Werk von Corinna Kohröde-Warnken

Buch gibt Hilfestellung beim Thema Pflege

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Corinna Kohröde-Warnken widmet sich in ihrem neuen Buch dem Thema Angehörigenpflege.

Viele Menschen fühlen sich allein gelassen, wenn es um Pflege geht. Diesen Eindruck hat Corinna Kohröde-Warnken, und deshalb hat sie ein Buch über das Thema geschrieben. „Du bleibst du, und ich bleib ich – Balance halten, wenn die Eltern Pflege brauchen“ ist ein Ratgeber, der auch Tabus anspricht.

Rotenburg – Pflege ist ein Thema, das früher oder später jeden betrifft. Entweder, weil man selbst Hilfe in Anspruch nehmen muss, oder weil man selbst Angehörige umsorgt. „Deutschlands größter Pflegedienst sind Angehörige“, sagt Autorin Corinna Kohröde-Warnken. Einen Ratgeber darüber zu schreiben, welche Herausforderungen, aber auch Chancen es mit sich bringt, einen Angehörigen zu pflegen, liegt in ihrem Fall nahe. Mehrere Jahre lang hat sie in einer Altenpflegeeinrichtung als Pflegedienstleiterin gearbeitet. „Und da wurde ich sehr oft mit den Geschichten und Problemen der Angehörigen konfrontiert“, erinnert sie sich. Oft habe sie etwa gehört, dass Kinder ein schlechtes Gewissen plagt, weil sie ihre Eltern in einem Pflegeheim untergebracht haben, anstatt sie selbst zu pflegen.

Etwas, das nicht sein muss, findet Kohröde-Warnken. Ein „gesunder Egoismus“ ist aus ihrer Sicht wichtig. Denn die Pflegeaufgabe werde meist über einen längeren Zeitraum übernommen und koste viel Kraft. „Es ist ein bisschen wie mit der Feuerwehr: Die geht auch nicht in ein brennendes Haus, ohne sich abzusichern“, zieht die studierte Pflegewirtin einen Vergleich. So sei es eben auch wichtig, dass Pflegende auch ihre eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren.

In dem Ratgeber hat Kohröde-Warnken auch Menschen zu Wort kommen lassen, denen genau das passiert ist – und die es oft nicht gemerkt haben. So war es auch bei Sybille, die sich um ihre demente Schwiegermutter Marie gekümmert hat. Eine Aufgabe, die sie neben der Arbeit und dem Haushalt sehr stresste, ohne, dass es ihr selbst richtig bewusst war. Bis sie Marie auf den Arm schlug, während sie das Bett beziehen und sie umlagern wollte. Sybille hatte nicht erkannt, dass die demente Frau sich nur aus Angst, aus dem Bett zu fallen, vorher an ihrem Arm festgeklammert hatte. Die Reaktion zeigt die Überforderung, meint Kohröde-Warnken. „Und vielleicht war es auch einfach ein Reflex.“ Sybille aber fühlte sich schuldig. Sie suchte sich Hilfe, machte einen Pflegekurs und strukturierte den Alltag um. Gewalt gehört genauso wie Wut, Verzweiflung und Missbrauch zu den Tabuthemen, die die Rotenburgerin in dem Pflege-Ratgeber anspricht.

Andere schildern wiederum, dass die Zeit, in der sie jemanden aus der Familie gepflegt haben, sie diesen Menschen wieder näher gebracht hat. Auch das möchte die Autorin zeigen. „Pflege ist mitnichten etwas Negatives“, betont sie.

Die Interviews mit Betroffenen sind das Herzstück des Buchs. Kohröde-Warnken sammelt damit die vielfältigen Probleme und Aspekte, die auf die Menschen zugekommen sind. Die Geschichten sind oft emotional und nicht immer positiv. „Viele waren froh, einmal darüber sprechen zu können“, berichtet sie über die Offenheit, die sie erfahren hat. Es sind Menschen aus ihrem Bekanntenkreis, auf die sie für das Kapitel des Buches zugegangen ist. Über Freunde, näher und weiter entfernte Bekannte hat sie von den Fällen erfahren. „Und mir würden auch bestimmt noch zehn weitere einfallen, die infrage kämen“, sagt Kohröde-Warnken. Im Buch hat sie 13 berücksichtigt. Gespräche mit persönlich betroffenen Menschen hat die Autorin auch schon in anderen Büchern einfließen lassen. Und auch dieses Mal waren emotionale Momente dabei. Häufig habe sie nur wenige Fragen stellen müssen. „Bei vielen ist es aus ihnen herausgebrochen“, erzählt sie von der Erleichterung, die ihren Gesprächspartnern anzumerken war. Nicht immer könnten oder wollten diese sich anderen anvertrauen. „Daher können zum Beispiel Selbsthilfegruppen durchaus eine Erleichterung sein“, meint sie.

Denn auch das macht einen Teil des Buches aus: Als Ratgeber, mit dem die Autorin vor allem den Pflegenden eine Hilfestellung geben möchte, zeigt sie auch die vielen Entlastungsmöglichkeiten auf, die es gibt. Als sie sich selbst um ihre Eltern kümmern musste, habe sie erlebt, wie kompliziert es sein kann, den Überblick über Unterstützungsmöglichkeiten zu behalten. „Und dabei kenne ich mich durch meinen Beruf ja schon aus, habe den professionellen Hintergrund.“

Es ist das mittlerweile fünfte Buch, das Kohröde-Warnken veröffentlicht hat. Sie hat sich bislang immer Gesundheitsthemen gewidmet. Das wird wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben, meint die Autorin. Ideen für weiteren Schreibstoff hat sie auf jeden Fall schon, verrät sie.

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