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Bremer Unternehmen baut auf dem Rotenburger Flugplatz Drohnen

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Von: Nina Baucke

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Stephan Flemming (l.) und Lukas Schmitz befestigen vor dem Start die Tragfläche am Rumpf der Drohne.
Stephan Flemming (l.) und Lukas Schmitz befestigen vor dem Start die Tragfläche am Rumpf der Drohne. © Baucke

Das Bremer Unternehmen Hanseatic Aviation Solutions entwickelt, fertigt und testet nun bereits seit einem guten Jahr Drohnen für Sicherheitsaufgaben auf dem Rotenburger Flugplatz.

Rotenburg – Auf der Startbahn des Rotenburger Flugplatzes hebt gerade eine Propellermaschine für eine Fallschirmübung der Bundeswehr ab, direkt neben dem Platz, bereits auf dem Kasernengelände, schmeißt ein Militär-Transporthubschrauber gerade die Rotorblätter an, die daraufhin ein tiefes, lautes Brummen erzeugen: In der lauten Geräuschkulisse an diesem Tag auf dem Flugplatz geht das Sirren der kleinen Drohne, die über dem Hangar schwebt, fast unter. Dort bereitet das Team von Hanseatic Aviation Solutions seine Testflüge vor – allerdings mit Fluggeräten, die einige Nummern kleiner als der Transporthubschrauber sind.

Denn das Bremer Unternehmen entwickelt, fertigt und testet nun bereits seit einem guten Jahr in einem Teil des Hangars Drohnen für Sicherheitsaufgaben. „Wir beliefern zum Beispiel das THW, die Seenotretter, die Polizei und andere Behörden, allerdings nur im nicht-militärischen Bereich“, erklärt Geschäftsführer Michael Schmidt. Zum einen sind es Multirotordrohnen, Senkrechtstarter, die von einem Elektromotor etwa eine Stunde in der Luft gehalten werden. Mehr allerdings liegt der Fokus des Unternehmens auf Starrflügler. Diese weisen bereits eine gewisse Ähnlichkeit mit Modellflugzeugen auf – einige mit Winglets, die abgeknickten Spitzen der Tragflächen.

Angetrieben von einem Verbrennungsmotor können sie mehrere Stunden in der Luft bleiben und auch bei stärkerem Wind fliegen. „Für diese Modelle braucht es aber auch eine gut 120 Meter lange Startbahn“, erläutert Schmidt.

Externe Unternehmen arbeiten mit

Ein großes Regal neben der Eingangstür im Hanger ist der Ausgangspunkt für die Fertigung, dort landen die einzelnen Bauteile und werden in Kisten sortiert. „Die Drohnen werden ja individuell für den Kunden angepasst“, sagt Systemingenieur Stefan Flemming. Das reicht vom Innenleben des Fluggerätes bis hin zum Labelaufkleber an der Außenseite.

Die Teile der Hülle aus Kohlefaserverbundwerkstoff fertigt ein externes Unternehmen speziell für Hanseatic Aviation Solution an, das Team um Schmidt setzt Tragflächen, Rumpf, Spitze und Heck zusammen und „füttert“ das Ergebnis mit der vom Kunden benötigten Technik. Im weiteren Arbeitsprozess geht es vor allem darum, das System einzustellen und aufeinander abzustimmen. „Leer hat das Ganze ein Gewicht zwischen 18 und 19 Kilo, mit Ladung und Treibstoff sind es noch einmal sechs bis sieben Kilo mehr“, beschreibt Flemming. Zusätzlich sind die Drohnen mit Kameras für Tageslicht, aber auch mit Infrarot ausgestattet. „Das sind Hochleistungskameras, mit denen aus der Luft sogar kleinste Details sichtbar sind“, sagt Schmidt. Manche speichern die Aufnahmen, andere senden sie live zu einer Bodenkontrollstation.

Von der Bodenkontrollstation aus können Stephan Flemming und Lukas Schmitz auf den Flug einwirken.
Von der Bodenkontrollstation aus können Stephan Flemming und Lukas Schmitz auf den Flug einwirken. © Baucke

Die ist mit zwei Arbeitsplätzen ausgestattet. Bei einem Testlauf ist Flemming als Operator für die gesamte Missionsplanung zuständig, sein Kollege Lukas Schmitz überwacht das technische Innenleben, die Payload. „Er hat das Livebild, das die Kamera sendet, im Blick und reagiert, falls zum Beispiel bei einer Suchaktion die Kamera etwas Auffälliges einfängt“, erklärt Flemming. Er wiederum kann als Operator in solchen Fällen auf den ansonsten programmierten Flug der Drohne einwirken. Aber auch eine mit der Kamera verbundene Künstliche Intelligenz ist in der Lage, Auffälligkeiten bei den Aufnahmen zu erkennen und eine entsprechende Meldung abzusetzen. Dazu kommt, dass die Drohne eine „Fail-safe“-Funktion hat. Bedeutet: „Ist sie außer ,Sichtweite‘ kehrt sie automatisch um“, sagt Flemming.

Seit 2013 aktiv

Bereits seit 2013 ist das Unternehmen aktiv – auch in Rotenburg, allerdings lediglich für Testflüge der Drohnen. Mittlerweile bleibt es in Bremen bei einem Büro, die Fertigung ist 2021 an die Wümme gezogen.

„Die Bedingungen hier sind super“, schwärmt Schmidt. „Wir haben hier ein großes Flugfeld, Rotenburg ist mit seiner Lage genau zwischen Bremen und Hamburg von beiden Städten aus gut zu erreichen.“

Um mit anderen Nutzern des Platzes nicht ins Gehege zu geraten, hat Hanseatic Aviation Solutions für seine Testflüge eigene Zeitfenster – oft vormittags. Passt alles, geht die fertige Drohne an die Kunden. „Die werden dann von uns speziell geschult“, sagt Schmidt. „Aber es gibt auch Kunden, die buchen die Befliegung durch uns gleich mit – dann kümmern wir uns um alles, vom Lenken der Drohne bis zur Aufstiegserlaubnis.“

Dass das Unternehmen nun mit Forschung, Entwicklung und Fertigung nach Rotenburg gezogen ist, freut vor allem Achim Figgen, Geschäftsführer des Flugplatzes. „Das sichert diesen Standort, es ist aber auch für die Stadt interessant, Hightech-Industrie hier vor Ort zu haben.“

Mittlerweile haben die Fallschirmspringer Feierabend gemacht, und auch der Transporthubschrauber hat längst wieder abgehoben. Reichlich Platz also auf der Startbahn und in der Luft über dem Rotenburger Flugplatz – für den nächsten Drohnen-Testflug.

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