Mobile Impfteams sollen Hausärzte unterstützen

Booster gegen die vierte Welle im Kreis Rotenburg

Seniorin erhält Coronaimpfung
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Vor allem Menschen über 70 hat der Landkreis im Blick, wenn es um die Ausweitung der Auffrischungsimpfungen geht.

Mit einem erweiterten Einsatz seiner mobilen Impfteams vor Ort will der Landkreis die Ärzteschaft dabei unterstützen, die Corona-Auffrischungsimpfungen zu beschleunigen. Auch die bislang Ungeimpften drängt Landrat Prietz zum Schutz gegen Corona.

Rotenburg – Man kann es nicht mehr schönreden. Corona ist auch im Landkreis „mit voller Wucht zurück“, wie es Landrat Marco Prietz (CDU) formuliert. Und immer öfter treffen die Infektionen auch die bereits komplett Geimpften – deswegen aber mit einer deutlich geringeren Zahl an schweren Verläufen oder gar Todesfällen als noch vor einem Jahr, als die Zahlen ähnlich hoch waren. Das Mittel der Stunde sind die Auffrischungsimpfungen vor allem bei Älteren, deren zweiter Piks bereits ein halbes Jahr her ist: „Boostern“ gegen die vierte Welle. Der Landkreis will dafür die Arztpraxen unterstützen und setzt die bislang drei mobilen Impfteams nun auch für die Allgemeinheit ein. Waren die Teams seit Oktober nur in Pflege- und Altenheimen sowie an Schulen aktiv, beginnt mit einer offenen Impfaktion an diesem Donnerstag ab 16 Uhr auf dem Autobahnrasthof in Sittensen der nun vom Land am Wochenende vorgegebene erweiterte Auftrag. Bis zu sechs Teams sollen künftig im Einsatz sein, in „allen Kommunen des Kreises“, wie Prietz verspricht.

Erste Termine in Sittensen, Wittorf und Bremervörde

Geimpft werden soll zunächst die besonders gefährdete Gruppe der über 70-Jährigen und Personen, die mit dem Impfstoff von „Johnson & Johnson“ geimpft wurden sowie medizinisches und pflegerisches Personal. Eine Boosterimpfung können aus diesem Personenkreis diejenigen erhalten, deren Zweitimpfung mindestens sechs Monate oder deren Impfung mit „Johnson & Johnson“ vier Wochen zurückliegt. Auch Erstimpfungen für alle ab zwölf Jahren sind mit dem Biontech-Wirkstoff möglich. Geimpft wird am Mittwoch, 24. November, in Wittorf im Dorfgemeinschaftshaus und am Freitag, 26. November, in Bremervörde in der ehemaligen Grundschule in der Stadtmitte. Wer zu einer der aufgeführten Gruppe gehört, kann sich ab Ende der Woche über das Buchungssystem des Landkreises unter www.lk-row.de/coronaimpfung einen Termin holen.

Doch reicht das aus? Der ehemalige Chefarzt des Zentrums für Pneumologie im Diakoniekrankenhaus Rotenburg und Spezialist für infektiöse Lungenerkrankungen Tom Schaberg hatte in dieser Woche in der Kreiszeitung viel größere Anstrengungen der Politik gefordert, weil es bereits eine „absolute Notlage“ gebe. Bis Weihnachten müssten nach seiner Ansicht rund 25 000 Menschen im Landkreis erneut geimpft werden. Landrat Prietz und Gesundheitsdezernentin Heike von Ostrowski räumen diesbezüglich ein: „Es ist eine Illusion, zu glauben, wir könnten aus dem Stand die gleiche Power haben wie mit dem Impfzentrum.“ Anders als der Landkreis Verden, der sein altes Impfzentrum mit seinen mobilen Teams wieder reaktiviert, setzt Rotenburg auf dezentrale Aktionen. Gemeinsam mit dem Kommunen würden Gespräche geführt, damit die Impfteams regelmäßig vor Ort seien. „Wir schöpfen das aus, was uns an Einsatzkräften zur Verfügung steht“, sagt der Landrat. Und von Ostrowski betont: „Wichtig ist, dass die Menschen geimpft werden, nicht von wem.“

Inzidenz steigt auf 118,6

48 neue Coronafälle sind vom Gesundheitsamt am Mittwoch gemeldet worden. Kreisweit gelten damit aktuell 316 Menschen als infiziert. Sechs von ihnen werden in einem Krankenhaus behandelt. 261 Kontaktpersonen befinden sich in Quarantäne. Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis gibt das Robert-Koch-Institut mit 118,6 Neuinfektionen bezogen auf 100 000 Einwohner an – am Dienstag lag sie bei 117,3.

Mit den Impfzahlen liege man im Landestrend, heißt es. Bedeutet: Rund 70 Prozent der Kreisbewohner seien durchgeimpft. Und so seien unter den 600 Infizierten in den vergangenen sechs Wochen auch 249 Menschen, die bereits zwei Mal geimpft wurden. Darunter, so Prietz, aber auch viele völlig symptomfrei, weil sie als Kontaktpersonen getestet wurden. „Menschen mit schweren Verläufen, die wirklich auf der Kippe stehen, sind in der ganz deutlichen Mehrheit ungeimpft“, so der Landrat. Die Zahl der Todesfälle wäre bei den derzeitigen Infektionszahlen ohne die Impfquote viel höher – und sie sei es beim vergleichbaren Geschehen im vergangenen Winter auch gewesen. Seit Anfang Oktober gab es im Landkreis zwei Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Dass darunter auch ein 37-Jähriger gewesen sei, verdeutliche, dass sich auch Jüngere schützen lassen sollten.

Auf diese Einsicht setzt der Landrat bei seinen Appellen zu wieder mehr Einsicht. Die erwarteten 2G-Regeln in Niedersachsen ab der kommenden Woche, also Zutritt in vielen öffentlichen Bereichen nur noch für Geimpfte oder Genesene, werde gerade den Jüngeren, die glaubten, auch ohne Impfung durchzukommen, die Bedeutung klarmachen. „Sonst kann ein Winter für junge Menschen, die gern unterwegs sind, sehr trist werden“, so der 33-jährige Verwaltungschef. Und: „Als Ungeimpfter hat man jetzt noch die Chance, sich impfen zu lassen oder eine Infektion in Kauf zu nehmen. Dazwischen gibt es nichts mehr.“

2G ohne Kontrolle „brandgefährlich“

Geimpfte und genesene Personen seien zwar vor einer schweren Erkrankung geschützt, könnten aber trotzdem noch andere Personen anstecken. Deshalb sollten aus Sicht des Landrates Veranstaltungen unter den bestmöglichen Bedingungen durchgeführt werden. „Jeder von uns kann durch freiwillige Selbsttests vor einer Teilnahme an Terminen unter 2G-Bedingungen das Risiko nochmals verringern“, appelliert Prietz. Zu einer Anwendung neuer Regelungen gehöre jedoch auch eine konsequente Umsetzung. „Ohne lückenlose Kontrolle der Nachweise führen 2G-Regelungen nicht zum Ziel.“ Das könnte dann wegen der nicht mehr geltende Abstandsregeln sogar „brandgefährlich“ werden, auch hier vor allem für Nichtgeimpfte. Er ruft alle Veranstalter und Gastronomen dazu auf, im eigenen Interesse auch die zukünftigen Vorgaben des Landes strikt einzuhalten. Nur so sei angesichts der massiv steigenden Fallzahlen die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Lebens möglich.

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