Training für Ernstfall

Vom „Catwalk“ in den Irak: Rotenburger Soldaten bereiten sich auf Häuserkampf vor

Volle Konzentration bei den Soldaten: In wenigen Augenblicken werden sie den Raum mit der Waffe im Anschlag stürmen. Was die Männer in Rotenburg lernen, sollen sie später als Ausbilder im Irak weitegeben. Foto: Reschke/Bundeswehr
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Volle Konzentration bei den Soldaten: In wenigen Augenblicken werden sie den Raum mit der Waffe im Anschlag stürmen. Was die Männer in Rotenburg lernen, sollen sie später als Ausbilder im Irak weitergeben.

Das Jägerbataillon 91 der Bundeswehr bereitet sich in Rotenburg (Niedersachsen) intensiv auf einen Auslandseinsatz im Irak vor. Der Häuserkampf wird trainiert.

  • Bundeswehr-Soldaten bereiten sich in Rotenburg auf Auslandseinsatz vor
  • Jägerbataillon 91 übt Häuserkämpf in Rotenburg
  • Einsatz in Erbil (Irak) beginnt im Juli 2020

Rotenburg - Von Klaus Reschke. „Catwalk“ nennen die Soldaten die Anlage: Doch nur der Name weckt Assoziationen an die bunte Modewelt und Glamour. Denn spätestens, wenn man die Halle 158 in der Rotenburger Kaserne betritt wird klar, worum es sich bei den Aufbauten wirklich handelt. Um eine Trainingsanlage für den Häuserkampf. Und den üben an diesem Vormittag Soldaten der 5. Kompanie des Jägerbataillons 91.

Die Männer bereiten sich auf eine besondere Mission vor. Sie werden im Juli in den Nordirak nach Erbil verlegen. Als „Mobile-Training-Team“ wird es ihre Aufgabe sein, die Führer der einheimischen Sicherheitskräfte soweit auszubilden, dass diese das neu erworbene Wissen wiederum an ihre Soldaten weitergeben können. Kurz gesagt: „Unser Kernauftrag wird die Führerausbildung sein. Dazu gehört auch die Ausbildung des Kampfs im urbanen Gelände“, sagt Kompaniechef Janis W.* (der vollständige Name darf aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden) und ergänzt: „Auch andere Teile unseres Bataillons bereiten sich zurzeit auf den Einsatz im Irak vor.“

Bundeswehr-Soldaten üben intensiv für Irak-Einsatz

Die Anspannung ist bei den Männern deutlich zu spüren – auch wenn es sich „nur“ um Ausbildung handelt: Denn gleich wird der Trupp in ein aus massiven Sperrholzplatten nachgebautes Gebäude stürmen. Die Soldaten nehmen ihre Positionen ein. Ein Feldwebel ist bei diesem Durchgang der Trupp-Führer: Per Handzeichen gibt er letzte Anweisungen – dann stürmen die Männer mit der Waffe im Anschlag in das Gebäude. Schüsse fallen, eine Übungshandgranate wird geworfen – alles unter den kritischen Blicken des Kompaniechefs. Denn die Anlage in Halle 158 bietet einen unschätzbaren Vorteil: Sie ist von oben einsehbar. Auf einem Laufsteg – dem sogenannten Catwalk – können die Ausbilder das „Kampfgeschehen“ verfolgen, Fehler sofort ansprechen und abstellen. Die Männer, die sich jetzt als Ausbilder für den Irak-Einsatz vorbereiten, sind selbst allesamt erfahrene Infanterie-Feldwebel. Trotzdem ist der Catwalk-Durchgang sinnvoll, „damit später alle den gleichen Ausbildungsstand haben und diesen auch weitergeben können“, erklärt der Chef der 5. Kompanie

Kompaniechef Janis W. (l.) beobachtet in der Übungsanlage das Vorgehen seiner Soldaten.

Im Ernstfall entscheiden Kleinigkeiten über Erfolg oder Misserfolg der Mission, über Leben oder Tod: Ist der Tür-Anschlag links oder rechts? Ist der Zugang versperrt, oder muss er gewaltsam geöffnet werden? Wie ist die Feindlage im Gebäude? Befinden sich womöglich auch noch Zivilisten im Haus? Der Kompaniechef unterbricht, spricht taktische Fehler an, die ihm aufgefallen sind: „Ihr müsst beim Vorgehen schnell die Überlegenheit im Raum gewinnen“, gibt er den Männern mit auf den Weg. Mit „Druck“ in das Gebäude gehen, sichern, nachsetzen, „aber nicht in der Türe stehen bleiben“.

Jägerbataillon aus Rotenburg soll Ausbilder im Irak trainieren

Denn erst, wenn die Jäger aus Rotenburg handlungssicher agieren können, können sie ihre Erfahrungen auch an künftige Ausbilder in Erbil weitergeben. „Wir selbst werden im Irak keinen Häuserkampf führen müssen, aber wir müssen wissen, worauf es ankommt, damit wir die Führer vor Ort für diesen Fall der Fälle ausbilden können“, sagt Oberleutnant Julian J.(*). Auch er ist für die Irak-Mission eingeplant, es wird sein erster Auslandseinsatz sein. Angst hat der 27-Jährige nach eigenem Bekunden nicht. 

Und auch in der Familie zeige man Verständnis für seine Berufswahl und die damit verbundenen Gefahren: „Meine Freundin ist selbst bei der Bundeswehr“, sagt der 27-jährige Rotenburger mit einem Lächeln. Sein Großvater sei Soldat gewesen „und mein Vater ist Polizist in Rotenburg“, berichtet er. Das ist schließlich auch ein nicht ganz ungefährlicher Beruf.

Für Julian F. wird es der erste Auslandseinsatz.

Der Autor

Oberstleutnant Klaus Reschke ist Pressestabsoffizier der Panzerlehrbrigade 9 in Munster und Redakteur der Lüneburger Landeszeitung.

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