Boreas-Quartett bringt Rotenburger Grundschülern spielerisch Klassik nahe

Vier Stadtmusikanten und ein Leisefuchs

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Von der „Tante Alt bis zum „Opa Bass“: Das Boreas-Quartett stellte die große Familie der Blöckflöten vor.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Flöten, überall Flöten! Große, kleine, ja sogar eckige, einige übermannsgroß, hinter den Akteurinnen auf der Bühne der Rotenburger Grundschule am Grafel, neben ihnen und davor, auf der Sitzfläche eines Stuhls ein knappes Dutzend. Was für manchen Blockflötenschüler „alter Schule“ wie ein Albtraum klingen mag, wurde für rund 200 Grundschüler am Donnerstagvormittag zu einer spannenden Entdeckungsreise in die reichhaltigen Klangwelten dieses Instruments – und dazu ein riesiger musikalischer Spaß obendrein.

Das war den vier Flötistinnen des Bremer Boreas-Quartetts zu verdanken, die der Bildungseinrichtung auf Initiative von Rotenburger-Konzerte-Vorstand und ehemaligem Vater eines Kindes dieser Schule, Niels Kruse, vor ihrem Konzert in der Aula der Realschule am Abend einen Besuch abstatteten.

Im Gepäck hatten die vier Musikerinnen, ergänzt um Schauspielerin Kathrin Steinweg, nicht nur ein ganzes Arsenal der Holzblasinstrumente, sondern auch ein Theaterstück, natürlich mit viel Musik. Bei der Einführung in die Familie der Blockflöten, deren Mitglieder ausgiebig bestaunt wurden – von Vornamen wie „Sopran“ oder „Bass“ über den gut zwei Meter hohen „Opa Großbass“ bis zu den „Babys“ Sopranino und Garkleinflötlein – entwickelten sich aus den Klangbeispielen flugs Tierstimmen. Und von deren Imitation da bis zu dem von Mark Scheibe vertonten Stück der Bremer Stadtmusikanten war es quasi nur noch ein Katzensprung. Selbige ließ Jin-Lu Baek miauen, während ihre Kolleginnen ihren Instrumenten abwechselnd das jeweilige Thema und Krähen, Bellen oder Eselstampfen entlockten.

Geschickt banden sie die Kinder in ihr Spiel ein – auch diejenigen der jungen Zuhörer, bei denen angesichts der anspruchsvollen modernen Stücke oder der Renaissance-Werke am Anfang die Konzentration nachließ, waren spätestens beim tierischen Orchester, zu dem die Kinder selbst nach Herzenslust krähen, stampfen oder bellen durften, wieder voll dabei.

Das Unmittelbare der Reaktionen macht für die Akteurinnen den Reiz aus, vor einem so jungen Publikum zu spielen: „Kinder reagieren ehrlicher – für sie muss man noch besser sein“, meint Schauspielerin Kathrin Steinweg, die bei diesem Stück auch Regie geführt hat, und Flötistin Elisabeth Champollion ergänzt: „Sie sind unsere wichtigsten Kritiker; ihre Aufmerksamkeit ist noch höher, wie bei einem Vergrößerungsglas – das hat einen gegenseitig verstärkenden Effekt!“

Die spielerische Heranführung an Klassik, bei der die pädagogisch versierten Akteurinnen als fünftes Tier auch den „Leisefuchs“ bemühten, ist nicht nur eine „tolle Bereicherung für den Musikunterricht“ an der Grundschule, wie Schulleiter Marc Puschmann betont. Sie hat laut Initiator Niels Kruse, der der Bildungsinstitution nach wie vor verbunden ist, auch einen nachhaltigen Effekt: „Auf ähnliche Aktionen wie den Auftritt des Saxophonquartetts hier werde ich immer noch in der Fußgängerzone angesprochen.“ Er ist überzeugt: „Wenn Kinder nicht im Grundschulalter mit Klassik in Kontakt kommen, dann passiert das vermutlich nie mehr!“ Doch nicht nur die Erst- bis Viertklässler kamen in den Genuss einer ebenso lehrreichen wie spannenden einstündigen Ladung geballter Klassik auf hohem Niveau, sondern auch rund 50 Vorschüler: Sie waren ebenfalls als Gäste geladen – eine schöne Geste.

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