Zwei Rotenburger Jäger haben einen „dicken Hals“

Brandstifter im Revier

Norbert Toll (l.) und Dirk Schenkenberg haben einen dicken Hals. Fotos: Menker / Toll

Rotenburg – Die Warnungen laufen auf allen Kanälen. Es ist warm, windig und vor allem trocken. Damit steigt überall die Gefahr von Waldbränden. Nicht zuletzt deshalb können Norbert Toll und Dirk Schenckenberg auch nur noch den Kopf schütteln, wenn sie in ihrem etwa 440 Hektar großen Jagdrevier „Rotenburg C“ unterwegs sind. Fast täglich müssen sie nicht nur bergeweise Müll entsorgen. Denn in den vergangenen Tagen haben sie es gleich mehrfach mit Bränden zu tun gehabt – gelegt von „Naturfreunden“, die außerhalb der Kreisstadt kleine Partys feiern. Garniert mit Alkohol, Fast Food, Böllern, Bengalos und Lagerfeuern. Darüber hinaus machen sie sich an den Hochsitzen zu schaffen, richten Schäden an und versuchen sogar, diese in Brand zu setzen beziehungsweise nehmen genau das in Kauf. „Es ist einfach nicht zu fassen“, sagt Norbert Toll. Auch, wenn es inzwischen wieder etwas Regen gibt.

Gleich an mehreren Stellen im Revier-Bereich „Zwischen den Wassern“ nahe der Rodau sind die Spuren der vor allem abendlichen „Gäste“ zu sehen. Am Hochsitz ist eine der Stufen zerbrochen, unten Brandspuren zu erkennen, und am Boden darunter weitere die Reste eines Feuers. Das hat sich auch in den Grasbereich daneben ausgebreitet. Tolls Sohn Jannik sowie ein Landwirt, zugleich auch Jagdfreund, haben dort einen Wildacker angelegt. „Jannik ist bei uns im Revier Jagdaufseher. Sie waren zufällig dort, es war eigentlich erst für den nächsten Tag geplant. Jannik hat das Feuer entdeckt, und beide haben Löschversuche unternommen und dann mit dem Trecker die Feuerwehr unterstützt.“

Norbert Toll ist stinksauer. Man freue sich durchaus, wenn sich die Rotenburger auch an der Natur im Nahbereich zur Kreisstadt erfreuen, aber sie sollen sich doch gefälligst an die Spielregeln halten. Grundsätzlich ist es nicht okay, im Waldbereich mit Feuer zu hantieren, aber noch schlimmer ist es, während einer solchen Trockenperiode einen verheerenden Waldbrand zu riskieren. Insgesamt drei Mal ist die Feuerwehr binnen weniger Tage zuletzt ausgerückt, um Schlimmeres zu verhindern, sagt Schenckenberg. Er zeigt an diesem Nachmittag in seinem Revier auch eine mit aus dem Flussbett entnommenen Steinen zurechtgemachte Feuerstelle. Die ist natürlich illegal, wirkt allerdings einladend. Sie wird verschwinden, sagen die beiden Jäger.

Sie selbst machen fast täglich eine Runde durch die Gebiete, die zu diesem Revier gehören. „Auch die Polizei hat sie schon mit in ihren Streifenplan aufgenommen“, berichtet Toll. Auch, weil es Situationen gibt, die er selbst kaum für möglich gehalten habe: „Da traf ich doch tatsächlich auf zwei Frauen, die es sich auf einem der Holzstapel gemütlich gemacht und dazu auch noch eine Kerze angezündet haben.“ Der Jäger wischt mit seinem Fuß über den Waldboden, um zu zeigen, dass ein Funke reichen kann, um einen Großbrand auszulösen. Mit dem Fuß wirbelt er Staub auf, Äste und Laub knistern vor Trockenheit. Die beiden Jäger denken nicht nur an ihr eigenes Revier, sondern auch an die der Kollegen in den anderen Bereichen. Jäger, die sich um diese Waldgebiete kümmern und damit einen Beitrag eben auch zum Umweltschutz leisten. Auch Toll und Schenckenberg, die auf einem Acker eine bienenfreundliche Wiese angelegt haben. Ihr eindringlicher Appell: „Spazieren gehen und die Natur genießen, ist völlig in Ordnung. Aber bloß kein Feuer anzünden.“ Denn, so Norbert Toll, die Feuerwehr leistet zwar stets gute Arbeit, aber sie hat ganz bestimmt Wichtigeres zu tun, als unbedarft oder gar vorsätzliche Brände zu löschen. „Wenn es hier einmal richtig brennt, bleibt nicht mehr viel übrig.“

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