Das Fahrwerk macht den Unterschied

Maik Böhling aus Borchel fährt Ralleycross

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Maik Böhling und sein Ford Focus ST 170, mit dem er aktuell Rallycross fährt. 

Borchel - Von Matthias Daus. Schnelle Autos sind die eine Leidenschaft von Maik Böhling aus der Rotenburger Ortschaft Borchel. An ihnen herumzuschrauben ist die andere. Rallycross ist die ideale Möglichkeit für ihn, beides miteinander zu verbinden. Erfolgreich ist er in diesem Rennsport auch.

Bevor Böhling an einem Wochenende beim Rallycross mit dem eigentlichen Fahren beginnt, geht er die Strecke erst einmal zufuß ab. So verschafft er sich einen direkteren Eindruck vom Zustand der Fahrbahn und erkennt Problemstellen schon im Vorfeld. „Wenn das Rennen im Gange ist, sind wir hier mit 120 bis 130 Kilometern pro Stunde unterwegs. Da kann ein übersehenes Schlagloch auch schon mal ungute Folgen für das Fahrzeug haben“, sagt er.

Rallycross hat außer einer Namensähnlichkeit mit dem Rallyesport eigentlich nichts zu tun. Es ist ein Sprintrennen auf einem Rundkurs von rund einem Kilometer Länge, der in der Regel sowohl aus Asphalt- als auch Schotterstrecke besteht. Für Böhling ist es der ideale Einstieg in den Rennsport. „Ich bin zwar früher auch schon Slalomrennen gefahren, aber das ist kein Vergleich zum Rallycross. Hier fährt man im direktem Vergleich mit seinen Konkurrenten, und das ist eine sehr anspruchsvolle Angelegenheit“, sagt der Rennfahrer.

Der Estering in Buxtehude ist sozusagen seine Heimstrecke, dichter kommt Maik Böhling an seinen Heimatort Borchel bei einem Rennen nicht heran.

Dabei geht es oft sehr eng zu, wenn bis zu fünf Fahrzeuge nebeneinander über die Piste brausen. Um nicht miteinander zu kolldieren, sei großes fahrerisches Geschick gefordert, weiß Böhling: „Natürlich bleiben Berührungen der Fahrzeuge nicht aus, und dann gibt es auch die ein oder andere Beule. Aber so etwas nimmt man in der Regel sportlich hin.“ Denn unter den Fahrern herrsche eine große Kameradschaft, zumindest jenseits der Rennstrecke.

Seinen ersten Start hatte Böhling 2017. In diesem Jahr fährt er um den deutschen Rallycross-Pokal mit und ist dabei durchaus erfolgreich. Er erreicht regelmäßig einen der ersten drei Plätze. Auf dem Lausitzring fuhr der Borcheler schon einen Sieg ein.

Rallycross ist oftmals Millimeterarbeit, da geht es auf der Piste häufig sehr eng zu.

Aber nicht alleine das fahrerische Können ist entscheidend für den Erfolg, auch eine gute Taktik kann wichtige Sekunden im Kampf um eine gute Platzierung bringen. Hier kommt die sogenannte Joker Lap ins Spiel. Dabei handelt es sich um einen zusätzlichen Streckenabschnitt, der durch seine Beschaffenheit vergleichsweise langsam durchfahren werden kann.

Da muss jeder Fahrer in jedem Rennen einmal durch. „Wenn man das geschickt einplant, kann man sich dadurch in eine günstigere Position bringen. Das ist ein Strategiemittel, ähnlich wie ein Boxenstopp bei der Formel 1“, erläutert der 32-jährige Borcheler.

Nun kann man sich natürlich nicht einfach in ein Auto setzen und an einem Rennen teilnehmen. Im Vorfeld sind eine Menge Vorschriften zu beachten und einzuhalten. Das gilt sowohl für den Fahrer als auch für das Fahrzeug. So darf niemand ohne gültige Lizenz starten.

Das Auto unterliegt strengen Sicherheitsstandards. Ein passendes Fahrzeug kann man käuflich erwerben, oder wie im Fall von Maik Böhling, auch selbst umbauen. Als Kfz-Meister verfügt er über den nötigen fachlichen Hintergrund. Außerdem ist das Schrauben an Autos ja eine seiner großen Leidenschaften. In der Klasse der seriennahen Fahrzeuge, in der Böhling aktuell startet, ist diese Form der Eigenleistung noch recht verbreitet. Allerdings strebt der Borcheler durchaus nach Höherem. Auch hierfür möchte sich Böhling sein Fahrzeug selbst zusammenbauen. Als ersten Baustein hat er einen alten Motorblock in seiner Garage stehen. Er wirkt recht unscheinbar, aber es scheint eine Menge dahinter zu stecken. „Wenn ich mit dem hier fertig bin, bringt er 500 PS auf die Piste und hat eine Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer in zweieinhalb Sekunden“, freut sich Böhling.

Falten aus dem Gesicht gebügelt

Dies sind Werte, die einem die Falten aus dem Gesicht bügeln und die von einem Formel 1-Flitzer nicht übertroffen werden. Rund 150 000 Euro muss der Käufer in dieser Klasse für ein fertiges Auto auf den Tisch legen – eine Summe, die für den Borcheler jeden Rahmen sprengt. Ohne Sponsoren geht da gar nichts. „Eigenbau ist in dieser Klasse eher eine exotische Angelegenheit, deshalb möchte ich den Beweis antreten, dass man auch als Underdog mit den professionell gefertigten Autos mithalten kann“, sagt Böhling. Dafür ist er bereit, sehr viel Arbeit und Freizeit zu investieren. Zwei Jahre hat er für das Erreichen seines Ziels eingeplant.

Außer dem Motorblock hat er einen alten Ford Escort gekauft, von dem er den Allradantrieb verwenden könnte. Bis am Ende daraus ein komplettes Rennauto wird, muss er noch viele Teile erwerben und viele Stunden in seiner Garage verbringen. In der Zwischenzeit wird Böhling weitere Rennen in seiner bisherigen Klasse fahren. Langweilig wird es also in den kommenden Jahren nicht. Böhling pendelt zwischen Piste und Garage.

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