Uta Bruns präsentiert ihre „Ra(n)dgeschichten“

„Bei Rädern halte ich drauf – Klick“

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Im Kantor-Helmke-Haus präsentiert Uta Bruns ab Montag ihre Ausstellung.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Manch einer wandert gern, andere gehen stattdessen lieber joggen. Das ist nichts für Uta Bruns – sie durchfährt die Straßen im Landkreis in Rotenburg mit dem Fahrrad. Immer mit dabei: Ihre kleine Kamera, mit der sie seit 25 Jahren besondere Momente festhält. Mehr als 2000 Bilder sind entstanden, die besten stellt die 60-jährige Rotenburgerin im Kantor-Helmke-Haus aus. Im Interview spricht sie unter anderem über ihre Leidenschaft, Stürze, die Ausstellung und den Profi-Sport.

Frau Bruns, wie viele Fahrräder braucht der Mensch?

Uta Bruns: Drei. Ein Tourenrad für die Stadt, wetterfest und mit fünf- oder sieben-Gang-Schaltung. Ein Mountainbike – es ist vielseitig und für mich deshalb auch das Lieblingsrad. Und das Rennrad um auf langen Strecken schnell zu fahren, um einen Geschwindigkeitsrausch zu kriegen. Ich bin schon 80 oder 90 km/h auf dem Nürburgring bei „Rad am Ring“ gefahren.

Wie kommt man darauf, viel Fahrrad zu fahren, die Kamera mitzunehmen und daraus eine Ausstellung zu machen?

Bruns: Mich begeistern seit Jahren die Fotoausstellungen, die im Kantor-Helmke-Haus stattfinden. Ich gehe in jede. Und weil ich die Radsportabteilung beim TuS Rotenburg geleitet habe, habe ich naturgemäß auch dort viele Fotos gemacht. Deshalb war die Kombination fast wie eine Erleuchtung: „Warum lässt du das nicht auch der Öffentlichkeit zukommen, was du alles gesehen hast?“

Was gibt es denn zu sehen?

Bruns: Das ist unterschiedlich. Menschen auf Rädern, ungewöhnliche Räder. Zum Teil ganz verrückte Gefährte: Bunte, flache oder sogar welche zum Liegen. Räder für mehrere Leute, historische Ausführungen und schrottreife. Bei allem, was mit Rädern zu tun hat, halte ich erstmal drauf – Klick. Es gibt auch Räder als Kunst zum Beispiel als Buchstütze, Denkmal oder aus Pflanzen auf Gartenschauen.

Man kann Sie also als fahrradverrückt bezeichnen?

Bruns: Ja, das würde ich schon sagen. Es ist eben eines meiner größten Hobbys.

Seit wann kombinieren Sie das Fahrradfahren mit dem Fotografieren?

Bruns: Seit ich die Abteilung Radsport beim TuS gegründet habe, mache ich das so, also seit 1990. Seitdem war der Fotoapparat immer dabei. Vor etwa drei Jahren hab ich die Leitung dann abgegeben. Ich wollte nicht mehr immer die Verantwortung für alles tragen. 23 Jahre sind dann einfach genug.

Sie wollten also auch mal für sich Fahrrad fahren?

Bruns: Ja, ich wollte mal in die zweite Reihe zurücktreten, in der Abteilung bin ich ja noch geblieben und mache da auch noch viel. Es war eine wunderbare Zeit, aber es ist dann auch mal gut.

Also ist die Ausstellung auch so etwas wie eine Bilderchronik aus 25 Jahren Radsport in Rotenburg?

Bruns: So in etwa. Aber ich fotografiere auch unterwegs im Urlaub, da auch gerne eben ungewöhnliche Räder, und auf Sportveranstaltungen. Es sind auch Bilder von Radrennen dabei. Aber ich finde, die sind nicht so aussagekräftig. Einen Pulk, der losfährt, den sieht man in jeder Zeitung. Ich möchte etwas Besonderes, die ganze Bandbreite zeigen: Was kann man aus einem Fahrrad alles machen? Ich habe auch eine Vitrine mit einigen verrückten Exponaten gestaltet, es sind also nicht nur Bilder.

Sie sind viel unterwegs, kommen viel rum. Haben Sie bei einer Tour mal etwas Außergewöhnliches erlebt und auf Bild festgehalten?

Bruns: Eine Geschichte ist dabei aus dem Behindertenradsport. Der ehemalige Weltmeister im Handbike, Stefan Bäumann, der als Querschnittsgelähmter mit einem Liegerad fährt und mit der normalen Radsportabteilung seines Vereins mittrainiert – als Schwerstbehinderter. Ich finde es sehr beeindruckend, dass ein Mensch trotz des Handicaps Hochleistungssport betreiben kann und von den Nichtbehinderten vollkommen anerkannt ist. Andere jammern, wenn sie einen Fuß verknackst haben.

Der Radsport ist seit einigen Jahren etwas in Verruf geraten, Doping sei dank. Wie ist Ihre Einstellung dazu?

Bruns: Es ist schade, aber ich habe mich nie im Leistungssport, sondern immer nur im Freizeit- und Breitensport engagiert. Davon ist der professionelle Sport auch relativ weit entfernt, wenn es wirklich nur um Spaß geht. Außerdem kann man auch nicht alles pauschal in Verruf stellen. Andere Sportler dopen sicher auch. Deswegen kann ich ja nicht denjenigen, der hier in Rotenburg auf dem Sportplatz trainiert und sein Sportabzeichen macht, damit in einen Topf werfen. Und so kann ich das beim Radfahren eben auch nicht. Im Freizeitbereich ist das ja auch sowieso anders, da spielen der Spaß und die Gesundheit eine Rolle, mehr nicht.

Spaß ist ein gutes Stichwort. Was bedeutet Ihnen dieses Hobby?

Bruns: Ich finde es gut, an der frischen Luft zu sein und dass man eine unglaubliche Strecke damit zurücklegen kann, im Gegensatz zum Wandern oder Laufen. Privat lege ich schon mehr als 50 Kilometer zurück, darunter fahre ich eigentlich nicht los, weil der Aufwand sehr groß ist. Es ist umweltfreundlich und leise, dadurch hört auch der Fahrer selbst deutlich mehr. Aber ich bin kein Schlecht-Wetter-Fahrer, dann fahre ich nicht raus.

Wie sehr hilft der Sport der Gesundheit?

Bruns: Seit ich Fahrrad fahre, habe ich viel weniger gesundheitliche Probleme. In der ganzen Zeit bin ich auch nur rund zehn Mal richtig gestürzt. Die schwersten Unfälle waren aber nicht beim Sport, sondern in der Stadt, wenn ich schnell mal was erledigen wollte. Seitdem kommt der Helm immer drauf. Ich habe drei Räder und drei ‚Deckel‘.

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