Bremer Convivo-Gruppe übernimmt Matthias-Claudius-Altenhilfe

Eine grüne Krawatte als Symbol der Rettung

+
Die Convivo-Unternehmensgruppe um Torsten Gehle (3.v.l.) und Timm Klöpper (v.l.) ist jetzt Eigentümerin der Matthias-Claudius-Altenhilfe. Heiko Müller und Sebastian Ludolfs freuen sich über den zügigen und positiven Abschluss des Insolvenzverfahrens.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Als Heiko Müller mit seiner knallgrünen Krawatte bei der Betriebsversammlung der Matthias-Claudius-Altenhilfe (MCA) ankam, soll spontaner Applaus ausgebrochen sein. Mitarbeiterinnen hätten sie dem Geschäftsführer auf der Weihnachtsfeier im vergangenen Jahr geschenkt, erzählt er. Er solle sie tragen, wenn es Positives aus dem Insolvenzverfahren zu berichten gibt. Am Freitag konnte er seinen Angestellten die Übernahme der MCA durch die Bremer Convivo-Gruppe verkünden – und den Erhalt aller 260 Arbeitsplätze.

Gerade mal fünf Monate nach dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben das Matthias-Claudius-Heim und das Haus Hemphöfen in Rotenburg sowie das Beekehaus in Scheeßel einen neuen Besitzer. Bis zum Stichtag am 22. Februar gab es noch acht ernsthafte Interessenten, die MCA zu übernehmen. Am Ende setzte sich die Convivo-Unternehmensgruppe durch. „Sie hat das beste Angebot abgegeben“, so Insolvenzverwalter Sebastian Ludolfs – die Übernahme aller bestehenden Arbeitsverhältnisse ohne schlechtere Bedingungen und die „deutlich höchste“ Summe für die Immobilien. Am Donnerstag wurden die Verträge unterzeichnet. Müller zeigt sich erfreut, dass das Verfahren nun beendet ist. Schon der erste Eindruck von der Unternehmensgruppe sei ein sehr guter gewesen.

Die MCA hatte zum 1. Oktober 2015 nach jahrelanger wirtschaftlicher Schieflage trotz guter Auslastung Insolvenz angemeldet. Sparprogramme haben dies seinerzeit nicht verhindern können. Als Gründe nannten die Verantwortlichen damals die schwierige Situation in der Pflegebranche generell, hinzu kamen Verbindlichkeiten, wie Immobiliendarlehen, ein neues Brandschutzkonzept und gestiegene Personalkosten, die eine Gesundung des Unternehmens erschwerten. Der Betrieb konnte allerdings aufrecht erhalten werden – „relativ reibungslos“, sagt Ludolfs.

Nun will man die MCA in die Strukturen der Convivo-Gruppe integrieren. „Wir lassen im Prinzip alles so, wie es ist“, so dessen Geschäftsführer Torsten Gehle. Er glaubt, mit etwas mehr Zeit hätte die MCA gar nicht erst Insolvenz anmelden müssen. Gleich nachdem dies aber bekannt geworden war, will er sich mit Ludolfs in Verbindung gesetzt haben. „Die Häuser profitieren von unserer Größe“, sagt Gehle. Mit den drei neuen Standorten in Rotenburg und Scheeßel betreibt seine Unternehmensgruppe jetzt 21 Pflegeeinrichtungen und drei Pflegedienste in Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Auch die der MCA angeschlossene Management-und-Service-Gesellschaft gehört nun dazu.

Durch den Verkauf der Immobilien sollen die Gläubiger des Trägervereins der MCA laut Ludolfs ihr Geld vollständig zurück erhalten. Die Gläubiger der einzelnen Standorte und der Management-und-Service-Gesellschaft müssen dagegen auf einen Teil verzichten. „Wir können nicht alles zurückzahlen“, sagt Ludolfs. Die Quote sei dort aber dennoch sehr hoch.

„Hier und da“, so Gehle, wolle man noch Arbeitsabläufe optimieren. Das betrifft vor allem die Verwaltung, die nun auch Aufgaben für die gesamte Gruppe mit übernehmen soll. Auch Müller, der „Mann vor Ort“ bleibt, wird sich in Zukunft wohl nicht mehr nur auf die ehemaligen MCA-Einrichtungen konzentrieren. Die Unternehmensgruppe befinde sich selbst in einer Phase der Umstrukturierung, so Gehle. Ansonsten stehen die Zeichen in Rotenburg und Scheeßel wie auch in der gesamten Unternehmensgruppe auf Wachstum. Gehle kann sich beispielsweise Senioren-Wohngemeinschaften in der Region vorstellen. „Die Verwaltungsstruktur der MCA war für 260 Betten eigentlich zu groß“, so der Geschäftsführer. Man will den Standort aber den Mitarbeitern anpassen und nicht andersrum.

Auch baulich soll sich was an den drei Standorten ändern. Dazu gehören laut Timm Klöpper, der stellvertretende Convivo-Geschäftsführer, beispielsweise neue Fenster, Anstriche und Balkone sowie ein Wintergarten mit mehrenen Ebenen am Haus Hemphöfen. Aber: „Wir machen jetzt in Ruhe den Investitionsplan und wollen ihn ohne Aktionismus durchführen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Erinnerung an Linkin Park Sänger: Chester Bennington beim Hurricane

Erinnerung an Linkin Park Sänger: Chester Bennington beim Hurricane

Deichbrand Festival: Party am Donnerstag 

Deichbrand Festival: Party am Donnerstag 

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Diese 10 Dinge sollten Sie aus Ihrer Küche entfernen

Diese 10 Dinge sollten Sie aus Ihrer Küche entfernen

Meistgelesene Artikel

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Veranstalter erwartet 10.000 Besucher beim Ferdinands-Feld-Festival

Veranstalter erwartet 10.000 Besucher beim Ferdinands-Feld-Festival

Die Post braucht noch einen Standort

Die Post braucht noch einen Standort

Kommentare