Sechs Politiker treffen im Buhrfeindsaal aufeinander

Bundestagskandidaten sind sich in vielen Punkten erstaunlich einig

Gut zwei Stunden hörte sich das Publikum im Buhrfeindsaal die Positionen der Kandidaten an. Für Einiges gab es Applaus, für Anderes eher nachdenkliche Blicke.

Rotenburg - Von Farina Witte (Text) und Guido Menker (Fotos). Das Interesse an den sechs Kandidaten für die Bundestagswahl am 24. September ist am Donnerstagabend groß. Trotz des starken Regens ist der Buhrfeindsaal des Agaplesion Diakonieklinikums bei der Podiumsdiskussion des Rotenburger Wirtschaftsforums (RWF) und der Rotenburger Kreiszeitung voll besetzt.

Doch die rund 300 Besucher wundern sich wie die Moderatoren, dass nur sechs Kandidaten gekommen sind. Michael Stewart von der AfD ist, trotz Zusage, ohne Erklärung nicht erschienen.

So stellen sich Agnes Hasenjäger (Die Linke), Ellen Gause (Die Grünen), Hendrik Jürgens (FDP), Lars Klingbeil (SPD), Kathrin Rösel (CDU) und Günter Scheunemann (Freie Wähler) den Fragen der Moderatoren Heiko Kehrstephan, Vorsitzender des RWF, und Michael Krüger, Redaktionsleiter der Rotenburger Kreiszeitung, und später noch denen des Publikums. Die Moderatoren versichern sich nach der Begrüßung und kurzen Vorstellung der Kandidaten noch einmal, ob Stewart nicht doch noch im Saal ist, aber sein Platz auf der Bühne bleibt leer.

Michael Krüger (l.) und Heiko Kehrstephan moderierten.
Kathrin Rösel (CDU) möchte sich für Lärmschutz und ein gutes Schienennetz einsetzen

Obwohl Krüger und Kehrstephan den sechs Politikern freie Platzwahl lassen, sieht das Publikum ein eindeutiges Bild auf der Bühne. Die Zuschauer blicken auf Hasenjäger, Klingbeil und Gause links der Moderatoren, rechts von ihnen sitzen Rösel, Jürgens und Scheunemann. Die Sitzordnung passt mehr oder weniger zur Parteigesinnung, könnte man meinen. Es ist zwar heiß im Saal, aber hitzige Diskussionen bleiben weitgehend aus. Bei vielen Themen, ob lokal oder überregional, hört man erstaunlich ähnliche Ansichten.

Günter Scheunemann (Freie Wähler) ist die medizinische Versorgung vor Ort wichtig.

Auf die Frage, welches für die Region wichtige Thema die Politiker als erstes angehen würden, wenn sie am 24. September in den Bundestag gewählt werden, sagt SPD-Politiker Klingbeil zum Beispiel: „Für mich ist das wichtigste Thema im Landkreis Rotenburg die Aufklärung der erhöhten Krebsrate.“ Gause, Scheunemann und Rösel finden das Problem ebenfalls wichtig, nennen aber auch die Entwicklung des ländlichen Raums, etwa in Bezug auf den öffentlichen Nahverkehr. Auch Hasenjäger, Jürgens und Scheunemann sprechen ähnliche Themen an. „Ich möchte, dass der ländliche Raum nicht abgehängt wird“, meint Jürgens (FDP).

Die Aufklärung der Krebsrate in der Region ist Lars Klingbeil (SPD) sehr wichtig.

Etwas unterschiedlicher waren dagegen die Meinungen zur Entwicklung der EU. Zwar findet keiner der sechs Kandidaten, dass die EU ein gescheitertes Projekt ist. Aber die Vorstellungen darüber, wie sich die EU in Zukunft entwickeln wird, sind unterschiedlich. Hasenjäger ist der Meinung, dass Europa einen Neustart braucht, bei dem die sozialen Bedingungen unter dein Ländern gleich sind. 

Hendrik Jürgens (FDP) will verhindern, dass der ländliche Raum abgehängt wird.

Klingbeil sagte, Europa muss – gerade in der momentanen Situation – zukünftig ein starkes, geeintes Auftreten in der Welt zeigen: „Wenn man sich mal in der Welt umguckt, überall Verrückte, Trump, Putin und Erdogan.“ Moderator Krüger hakt nach: „Darf auch ein Bundeskanzlerkandidat Martin Schulz Erdogan, Trump und Putin als verrückt bezeichnen?“ Klingbeil, dem künftig durchaus Chancen auf einen Ministerposten zugeschrieben werden: „Wenn sie es sind, ja.“

Ellen Gause (Die Grünen) plädierte für einen besseren Umgang mit Ressourcen.

Krüger und Kehrstephan stellen die Kandidaten auch noch vor eine kreative Aufgabe. Nachdem alle sechs sich schon zu verschiedenen Themen geäußert haben, sollen sie ihr Bild von Deutschland, wie sie es sehen oder sich wünschen, malen. Nach zwei Minuten kommen die unterschiedlichsten Vorstellungen heraus. Während zum Beispiel Hasenjäger mit einer Menschenkette verdeutlicht „Nur gemeinsam können wir die Probleme lösen“, malt Gause ihre Vorstellung von einem Deutschland, das mehr auf seine Ressourcen achtet.

Agnes Hasenjäger (Die Linke) sprach sich für mehr Investitionen in das Gesundheitssystem aus.

Zwei Minuten haben die Kandidaten schließlich Zeit, die Bühne allein zu nutzen, um für sich zu werben. Letztlich rufen alle dazu auf, dass überhaupt gewählt wird. Für wen das Kreuz abgegeben werden sollte – darüber sind sich die Kandidaten dann aber doch uneins.

Podiumsdiskussion vom RWF und der Kreiszeitung zur Bundestagswahl

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