Bohrschlammgruben: Ausschuss für Hoch- und Tiefbau empfiehlt Untersuchung

Altlasten kosten bereits 100000 Euro

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Was einst bei den Bohrungen mit an die Oberfläche gespült wurde und bis heute möglicherweise zu Verunreinigungen führt, ist längst noch nicht klar.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Mit 100000 Euro wird der Landkreis die Untersuchung der Bohrschlammgruben in der Region auf den Weg bringen. Auf Antrag der Verwaltung hat der Ausschuss für Hoch- und Tiefbau diese Summe in den Kreishaushalt 2015 einbringen lassen. Der Kreistag muss kommende Woche noch zustimmen.

Erster Kreisrat Torsten Lühring ist wenig begeistert. Der Kreis hat als Bodenschutzbehörde die Zuständigkeit für die Gruben, die bis in die 60er Jahre hinein als Lagerflächen für anfallende Bohrschlämme bei der Erdöl- und Erdgasförderung genutzt wurden, vom Landesbergamt geerbt. „Mit einem grünen Stempel darauf, dass alles in Ordnung ist“, so Lühring. Deswegen sei über viele Jahre in dieser Sache auch nichts passiert.

Erst eigene Untersuchungen des NDR haben die Verwaltung alarmiert. An der 1962 stillgelegten Explorationsbohrung Kallmoor Z1 nördlich von Stemmen, am Rande des Naturschutzgebietes Tister Bauernmoor, sei eine erhöhte Konzentration von Mineralölkohlenwasserstoffe gefunden worden. Auch Anwohner hatten von Ölschlieren berichtet. Der Landkreis hat nun „exemplarisch“, wie es im Kreishaus heißt, eine erste Bodenuntersuchung durch externe Fachleute auf den Weg gebracht. Kosten dafür: bis zu 10000 Euro.

Doch das wird wohl nur der Anfang sein. Nach Angaben von Gert Engelhardt, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft, gibt es bislang gesicherte Erkenntnisse über elf Bohrschlammgruben im Kreisgebiet, dazu kommt die Deponie Boitzen. Ungefähr zehn weiteren Hinweisen aus der Bevölkerung wird derzeit nachgegangen. Müssten alle auf Rückstände untersucht werden, wären die nunmehr veranschlagten 100000 Euro schnell aufgebraucht. Lühring ärgert vor allem, dass die Kosten jetzt beim lokalen Steuerzahler hängen bleiben – obwohl das Land einst die Unbedenklichkeit ausgestellt hat und von den Förderabgaben profitierte. „Wir führen aber Gespräche mit dem Landesbergamt“, verspricht Lühring. Im Klartext: Hannover soll sich finanziell beteiligen, denn auch wenn irgendwann ein Verursacher oder Grundstückseigentümer als Verantwortliche für die Bodenverunreinigungen zur Kasse gebeten werden können, bleibt der Landkreis auf den Kosten für die nun anlaufenden Untersuchungen sitzen.

Das Landesbergamt selbst hat erklärt, die verbliebenen 39 Bohrschlammgruben unter seiner Aufsicht untersuchen zu wollen. Anlass dafür waren ebenfalls NDR-Recherchen: In Steimbke (Kreis Nienburg) soll „ExxonMobil“ auf einer Bauschuttdeponie ungenehmigt wassergefährdende Stoffe entsorgt haben.

Die Rotenburger Landtagsabgeordnete Mechthild Ross-Luttmann hat in einer Kleinen Anfrage die Landesregierung aufgefordert, sich zu den Vorfällen zu äußern und die Dimension des Themas zu beziffern. Sie erwartet allerdings erst Ende des Jahres eine Antwort. Auch die Landkreis-Verwaltung kann bislang nicht sagen, vor welchem Problem man wirklich steht. Nach Angaben des Umweltministeriums gibt es bis zu 50000 Bohrstellen in Niedersachsen. Lühring: „Mit dem Wissen von heute hätte das Bergamt die Gruben niemals aus der Aufsicht entlassen dürfen.“

Am Donnerstag steht das Thema im Kreishaus wieder auf der Agenda: in der Sitzung der AG Erdgas- und Erdölförderung.

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