Serie „60 MINUTEN“

Bürgermeister Weber bittet ins Büro - alltägliche Probleme in der Sprechstunde

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Bürgermeister Andreas Weber hört sich die Anliegen an und notiert sie auf einem Protokollbogen.

Rotenburg - Es ist später Nachmittag und das Rathaus bereits relativ verlassen. Eine Reinigungskraft manövriert einen Staubsauger über den Boden, eine weitere säubert Türklinken. Für alle anderen scheint bereits Feierabend zu sein. Die Tür von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) allerdings steht noch offen. Seine Sprechstunde beginnt in wenigen Minuten. Von 17 Uhr an können Bürger sich an den Rathaus-Chef wenden.

Dieses Mal ist es aber noch ruhig, niemand wartet vor dem Büro im ersten Stock. Weber holt trotzdem schon einmal die Protokollbögen hervor. Dort, erklärt er, notiert er sich jedes Mal, wer da war und um welches Thema es ging. So sei es leichter, später die zuständigen Ämter zu kontaktieren oder sich auf anderem Weg um das Anliegen zu kümmern. Ein dicker Stapel hat sich bereits angesammelt an ausgefüllten Bögen. Jeden Monat lädt Weber seit Beginn seiner Amtszeit ein, oft seien es so viele, dass er nicht mit der einen Stunde auskommt.

Dann klopft es an der Tür. Weber steht auf und nimmt die erste Bürgerin in Empfang. Beide kennen sich bereits und umarmen sich zur Begrüßung. Astrid Linde ist gekommen, um sich über die zu schnell fahrenden Autos in der Süderstraße zu beschweren. Weber erklärt ihr, dass die Stadt nur Geschwindigkeitsmessgeräte aufstellen könne. Die Verkehrsüberwachung hingegen sei Sache der Polizei. 

„Messgeräte können ja aber auch schon bewirken, dass die Autofahrer etwas langsamer unterwegs sind“, meint er und fragt, an welcher Stelle ihrer Meinung nach die Platzierung des Geräts am sinnvollsten sei. „Ich würde vorschlagen so in der Mitte, oder?“ Linde bejaht: „Da haben sie schon ordentlich Geschwindigkeit drauf.“ Das Kopfsteinpflaster hätte in der Anfangszeit, nachdem es dort verlegt worden war, noch bewirkt, dass die Menschen langsamer mit ihren Autos über die Straße fuhren. Mittlerweile hindere es sie aber nicht mehr daran, Gas zu geben.

Weber verspricht, sich an das Straßenbauamt zu wenden, um bald eins der Messgeräte in der Süderstraße aufstellen zu lassen. Mehr könne er in der Sache aber nicht tun. Linde nickt verständnisvoll. „Mir war einfach wichtig, das mal loszuwerden“, sagt sie.

Das höre er oft oder es sei sein Eindruck, meint Weber später. Anders als in diesem Fall, kämen einige Bürger auch mit Anliegen, bei denen der Bürgermeister wenig machen könne. Probleme mit Mietern oder Nachbarschaftsstreitigkeiten gehören dazu. „Da kann ich nur an die Schiedsfrau verweisen“, sagt der Bürgermeister. Tempoüberschreitungen in bestimmten Straßen, abgesackte Radwege, überfüllte Mülltonnen – es sind diese alltäglichen Beschwerden und Probleme, die während der Bürgersprechstunde an ihn herangetragen werden. Aber auch Fragen zu politischen Themen wie der Stadtentwicklung würden ihm gestellt. Manchmal ginge es auch nur darum, das Gespräch zu suchen, einige bedankten sich auch bei Weber für die Arbeit.

Astrid Linde bleibt aber noch einen Moment, nachdem sie ihr Anliegen losgeworden ist. Sie und Weber sprechen noch ein wenig privat, denn beide kennen sich seit der Schulzeit. Dann verabschiedet sie sich und es scheint zunächst so, als würde an diesem späten Nachmittag niemand mehr vorbeikommen.

Doch dann klopft es nochmal an die Tür. Ein weiterer Bürger tritt in das Büro und setzt sich an den langen Tisch, an dem Weber seine Gäste empfängt. Der Bürgermeister bietet ihm die darauf stehenden Getränke und Süßigkeiten an. Der Mann gehört zu jenen, die sich ein wenig über einen Nachbarn beschweren wollen, daher möchte er namentlich nicht genannt werden.

Weber kennt allerdings auch ihn von früher. Der Mann beschwert sich über ein Grundstück in seiner Nachbarschaft, um das sich nicht gekümmert wird. Da könne Weber allerdings nichts ausrichten. Anders sieht es bei dem anderen Anliegen aus, wegen dem der Mann gekommen ist.

Denn er bemängelt auch, dass ein Bereich des Grünstreifens an der Straße, an der er wohnt, mehr Pflege benötigt. Dort würden auch häufig Autos parken und das Grün kaputt fahren. Weber wolle sich erkundigen, ob dort demnächst wieder eine Pflegemaßnahme durchgeführt wird. Allerdings, merkt er an, geht die Abfolge nach einer Liste, die nach zeitlicher Priorität abgearbeitet werde. Mehr könne teils auch nicht gemacht werden, weil es die Stadt zu teuer käme. Der Mann zeigt sich verständnisvoll für diese Antwort, und auch er scheint froh, sein Anliegen einfach mal losgeworden zu sein. „Ich war schon beim vergangenen Mal hier, aber da standen einige, sodass ich wieder umgedreht bin“, sagt er.

Auch er unterhält sich noch ein wenig mit dem Bürgermeister, ehe er sich verabschiedet und damit die recht ruhige Sprechstunde des Bürgermeisters beendet.

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