1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Rotenburg (Wümme)

Nur wenige Partygänger begeben sich auf die Maitour zum Bullensee

Erstellt:

Kommentare

Mit Hund Chico ging die Polizei auf Drogensuche – und der Vierbeiner begrüßte jeden, der des Weges kam.
Mit Hund Chico ging die Polizei auf Drogensuche – und der Vierbeiner begrüßte jeden, der des Weges kam. © bd

Es wieder Maitour – aber nur wenige Partygänger machen sich am Sonntag auf den Weg zum Bullenseeparkplatz. Nach Schätzungen der Polizei sind es am Ende zwischen 250 und 300 Menschen. Immerhin: Die Vermüllung entlang des Weges wie in den früheren Jahre bleibt aus.

Rotenburg – Lediglich eine Ansammlung von Dixietoiletten mitten auf dem Bullenseeparkplatz gibt den dezenten Hinweis, dass was war oder kommen wird. Gespenstisch leer und still ist er am 1. Mai um 11 Uhr morgens. Alles wirkt eher wie eine anstehende Bombenentschärfung - und nicht wie die traditionelle Maitour. Gelegentlich rollt leise ein weiteres Auto auf den Parkplatz und gesellt sich zu den gut 20, die dort schon parken.

Wanderer, oftmals von außerhalb. Zwei Betrunkene brüllen, dass die Besucher doch näher kommen sollen. Zu ihren Füßen Dosen mit Mischungen und Colaflaschen. Die beiden Mannschaftswagen der Polizei, die auftauchen, müssen als erstes Radfahrern den Weg nach Kirchwalsede erklären, bevor sie sich einen Überblick verschaffen, wo nichts ist. Eine Party, wenn sie denn überhaupt kommt, scheint in weiter Ferne. „150 bis 200 Leute haben sich von Rotenburg auf den Weg gemacht“, heißt es von den Beamten. Sie rücken wieder ab. Zu einem späteren Zeitpunkt ist für sie der Hartmannshof Drehscheibe der Einsätze.

Torsten Oestmann sah nach dem Rechten.
Torsten Oestmann sah nach dem Rechten. © -

Die beiden Betrunkenen an der Dixieklo-Insel schweigen, gucken und nehmen noch einen Schluck. Wenigstens ist es jetzt wieder ruhig. Auf dem Weg vom Bullenseeparkplatz zum Hartmannshof ist keine Menschenseele anzutreffen. An der Einfahrt steht ein Anwohner und wartet auf Vorbeikommende. Geplant ist ein ganzes Begrüßungskommando. Nicht von der Polizei. Die Bewohner des Hartmannshofes wollen Vorbeiziehenden bewirten. Mittlerweile ist es 11.16 Uhr. Bis auf einzelne Radfahrer kommt niemand vorbei.

Auf der Einflugschneise aus Richtung Unterstedt kommt eine Gruppe junger Leute. Sie lässt sich Zeit. Anderthalbe Stunden später ist sie einen Kilometer weiter t und vertreibt sich die Zeit mit Tanzmoves. Die Stimmung ist super, eilig haben sie es nicht. Mittlerweile ist es kurz vor 13 Uhr. Früher war es um diese Zeit bereits voll am Bullensee. Die beiden Fahrradpolizisten bestätigen: Tote Hose! Aus Richtung Unterstedt sei bis auf die lustige Truppe bisher niemand für die Party angerückt.

Entspannte Stimmung

Zurück am Partyort: Weiterhin nichts. Naja, fast nichts: Die Einsatzgruppe aus Lüneburg schaut sich um, nimmt persönlichen Kontakt zu den Rotenburger Kollegen auf, die sich gerade mit den Ehrenamtlichen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft kurz schließen. Sie haben den Tag mehr damit verbracht, auf die Antenne der Polizei aufzupassen, die am Rettungsturm befestigt ist, als mit Sorgen machen. Auf dem Parkplatz sind vielleicht ein Dutzend Menschen, die sich nicht um das „Coffe-to-go-Mobil“ schert. Eis ist bei den Temperaturen ebenfalls nicht so angesagt. Andere Besucher sind aufgrund des Trassierbandes irritiert und fragen erstmal, ob sie hier heute überhaupt spazieren gehen dürfen.

Die Stimmung ist bei allen Einsatzkräften entspannt. „Niemand konnte im Vorfeld einschätzen, wie sich das heute entwickelt“, sagt eine Polizistin. Gemeint ist damit die Personenzahl, nicht der Zustand der Feiernden. Gleichlautend äußert sich Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann, der eine Art Sternfahrt um den Veranstaltungsort herum betreibt, alle Routen einmal abfährt, Kontakt zu ehemaligen Kollegen, Mitarbeitern des Ordnungsamtes und Feiernden sucht. Oestmann hält es für richtig, lieber zu viele Einsatzkräfte da zu haben, als sich später anhören zu müssen, nichts getan zu haben. Am Verbot von harten Alkoholika will er in Zukunft für diesen Tag allerdings festhalten.

Dieser Wanderer wollte seine Chance nutzen.
Dieser Wanderer wollte seine Chance nutzen. © -

Von Langeweile will der Einsatzleiter der Bereitschaftspolizei nicht sprechen, eher, dass es entspannt ist. „Bei 600 bis 700 Leuten kann es schnell unübersichtlich werden, wenn da Bewegung rein kommt.“ Von daher seien sie eher froh, nichts zu tun zu haben.

Die Kekse der Hartmannshof-Leute sind derweil unter den Einsatzkräften verteilt. Die Bewohner sind des Wartens müde und rücken ab. Die alte Bullenseestraße bleibt leer und auch die Chipkarte des Social-Media-Teams der Polizei. Ungesehen und unbehelligt feiert derweil ein Gruppe junger Leute aus Waffensen auf einem Abschnitt der alten Bullenseestraße. Im Gepäck: Dosenbier, selbstgebackene, herzhafte Snacks und Cola. Das dort nicht nur drin ist, was drauf steht, ist der Polizei klar: „Wir riechen nicht an jeder Flasche.“ Eher geht es darum, dass alles im Rahmen bleibt. Chico dagegen hat wenigstens etwas zu tun. Der schwarze Schäferhund ist Drogenexperte. Er ist das „Kuscheltier“ der Hundestaffel aus Lüneburg. Im Gegensatz zu seinen beiden Berufskollegen darf er jeden beschnüffeln und tut es auch, der des Weges kommt.

Mit Fahrräden ging die Polizei rund um den Bullensee auf Streife und hatte dabei nicht viel zu tun.
Mit Fahrräden ging die Polizei rund um den Bullensee auf Streife und hatte dabei nicht viel zu tun. © -

Zur eigenen Unterhaltung – und zum Löschen des Durstes – spielt die Landjugend Waffensen Wikingerschach mit Bierdosen und Wasserflaschen. Vom Abiturienten bis zum Endzwanziger ist alles dabei. Einige von ihnen kennen die sagenumwobende Party mit Zigtausenden von Besuchern nur vom Hörensagen von ihren Eltern. „Ich wollte die Party hier einfach mal erleben“, sagen mehrere von ihnen. Die bleibt allerdings aus beziehungsweise zieht sich dahin. Sowohl die Menschentraube der 180 Leute wie auch die Party, die um 15 Uhr immer noch nicht im Gange ist. Auf dem Parkplatz befinden sich gut 20 Leute. „Wir müssen uns erstmal wieder in Tritt kommen, was das Losgehen angeht“, räumt ein Jugendlicher für seine Generation ein.

Am Ende waren es laut Einsatzleiter Sebastian Fischer 250 bis 300 Leute, die am Bullensee eintrafen. Um 18.03 Uhr hieß es dann: „Wir liegen in den letzten Zügen.“ Gemeint war damit das Ende des Polizeieinsatzes. „Alles lief gesittet ab, bis auf ein paar Kleinigkeiten“, sagt Fischer. Und, von Vermüllung ebenfalls keine Spur.

Auch interessant

Kommentare