Breezy Art Ensemble begeistert mit Konzert in der Rotenburger Stadtkirche

Barocke Meister mit Bravour neu interpretiert

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Exzellent aufeinander eingespielt und spielfreudig musizierten die Profis um Arrangeur Detlef Reimers (l.).

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Klassik, Jazz oder Swing – oder etwas ganz anderes? Diese Entscheidung hat das Quartett Breezy Art, das am Samstag in der Rotenburger Stadtkirche gastierte, für sich nie fällen müssen. Mit ihren eigenen Arrangements barocker Meister von Corelli bis Bach zeigten die Blechbläser um Kopf und Arrangeur Detlef Reimers, dass sich frische Ideen und die alten Klassiker wunderbar vereinbaren lassen.

Vorausgesetzt, man hat bei der jahrelangen Beschäftigung mit Präludien und Fugen so viele eigene Einfälle wie der Posaunist und den Mut, diese mit einer kongenialen Truppe umzusetzen. Denn wer würde schon darauf kommen, in einen barocken Störl ein „Hit the road, Jack“ einzuschmuggeln, Händels Passacaglia einen Walzertakt zu verordnen, in Corellis La Folia“ Pausen im Bigband-Stil einzubauen oder Scandello als Tango zu interpretieren?

Dabei waren es manchmal nur subtile Eingriffe in die Originalpartituren – mal rhythmischer Natur, mal harmonisch, manchmal aber auch die gesamte Zerlegung eines Werks in seine Motive – die alte Hörgewohnheiten aufbrachen. Und dann wieder spielten Renaissance-Posaune, Tuba und Barocktrompete ganz nah am Original, während Saxofonist Ansgar Elsner von der Empore improvisierte, wie in der äußerst gelungenen Interpretation von Händels „Passacaglia“. Vor allem diese Momente lohnten, wo die Musiker auch den Raum ausloteten, den Klang aus verschiedenen Ecken der Kirche zusammenfließen ließen wie auch bei Falconieris Caconna, die fast wie eine Filmmusik daherkam.

Da verdeutlichten die Musiker auch optisch, wie wichtig neben den Arrangements das Spiel mit dem Klangbild ist. „Die Klangmischungen entwickeln sich im Laufe der Zeit, das ist ‚Work in Progress‘“, erklärt Reimers das Experimentieren mit den unterschiedlichen Instrumenten. Denn neben Alt- und Sopransaxophon, Tuba, Trompete und Posaune fanden sich auch einige Altertümchen wie die Renaissance-Posaune oder Barocktrompete im Gepäck.

Eine kleine Instrumentenkunde bekamen die Zuschauer en passant, als Reimers die von Stefan Kaundinya gespielte Ophikleide vorstellte. Der 1817 ebenfalls in Paris erfundene Vorläufer des Saxophons wurde später als Bassinstrument von der Tube verdrängt. An diesem Abend kam er unter anderem in John Dowlands „Come again“ zu neuer Geltung.

Ganz gleich, in welcher Kombination die Instrumente erklangen: Die vier Musiker, die sich seit 15 Jahren kennen, erzeugten immer wieder ein uniformes Klangbild, dessen Ausgewogenheit der Harmonien sich oft erst beim Verklingen des letzten Tons in seiner Perfektion offenbarte.

Erstaunlich, dass gerade mal drei Handvoll Besucher es schafften, eine Zugabe zu erklatschen, und Musikliebhaber Friedhelm Horn sprach wohl vielen aus der Seele: „Irre, was die da machen – warum sind hier nur so Wenige, um sich das anzuhören?“‘

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