Kritik an Angaben der Bundeswehr

Jelpke: Kein neues Gutachten zu Lent-Namensdebatte vorhanden

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Das Schild vor der Lent-Kaserne kommt weg, das steht fest. Wann, ist noch unklar.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Rotenburger Lent-Kaserne wird umbenannt. Das steht seit Anfang September fest. Der ehemalige Kasernenkommandant York Buchholtz hatte das verkündet, die Bundeswehr hatte nach jahrelangen Debatten entschieden, dass die Benennung nach dem Nachtjäger-Piloten der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg nicht mehr zeitgemäß sei.

Buchholtz hatte, so hieß es im Gespräch mit der Kreiszeitung, nach der Veröffentlichung des neuen Traditionserlasses der Bundeswehr im April beim Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam ein neues Gutachten zu Lent in Auftrag gegeben. Daraus habe die Empfehlung des Kommandos Heer zur Namensänderung resultiert.

Doch dieses Gutachten gibt es gar nicht. Das sagt die innenpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke aus Hamburg. Nach der Berichterstattung in der Kreiszeitung habe sie sich beim Bundesverteidigungsministerium um die Zustellung dieses neuen Gutachtens bemüht. Erhalten habe sie jedoch nur ein Gutachten, das vom Januar 2016 stammt. In der Annahme, beim Ministerium liege ein Irrtum vor, bat die Abgeordnete nach eigenen Angaben erneut um die Übersendung des vermeintlichen neuen Gutachtens. 

Mittwoch nun habe ein Ministeriumssprecher gegenüber einem Mitarbeiter ihres Abgeordnetenbüros am Telefon bestätigt: „Es gibt kein neues Gutachten, und es ist auch keines angefordert worden.“ Die Entscheidung in der Kaserne könne damit nur auf dem alten Gutachten beruhen – unter Berücksichtigung des neuen Traditionserlasses. Jelpke dazu: „Dass sich der frühere Standortälteste lieber hinter angeblich neuen Erkenntnissen versteckt, als einfach zuzugeben, dass Lent kein Vorbild für Bundeswehsoldaten sein soll, zeugt von mangelnder Courage und Selbstkritik. Es liegt für mich auf der Hand, dass die Bundeswehrführung massiven Druck für eine Umbenennung ausgeübt hat. Es wirft ein schlechtes Licht auf die Bundeswehr, wenn sie von ganz oben zum Abschied von einem solch blutrünstigen Wehrmachtsoffizier wie Lent gezwungen werden muss.“

„Gutachten ein internes Arbeitspapier“

Auch diese Zeitung hatte sich schon im September um das Gutachten bemüht. Doch der Militärhistoriker und Oberstleutnant Harald Fritz Potempa vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr teilte mit: „Das besagte Gutachten ist ein internes Arbeitspapier, das dem Bundesverteidigungsministerium nur für den Dienstgebrauch zugearbeitet wurde. Es ist nicht für eine Veröffentlichung bestimmt und kann daher von uns auch nicht weitergegeben werden.“

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