Es sind immer mehr Einsätze der Polizei erforderlich

Brennpunkt Pferdemarkt

Sieht friedlicher aus, als es ist: Der Pferdemarkt ist ein Brennpunkt geworden. Aber während Knut Nagel (v.l.), Heiner van der Werp und Frank Rütter für das
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Sieht friedlicher aus, als es ist: Der Pferdemarkt ist ein Brennpunkt geworden. Aber während Knut Nagel (v.l.), Heiner van der Werp und Frank Rütter für das
  • Guido Menker
    vonGuido Menker
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Rotenburg – Verschmutzungen, Lärmbelästigungen, Geschrei, Pöbeleien und mitunter auch handfeste Auseinandersetzungen, Verkehrsdelikte sowie Straftaten: Der Rotenburger Pferdemarkt hat sich im Laufe der vergangenen drei bis vier Monate zu einem Brennpunkt in der Kreisstadt entwickelt. Die Beschwerden bei der Polizei und auch beim Ordnungsamt der Kreisstadt häufen sich. „Der Pferdemarkt erscheint zurzeit wie ein Ausgangspunkt für nächtliches Leben in Rotenburg“, sagt Polizeisprecher Heiner van der Werp. Grund genug für ein „niederschwelliges Einsatzverhalten“, wie es Knut Nagel bezeichnet. Er ist Leiter des Einsatz- und Streifendienstes bei der Polizeiinspektion in Rotenburg und muss nicht selten mehrmals am Tag Kollegen bitten, den Pferdemarkt anzusteuern.

Die Beschwerden kommen von Anwohnern – aber nicht nur. Tagsüber klagen sie über laute Musik aus mobilen Lautsprechern und auch über „Verkehrsakrobaten“. Letztere vollziehen mit ihren Rädern Kunststücke – auf dem Platz, auf dem Gehweg drumherum und auch auf den Treppenstufen. Und das alles ohne Rücksicht auf andere. „Das macht vor allem den älteren Menschen, aber auch Kindern zu schaffen“, so van der Werp. Nachts sind es nicht die Räder, sondern junge Männer in ihren Autos, die immer wieder am Pferdemarkt herumfahren, „posen“ und nicht selten den Jubel vieler junger Leute genießen, die sich auf dem Platz treffen. Sie hocken zusammen, trinken, essen und lassen fast täglich jede Menge Müll zurück. „Klar, das ist ein Platz für die Menschen, aber sie sollen sich doch bitte vernünftig verhalten“, findet Ordnungsamtsleiter Frank Rütter.

Die Polizei hat mit diesem Treffpunkt noch ein ganz anderes Problem: „Manchmal haben wir es mit einer Lage zu tun, bei der es um 20, 30 oder noch mehr Menschen geht. Da brauchen wir schon zwei, manchmal sogar drei Wagen, um das beherrschen zu können“, schildert Knut Nagel die Entwicklung. Und noch etwas falle auf: Der Respekt den Beamten gegenüber nehme zusehends ab. „Die solidarisieren sich gegen uns – es kommt zu Beschimpfungen und Beleidigungen.“ Rädelsführer sorgten dafür, dass die Gruppe gemeinsam Widerstand signalisiert. Buß- und Verwarngelder, Strafanzeigen und Platzverweise sind häufig die Quittung.

Zu Beginn der Corona-Pandemie war es überwiegend um Einsätze gegangen, bei denen Verstöße gegen die Abstands- und Hygieneregeln zu ahnden waren. Auf dem Pferdemarkt, aber auch im Bereich Kirchhof und hinter dem Kantor-Helmke-Haus. Inzwischen – mit den Lockerungen der Bestimmungen – habe sich die Situation nicht nur auf den Pferdemarkt konzentriert, sondern auch anders entwickelt.

„Die Situation schwankt von Tag zu Tag, meistens hängt es vom Wetter ab“, weiß Nagel zu berichten. Und weiter: „Wir können es einfach nicht dulden, dass viele Menschen Angst haben, über den Pferdemarkt zu gehen und hier ein rechtsfreier Raum entsteht.“ Auch verbal gehe es Passanten gegenüber zum Teil „derbe zur Sache“, sagt van der Werp. Nicht selten berichteten Frauen von sexistischen Anspielungen.

Frank Rütter und den beiden Polizisten ist bewusst: „Wir können nur reagieren.“ Dennoch liefen im Hintergrund durchaus schon Überlegungen und Gespräche, wie sich diese Probleme lösen lassen. Heiner van der Werp sieht die Polizei dabei nicht außen vor. „Wir haben schließlich auch Präventionsexperten.“ Überhaupt: Womöglich sei dieses Thema auch eines, das im Präventionsrat der Stadt auf den Tisch kommen muss. Überlegungen in diese Richtung gibt es, Ergebnisse allerdings noch nicht. Dennoch versichert Nagel: „Wir fahren da mit der Stadt zusammen auf einer Schiene.“

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