Borchel will am Leben bleiben

Bauland für junge Menschen aus Borchel wollen CDU-Ratsherr Mirco Klee (l.) und Ortsvorsteher Uwe Ehlbeck schaffen. Doch noch scheitert es am Einspruch der Bauaufsichtsbehörde im Kreishaus.
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Bauland für junge Menschen aus Borchel wollen CDU-Ratsherr Mirco Klee (l.) und Ortsvorsteher Uwe Ehlbeck schaffen. Doch noch scheitert es am Einspruch der Bauaufsichtsbehörde im Kreishaus.

Borchel vergreist. Das sagt Mirco Klee, Rotenburger Ratsherr der CDU und Ur-Borcheler. Der heute 44-Jährige ist geblieben, doch damit ist er eine Ausnahme. Weil Bauland fehlt, verlassen junge Leute die seit 1974 zu Rotenburg gehörende Ortschaft. Nun sollen neue Grundstücke geschaffen werden – doch der Weg ist ein rechtlich komplizierter.

Borchel – Zunächst einmal ist da viel Wald. Wer von der Bundesstraße 71 auf die Kreisstraße „Borcheler Damm“ abbiegt, sieht viel Grün. Es folgen Wiesen, einzelne Häuser, Bauernhöfe. „Findorff-Struktur“, sagt Mirco Klee in Anlehnung an die Ortschaften, die ansonsten im Landkreis vor allem in Bremervörde zu finden sind. Das Moor wurde auch hier kolonialisiert; wo vor 10 000 Jahren mal ein See war, sind heute knapp 80 Hofstellen zu finden. Gut 290 Menschen leben hier, doch es gibt ein Problem: Die jungen Leute bleiben nicht. Sie hat es in den vergangenen Jahren nach Angaben des einzigen Ratsherren aus Borchel im Rotenburger Stadtrat vor allem in den Scheeßeler oder Gyhumer Bereich gezogen. Dort gibt es günstige Bauplätze. In Borchel gibt es keine – außer im Garten bei den Eltern. „Doch wer will das denn noch?“, fragt Klee, der aus eigener Erfahrung spricht.

Uwe Ehlbeck ist Zugezogener. Er lebt erst seit 15 Jahren in Borchel, aber er ist angekommen. Seit 2016 ist er Ortsvorsteher. Und er sagt: „Unser Dorf, mit all seinen liebens- und erhaltenswerten Eigenschaften, stirbt langsam aus, und das dörfliche Miteinander wird über kurz oder lang zum Erliegen kommen.“ Dabei gibt es in Borchel keinen Leerstand. Steht eine der meist 500 mal 250 Meter großen Hofstellen zum Verkauf, findet sie umgehend Abnehmer. „Das sind Sahnestücke“, sagt Ehlbeck. Resthöfe – wie gemacht für die, die aus der Stadt raus wollen und viel Geld haben. Der Golfplatz ist nicht weit. Nur: Am Dorfleben mit immer noch bestehendem Sportverein, mit Freiwilliger Feuerwehr, Schützenverein und Laienspielgruppe haben diese Menschen meist wenig Interesse. „Die bauen zuerst einen Zaun“, sagt Ehlbeck.

Dem Nachwuchs muss etwas geboten werden. Es braucht Bauplätze. Und das ist schwierig in einem Gebiet, das mal Moor war oder immer noch ist. Wo es nass sein sollte, sackt der Boden nach und nach durch die vergangenen trockenen Jahre ab, mitunter bis zu 30 Zentimeter jährlich. Es gibt Einschränkungen durch Geruchsemissionen der Bauernhöfe, andere Grundstücksinhaber sind nicht bereit, zu verkaufen. Die Stadt selbst kann auch nicht aktiv werden wie üblich, die Erschließungskosten wären in Borchel zu hoch. „Wir kommen mit den Kosten nicht hin“, sagt Stadtplaner Clemens Bumann.

Seit fast zwei Jahren wird nunmehr an einem Plan gearbeitet. Direkt am Mehrzweckhaus wurde eine Fläche ausgemacht, die Platz bietet für bis zu acht Grundstücke. Nicht zu groß, nicht zu pflegeintensiv, bezahlbar. Der Inhaber will verkaufen, Nachbarn, so es sie denn gibt in diesem dünn besiedelten Gebiet, sind einverstanden. Investoren müssten dann selbst erschließen. Nur: Der Landkreis hat als Genehmigungsbehörde Einspruch erhoben gegen die von der Stadt bereits auf den Weg gebrachte Außenbereichssatzung. Im Kern wird kritisiert, dass die Kreisstraße den notwendigen Zusammenhang der Gebäude im Plangebiet durchschneidet, zudem würden Waldflächen nicht berücksichtigt und Funktions- und Nutzungsflächen nicht getrennt. Den „Belangen einer geordneten städtebaulichen Entwicklung“ werde „nicht genüge getan“, heißt es in einem Schreiben der Kommunalaufsicht vom Juli.

Darauf hat die Stadt wiederum reagiert: Mit einer Klage beim Verwaltungsgericht Stade. Dabei stützt man sich auch auf ein Gutachten eines Fachanwalts für Verwaltungsrecht, das die Außenbereichssatzung in Borchel als „durchaus vertretbar“ bezeichnet. Doch bis das Verfahren abgeschlossen ist, will in Borchel niemand warten. Das könnte Jahre dauern. Stattdessen setzt man auf den Dialog mit der Baugenehmigungsbehörde. Schon in absehbarer Zeit soll es einen Runden Tisch geben, um Möglichkeiten auszuloten, trotz der Differenzen Bauland auszuweisen. „Hauptsache, es wird was genehmigt“, sagt Klee. Dabei verweist er aber auf die Vorarbeit bei der Auswahl der Flächen: „Hier ist es ideal. Es gibt im Grunde keine andere Möglichkeit.“ Vielleicht könnte man die Baugrenzen etwas anders zuschneiden, damit die Kritik entkräftet wird, es handele sich nicht um Baulücken.

Grundsätzlich, sagt Klee, diene alles der eigenen Entwicklung. Die Grundstücke, die entstehen sollen, seien für den Borcheler Nachwuchs gedacht. Sechs Interessenten habe er auf seiner Liste. „Wir wollen gar nicht wachsen als Dorf, sondern nur am Leben bleiben“, so der CDU-Ratsherr. Dafür setze man sich nun mit allen Beteiligten an einen Tisch. Klee optimistisch: „Wir werden das hinkriegen.“

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