Bremer Camerata Instrumentale präsentiert in der Stadtkirche selten Gehörtes

Fulminantes Klangerlebnis – „und das für lau!“

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Quasi ein „Heimspiel” war der Auftritt für Bratschistin Muriel Böschen aus Hetzwege.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Spätestens nach 20 Minuten hätte man Karl-Heinz „Vossi“ Voßmeier knutschen können: Dafür, dass der Kantor am Sonntag die „Camerata Instrumentale“ der Musikschule Bremen in die Stadtkirche geholt hatte – „und das für lau!“, wie ein Besucher nahezu fassungslos anmerkte.

Denn das Orchester aus ambitionierten Hobby- und einigen Profimusikern, das auch in renommierten Häusern wie der Bremer Glocke oder dem Sendesaal gastiert, nimmt für seine Konzerte grundsätzlich keinen Eintritt. So kam die gut besetzte Stadtkirche kostenlos in einen – schon ob der Größe der Besetzung mit gut 60 Musikern – fulminanten Hörgenuss. Schumanns Konzert für Cello in a-Moll: Ein Werk, das von Gegensätzen geprägt ist. In einzelnen Passagen an Liebreiz und Gefühl kaum zu überbieten, dann wieder voller Dramatik und einem Tempo des Solisten, dass das Orchester Mühe hatte zu folgen. Liegt’s an den Qualitätsansprüchen von Dirigent Jörg Assmann, der sich unter anderem als Stimmführer der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen einen Namen gemacht, oder am Solisten Leander Kippenberg, der den Schumann ebenso leidenschaftlich wie konzentriert interpretierte? Müßig. Schon der Mimik des 24-jährigen Stipendiaten war anzusehen, wie sehr er sich um Perfektion jedes einzelnen Tones bemüht – mit Erfolg.

Dezidierte Einsätze des Dirigenten, der aus seinem Orchester dynamisch das Letzte einforderte (und auch bekam) und vor allem ein wunderschöner Dialog zwischen Cello und Fagott machten die Interpretation zu einem Hörerlebnis. Das galt nach einer solistischen Zugabe, die Kippenberg mit einem knappen: „Jetzt Bach“ ankündigte, dann auch für die selten gehörte Sinfonie des Russen Alexander Glasunow. Hier durften dann auch die Blechbläser, die sich im ersten Teil gehörig hatten zurückhalten müssen, „von der Leine“. Ihre fanfarengleichen Einsätze im majestätischen Finale, das die Motive der vorangehenden Sätze aufgriff, setzten einen würdigen Schlussstrich.

Für eine der Musikerinnen war der Auftritt, dem noch drei weitere in Bremen und Bremerhaven folgen, ein Heimspiel: Muriel Böschen aus Hetzwege hatte an diesem Abend quasi ihre Feuertaufe mit diesem Ensemble in heimischen Gefilden. Ein Vorspielen hatte Dirigent Assmann überzeugt: Seit Kurzem ist die junge Bratschistin nicht nur Teil des rund 70-köpfigen Ensembles, sondern bereitet sich auch im Privatunterricht bei Assmann auf die Aufnahmeprüfung zum Musikstudium vor.

Entlassen wurden die Zuhörer mit einem beschwingten Walzer ganz im Stil der Wiener Klassik. Auch das konnte Glasunow – und die „Camerata Instrumentale“ allemal.

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