Bullensee-Maitour: Initiative trifft sich mit Rotenburgs Bürgermeister Weber

Jugend sucht nach konstruktiver Lösung

+
Auch Rettungskräfte hatten bei der Bullensee-Maitour immer mal wieder Probleme, durch die Massen zu kommen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. „Wir sind doch nicht mehr im Kindergarten, wir wollen nicht Räuber und Gendarm spielen.“ Heiko Eckloff und seine Mitstreiter wollen feiern – wie Tausende andere alljährlich am 1. Mai auf dem Weg zum und am Bullensee. Eckloff und seine Mitstreiter wollen aber keinen Streit, sie wollen kein Katz-und-Maus-Spiel mit den Ordnungshütern.

Lesen Sie zum Thema auch:

Schluss mit lustig: Einschränkungen zum Alkoholkonsum am Mühlende

Kommentar: Das Problem ist nur verlagert

Weber rechtfertigt Maitour-Einschränkungen - Gespräche mit jungen Teilnehmern gefordert

Neue Spielregeln für Maitour zum Bullensee

Sie sind auf eine konstruktive Lösung aus, nachdem die Stadt Rotenburg mit dem Alkoholverbot rund um das Mühlende ein Quasi-Verbot der Bullensee-Tour ausgesprochen hat. Am Dienstag trifft sich der lose Zusammenschluss von Maitour-Freunden mit Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Am Sonntag hatten sich zehn Aktivisten beim 26-jährigen Eckloff in Rotenburg getroffen, um Vorschläge auszuloten und erste Ideen auszutauschen. Ganz real, und nicht mehr nur über Facebook, wo seit den Ankündigungen von Stadt und Polizei für die verschärften Bestimmungen am 1. Mai rege Diskussionen entbrannt sind. Die jetzige Initiative formte sich über die mittlerweile mehr als 3 200 Mitglieder zählende Facebook-Gruppe „wir saufen/laufen trotzdem am ersten Mai“. Seit Sonntag trägt sie einen anderen Namen: „Verschiedene Vorschläge für den Ersten Mai“. Für die 20 Party-Freunde im Alter zwischen 16 und 41 Jahren, die sich nun zum Kern der Initiative zählen, auch ein Zeichen der Kooperationsbereitschaft. Eckloff: „Wir wollen das Ding retten, das ist das Ziel.“

Heiko Eckloff, Sprecher der Initiative für die Bullensee-Maitour.

Und dafür soll nun nach Wegen gesucht werden. Einfach zu sagen, man gehe trotzdem über andere Routen zum Bullensee oder lasse es auf eine Konfrontation ankommen, sei nicht die Absicht der Gruppe. „Mit uns kann man doch reden – wenn wir denn gefragt werden.“ Das soll nun am Dienstagvormittag geschehen, im Büro des Bürgermeisters. Ein erstes „Abtasten“, auch andere Verantwortliche bei den Behörden und Vereinen will die Initiative kontaktieren, bevor es dann am 23. Februar in der Realschule zum großen öffentlichen Gespräch aller Beteiligten kommt. Geklärt werden müsse laut Eckloff nun, was für die Stadt der „Knackpunkt“ sei, was getan werden müsste, um Einigkeit zu erzielen. Bürgermeister Weber selbst geht ganz offen in das Gespräch, wie er erklärt. „Ich will gerne jeden kennen lernen, der mit mir etwas zu besprechen hat.“ Es mache ja auch einen Bürgermeister aus, für Gespräche zur Verfügung zu stehen. Zur Sache will sich Weber vor dem Gespräch mit der Initiative aber nicht weiter äußern. Es gibt aus seiner Sicht aber auch „keine Veranlassung“, an den Beschränkungen zu rütteln. Die Auflagen seien grundsätzlich kein Verbot – schließlich sei es ja weiterhin möglich, zum Bullensee zu radeln oder zu gehen. Nur eben: ohne Glasflaschen und Alkohol im südlichen Stadtgebiet. Zudem müssten sich alle an die bekannten Bestimmungen im Naturschutzgebiet halten.

Hier gelten die Beschränkungen - Lageplan

„Die Interessensgruppe ist bereit, am Thema mitzuarbeiten“, verdeutlicht Eckhoff noch einmal. Eine generelle Absage sei natürlich keine Option. Stattdessen müsse versucht werden, bestimmte Regeln aufzustellen: „Das Glasflaschenverbot finden wir gut.“ Ins Gespräch will die Maitour-Gruppe auch Wege-Scouts bringen. Die könnten allgemeine Hinweise geben, Mülltüten verteilen oder Pfandstationen bewachen. Dort könnten dann Dosen und Co. abgegeben werden. Der Erlös der Aktion wiederum könnte an die Stadt fließen, um die Aufräumarbeiten finanziell zu unterstützen. Auch sei laut Eckloff durchaus die Bereitschaft auszumachen, dass sich am 2. Mai aus der Gruppe heraus Mitstreiter finden lassen, die die Aufräumarbeiten entlang der Strecke unterstützen.

Einschränkend sagt Eckloff aber auch, dass die Gruppe nicht als Veranstalter der großen Maitour auftreten wird. Die Haftungsfrage wiege zu schwer. Zumal man nie für tausende Party-Pilger die Verantwortung übernehmen könne – denn auch wenn sich nun Viele kooperationsbereit zeigen, werde es immer wieder „Idioten“ geben, die sich an keine Regeln halten werden.

CDU und SPD setzen auf Gespräche

CDU und SPD in Rotenburg fordern einen stärkeren Dialog mit den Maitour-Pilgern. „Die Feiernden übernehmen Verantwortung und sollten unbedingt gehört werden“, heißt es vom CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Eike Holsten. Und SPD-Fraktionssprecher Gilberto Gori: „Wir sollten uns auf den Weg zueinander machen und darauf vertrauen, dass alle guten Willens und sich ihrer Verantwortung für Mitmenschen und Natur bewusst sind.“

Die CDU zweifelt am Sinn und der Durchsetzbarkeit eines generellen Alkoholverbots. Stadtrat-Fraktionschef Klaus Rinck vergleicht die Maitour mit den vielen Kohltouren, die aktuell zu sehen sind: „Wir Rotenburger Bürger jenseits der 30 können doch nicht ernsthaft feucht-fröhliche Bollerwagentouren mit Bier und Kurzen durchführen und dann den Jugendlichen für ihre Maitour Mineralwasser verordnen.“ Rinck weiter: „Aus meiner Sicht ist es unverhältnismäßig, allen Teilnehmern das Trinken zu verbieten, nur weil einige wenige ihr Maß nicht kennen. Die praktische Durchsetzung des verhängten Verbots erscheint mir außerdem völlig utopisch. Man stellt keine Regeln auf, deren Einhaltung man absehbar gar nicht im Entferntesten sicherstellen kann.“ Volle Zustimmung gibt es aber von der CDU zum Verbot von Glasflaschen. Rinck: „Es darf einfach nicht sein, dass man nach dem 1. Mai nur noch auf Vollgummireifen zum Bullensee radeln kann. Und besonders die Badenden am Bullensee werden durch Glassplitter gefährdet.“

Die SPD lobt das Engagement der „jungen Menschen mit Bürgersinn“, die nun mit dem Bürgermeister sprechen wollen. Gori: „Dass sie dazu die politischen Mittel Argumentation und Verhandlungsführung benutzen und so konsensorientiert eine Veränderung herbeiführen möchten, die sie für ihre Lebensqualität für wichtig halten, zeigt Reife und Verantwortungsbewusstsein. Politik braucht Menschen, die nicht alles hinnehmen, sich engagieren und daran glauben, durch Engagement auf argumentative Weise Lösungen herbeiführen zu können.“ Sowohl SPD als auch CDU glauben, dass es eine Lösung geben kann, die alle Rotenburger vertreten können. Holsten: „Kluge Lösungsansätze sind bei den über 3.000 Mitgliedern der Facebook-Gruppe bereits vorhanden.“ mk

Bilder von der Bullensee-Maitour 2015

Tausende auf dem Weg zur Party am Bullensee

Maitour zum Bullensee - Teil 2

Maitour zum Bullensee - Teil 3

Maitour zum Bullensee in Rotenburg / 4

Maitour zum Bullensee in Rotenburg / 5

Maitour zum Bullensee in Rotenburg / 6

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Studie: Zehn Berufe, die vom Aussterben bedroht sind

Studie: Zehn Berufe, die vom Aussterben bedroht sind

102 Tote in Venezuela - Maduro greift USA an

102 Tote in Venezuela - Maduro greift USA an

Nabu-Ferienprogramm im Jeersdorfer Gehölz und bei den Wasserbüffeln

Nabu-Ferienprogramm im Jeersdorfer Gehölz und bei den Wasserbüffeln

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Meistgelesene Artikel

Kreisbereitschaft Rotenburg Süd auf dem Weg nach Goslar

Kreisbereitschaft Rotenburg Süd auf dem Weg nach Goslar

Landwirt hätte gerne vorher über Ausgrabungen Bescheid gewusst

Landwirt hätte gerne vorher über Ausgrabungen Bescheid gewusst

Fünfköpfige Familie übersteht schlimmen Unfall leicht verletzt

Fünfköpfige Familie übersteht schlimmen Unfall leicht verletzt

Chester Bennington beim Hurricane: „Einer der besten Auftritte“

Chester Bennington beim Hurricane: „Einer der besten Auftritte“

Kommentare