Parlament gehört kein Abgeordneter aus dem Landkreis an

Ein Bundestag ohne Rotenburger

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Lars Klingbeil wird in den kommenden Jahren noch etwas mehr im Wahlkreis unterwegs sein müssen, denn er ist nun als Bundestagsabgeordneter allein verantwortlich für die Region.

Rotenburg - Von Stephan Oertel und Michael Krüger. Im neuen Bundestag kommt keiner der Abgeordneten mehr aus dem Landkreis Rotenburg. Beide Direktkandidaten wohnen in Nachbarkreisen, und auch über die Landeslisten der Parteien wird niemand ins Parlament einziehen. Ein Problem?

Seit der deutschen Vereinigung 1990 kam stets mindestens ein Bundestagsabgeordneter aus dem Landkreis Rotenburg, zwischen 1990 und 1998 waren es mit Heinz Günter Bargfrede und Carl-Detlev von Hammerstein (beide CDU) sogar zwei. Wenn nun Kathrin Rösel ihren Sitz frei macht, hat diese Epoche ein Ende. Die Christdemokratin war im Juni 2016 für ihren Parteifreund Reinhard Grindel in den Bundestag eingezogen, nachdem der Rotenburger das Amt des DFB-Präsidenten übernommen hatte.

Zehn weniger als noch vor vier Jahren

Rösel war daraufhin in diesem Jahr aus dem Landkreis Gifhorn eigens nach Rotenburg gezogen, um nun wie zuvor Grindel im Wahlkreis Rotenburg I / Heidekreis über das Direktmandat den Sprung in den Bundestag zu schaffen. Diese Rechnung aber ging, wie spätestens seit Montagmorgen klar ist, nicht auf. Sozialdemokrat Lars Klingbeil erhielt am Sonntag eindeutig die meisten Stimmen. Damit vertritt er auch den Rotenburger Südkreis, wohnhaft aber ist Klingbeil in Munster, also im Heidekreis. Rösels Hoffnung, über die Landesliste noch in den Bundestag einzuziehen, hatte sich dann in der Nacht zerschlagen. Die CDU darf wegen ihrer Verluste nur noch 21 Abgeordnete aus Niedersachsen nach Berlin schicken – zehn weniger als noch vor vier Jahren.

Die niedersächsische CDU-Gruppe im Bundestag setzt sich nun zusammen aus 16 direkt gewählten Parteivertretern und fünf Abgeordneten über die Landesliste. Die Rotenburgerin Rösel, auf Platz 18 im Vorfeld vermeintlich gut abgesichert, ging leer aus. Auch der Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Stade I / Rotenburg II, Oliver Grundmann (CDU), hat seinen Wohnsitz nicht im Landkreis. Er lebt in Stade.

Damit für ihre Parteien keine „weißen Flecken“ entstehen, kümmern sich Abgeordnete bei Bedarf in der Regel auch um benachbarte Wahlkreise. So war Klingbeil schon in den vergangenen Jahren Ansprechpartner auch für den Nordkreis Rotenburg, weil die SPD dort keinen Vertreter hatte. Und das bleibt jetzt für den gesamten Landkreis auch so, versichert der 39-Jährige: „Ich mache seit über acht Jahren Politik für den Altkreis Rotenburg und bin dort gut vernetzt.“ Und er nennt Beispiele aus seiner Arbeit: „Das Aus für Y-Trasse, die Wiederaufnahme der Ortsumgehung Scheeßel in den Bundesverkehrswegeplan, das Veto-Recht für die Wasserbehörden bei Fracking-Vorhaben, die Millionen-Förderung für den Breitband-Ausbau im Landkreis.“

Themen aus dem Südkreis mit nach Berlin nehmen

Der SPD-Politiker aus Munster betont zudem, für den Bürger da zu sein, „unabhängig davon, mit welcher Partei er es ansonsten hält. Ich werde weiter alles in die Waagschale werfen für unsere Region. Ich kenne die entscheidenden Akteure in Hannover und Berlin über Parteigrenzen hinweg und werden immer wieder den Finger in die Wunde legen.“

Auch Oliver Grundmann kann sich gut vorstellen, für die CDU auch Themen aus dem Südkreis mit nach Berlin zu nehmen. „Um die Scharnierfunktion sicherzustellen.“ Als für den Nordkreis zuständiger Politiker stehe er ohnehin in Verbindung mit vielen Menschen aus dem Landkreis Rotenburg – auch mit Funktionsträgern. Wie genau die Union die Zuständigkeiten für jene Wahlkreise verteilt, in denen sie nicht vertreten ist, soll in diesen Tagen festgelegt werden.

CDU-Kreisverbandsche Marco Mohrmann bedauert es natürlich, dass die einzige Vertreterin aus dem Landkreis nicht mehr dabei ist. Nun sieht er nicht nur Grundmann, sondern auch die Vertreter aus den benachbarten Wahlkreisen in der Pflicht. Mohrmann: „Wir wollen bundespolitisch weiterhin den gesamten Landkreis betreuen.“ Für den Südkreis Rotenburg könnten das aus CDU-Sicht zum Beispiel Andreas Mattfeldt aus Verden oder Michael Grosse-Brömer aus Harburg sein. Das ist übrigens ein Verfahren, dass kleinere Parteien schon immer so praktizieren – weil sie eh nie überall vertreten waren.

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