht zum Konzern, der „jegliche Form von Rassismus, Antisemitismus oder Diskriminierung aufs Schärfste“ verurteile.

Die Rotenburger Burger-King-Filiale ist in den Fokus geraten. Foto: Menker

Wer den Eintrag vorgenommen hat und welche Absicht dahinter steckt, bleibt indes offen. Details nennt Google nicht, lässt aber über seine Hamburger PR-Zentrale wissen, dass Nutzer jederzeit die Möglichkeit hätten, Informationen zu einem Ort selbst einzustellen, um die Karten „so akkurat wie möglich zu gestalten“. Für diese Änderungen gebe es bestimmte Richtlinien. Eine Antwort darauf, ob „Kanaken-Treff“ gegen die Google-Grundsätze verstößt, gibt es von dem Online-Konzern indes nicht. Vielmehr wird Geschäftsinhabern empfohlen, ein Unternehmensprofil einzurichten, um mehr Kontrolle über die Angaben zu erhalten.

Polizei ermittelt nicht

Die Rotenburger Polizei ermittelt in der Sache nicht. „Beleidigung ist ein Antragsdelikt“, sagt Sprecher Heiner van der Werp. Erst, sobald sich jemand beleidigt fühlt im Netz und das zur Anzeige bringt, werde die Polizei tätig. Das sei hier nicht passiert, grundsätzlich aber immer häufiger der Fall: „Der Ton wird rauer.“ Gerade in sozialen Medien seien Beleidigungen „übelster Art“ an der Tagesordnung. Van der Werp: „Die Leute fühlen sich durch die Anonymität und die Distanz im Netz geschützt und blasen es raus.“ 

Zwar gibt es bei der Polizeiinspektion Rotenburg keine eigene Cybercrime-Einheit, wohl aber Experten im Fachkommissariat für Betrug und Wirtschaftskriminalität, die sich mit Online-Delikten beschäftigen. Auch wenn es da vornehmlich um Betrügereien geht, nehme auch der zwischenmenschliche Aspekt mit Beleidigungen und Vorwürfen immer größeren Raum ein: Der Nachbarschaftsstreit verlagert sich ins Netz. Die Zahl derer, die per Anzeige von der Polizei fordern, Konflikte zu lösen, steige. „Eigentlich sollten die Menschen das untereinander lösen“, so der Polizeisprecher. 

„Wir beschäftigen uns ungern damit“, sagt er. Früher sei sowas mit einem Gespräch über den Gartenzaun erledigt gewesen. Doch heute werde bei aller Freiheit im Netz schnell nach der Polizei gerufen - da muss noch nicht einmal das Wort „Kanake“ fallen.

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