Britta Habbe von der Landesjägerschaft informiert über den Wolf

Gekommen, um zu bleiben

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Die Welpen bleiben nur ein bis zwei Jahre bei ihren Eltern.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Im Frühjahr des Jahres hatte der Wolf auch im Landkreis Rotenburg für Aufsehen gesorgt. Fotos und Videos kursierten im Netz, die Aufregung war groß. Wenn solche Sichtungen gemacht werden, beginnt die Arbeit von Britta Habbe. Die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen war am Montagabend für einen Vortrag im Kantor-Helmke-Haus in Rotenburg zu Gast.

Einleitend formulierte Roland Meyer, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Rotenburg, das erklärte Ziel des Nabu, der zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte: „Wir wollen den Wolf nicht euphorisch begrüßen, nicht verteufeln, sondern sachlich aufklären.“ Für diesen Versuch war Britta Habbe aus Bückeburg angereist. Die Biologin ist bei der Landesjägerschaft zuständig für das Wolfsmonitoring – die Basis der aktuellen Forschung – über das sie zunächst aufklärte: „Wir brauchen Fotos, Fakten, Maße; handfeste Beweise.“ Dafür sind sie und ihre Kollegen auf die Bevölkerung angewiesen, die solche Dinge meldet. Dazu gehören auch Fährten, Risse und Kot. Die Wolfsberater in den einzelnen Landkreisen sammeln solche Meldungen, und „dann landen sie bei mir auf dem Schreibtisch“, so Habbe. Ziel dieser Forschung sei es, einen günstigen Erhaltungszustand der Population zu erreichen.

Die Biologin betonte aber auch, dass der Wolf nicht künstlich wieder angesiedelt wurde, sondern von alleine zurückgekehrt sei. Das veranschaulichte sie anhand einer Karte, auf der die Gäste verfolgen konnten, wie sich die Tierart Ende der 1990er Jahre von der Lausitz Richtung Nordwesten ausbreitete. Hintergrund ist, dass der Wolf in Deutschland seit den 1980er Jahren unter Schutz steht, im Osten seit der Wiedervereinigung.

„Der Wanderweg entlang der Elbe ist sehr beliebt“, so die Expertin. Warum das so sei, könne sich derzeit biologisch niemand erklären. Inzwischen seien hierzulande 41 Wolfsterritorien bekannt. Nachwuchs gab es erstmals im Jahr 2000. Ein Rudel besteht in Europa aus durchschnittlich acht bis zehn Tieren, ein Elternpaar mit seinen Welpen und zum Teil Einjährigen. Nach der Geschlechtsreife verlassen die Jungtiere das Rudel und suchen sich ein eigenes Territorium, klärte Habbe auf. Auch im Landkreis Rotenburg gebe es entsprechende Nachweise, diese ließen aber keine endgültigen Rückschlüsse auf die mögliche Population zu.

Dass es gar nicht so leicht ist, den Wolf anhand der Optik von einem Hund zu unterscheiden, zeigte sich bei einem Test. Auf sechs Bildern waren ähnliche Tiere zu sehen, allerdings waren nur drei davon Wölfe. „Daran können Sie sehen, wie schwer das ist.“ Oft handele es sich bei Meldungen um den Wolfshund.

Viele Nutztierhalter haben seit Isegrims Rückkehr Sorge. Tatsächlich konnte die Expertin nur bedingt beruhigen. Zwar besteht die Beute der Tiere zu etwa 90 Prozent aus Rehwild, Rotwild und Schwarzwild, trotzdem räumte Habbe ein: „Schafe haben keine Chance.“ Haustiere seien im Normalfall ebenfalls keine Beute, „dieser Faktor nimmt im Management aber großen Raum ein“. Habbe verwies in diesem Zusammenhang auf die „Richtlinie Wolf“ vom Niedersächsischen Umweltministerium. Diese besagt, dass es nur dann eine Entschädigung für Schäden durch den Wolf gibt, wenn entsprechende Präventionsmaßnahmen wie Schutzzäune ihre Wirkung verfehlt haben.

Im Fokus außerdem: der Kontakt zum Menschen. Habbe empfahl bei einer Begegnung, laut zu klatschen und selbstbewusst aufzutreten, auch wenn man anders empfinde. Das Tier solle die Angst vor dem Menschen behalten, da es sich sonst an dessen Anwesenheit gewöhne. In Europa hat es in den vergangenen 60 Jahren insgesamt 59 Angriffe gegeben, von denen neun tödlich endeten. Habbe: „Eins muss uns klar sein: Die Wölfe sind gekommen und sie werden bleiben.“

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