Bürgermeister Weber unternimmt mit 106-jähriger Diakonisse eine Stadtrundfahrt

Ein Treffen mit der Vergangenheit

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Bürgermeister Andreas Weber holt Rotenburgs älteste Bürgerin ab. Seniorenbegleiterin Renate Cordes (v.l.), Altenpfleger Patrick Ludwig, Christine Kisselt von der Heim- und Pflegedienstleitung und Oberin Sabine Sievers freuen sich mit Schwester Charlotte und Schwester Annemarie (2. v.r.).

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Für das nord- deutsche Schmuddelwetter am Freitag konnte Bürgermeister Andreas Weber (SPD) wirklich nichts, als er mit seinem außergewöhnlichen Fahrgast, der 106-jährigen Diakonisse Charlotte Pätzold, zu einer Stadtrundfahrt startete. Das Geburtstagsgeschenk, das er der ältesten Bürgerin der Wümmestadt und des Landkreises zum Jahreswechsel gemacht hatte, kam hervorragend an: Auf eisglatten Straßen etwa 15 Kilometer durch die Kreisstadt zu einer Reihe von Erinnerungspunkten, aus den vielen Jahrzehnten des Lebens und Wirkens von Schwester Charlotte. Im stadteigenen, elektrisch betriebenen BMW i3 mit dem Bürgermeister am Steuer eine etwa einstündige Reise in die Vergangenheit! Begleitet wurde der Ehrengast mit weißer Wollmütze und weißem Schal von ihrer Vertrauten, Schwester Annemarie, sowie der Seniorenbegleiterin Renate Cordes.

Die Strecke hatte Weber nach den Wünschen von Schwester Charlotte zusammengestellt: Die kleine Reise durch die Winterwelt ging vom Tine-Albers-Haus des Rotenburger Mutterhauses, wo Schwester Charlotte ihren Lebensabend verbringt, durch die Innenstadt. Der Bürgermeister als „Fremdenführer“, sogar eine ganz langsame Fahrt durch die Fußgängerzone gehörte dazu. Außerdem steuerten sie die Stadtkirche, den Rotenburger Schulbereich, das ehemalige Krankenhaus Unterstedt und den Kalandshof an. Für die 106-Jährige war es ein Treffen mit der Vergangenheit, in deren Mittelpunkt die Pflege und Versorgung hilfsbedürftiger Menschen stand.

Nur dieser Wunsch konnte Charlotte Pätzold nicht erfüllt werden, Eisglätte und fehlende Zeit forderten ihren Tribut: Die alte Diakonisse, die in Breslau (Schlesien) geboren wurde und sich in ihrer Heimat dem Mutterhaus angeschlossen hatte, war im Jahr 1945 nach Heidenau bei Tostedt geflohen. Dort hatte sie gleich nach dem Zweiten Weltkrieg viele Jahre als Gemeindeschwester gearbeitet. Zuerst ging es mit dem Fahrrad von Haus zu Haus, dann mit dem Motorroller und schließlich, als sie mit dem Roller verunglückte, wieder mit dem Rad…

Heidenau war ein besonders wichtiger Abschnitt im Leben von Schwester Charlotte, die inzwischen in das Rotenburger Mutterhaus aufgenommen worden war und zu deren Wirken ab 1960 die Leitung der Krankenpflegeschule in Zeven gehörte.

Auch ohne einen Ausflug nach Heidenau war der Freitag ein besonderes Geschenk der Stadt an ihre älteste Bürgerin. Charlotte Pätzold gehört heute zu den 18 Diakonissen des Rotenburger Mutterhauses. Mehr als 60 Schwestern waren es vor 155 Jahren, mit denen Oberin Helene Hartmeyer aus Hamburg nach Rotenburg gezogen war, um als Protest gegen die missgedeutete Versorgung von Menschen in der Hansestadt in Rotenburg nach ihren Regeln wirken zu können: Ein bescheidenes Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam.

An einem großen Bild von Oberin Helene Hartmeyer begann die Rundreise. Pastorin Sabine Sievers, die jetzige Oberin, wünschte der ältesten Diakonisse eine gute Fahrt. Und die Reise geht noch weiter: Schwester Charlotte hat mit Weber eine Fahrt zum Gottesdienst in der Kirche Zum Guten Hirten verabredet.

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