Debatte um Böllerverbot

„Pyroland“-Chef: „Leute können Meinungsmache von Wirklichkeit ganz gut unterscheiden“

Lauenbrück – Im Zuge der Debatten um mehr Nachhaltigkeit ist auch die Tradition der Silvesterfeuerwerke unter Beschuss geraten. Wir haben im Interview mit dem renommierten Pyrotechniker und Geschäftsführer des Lauenbrücker Unternehmens „Pyroland“ Florian von Bothmer über seine Sicht der Dinge gesprochen.

Pyrotechniker: Ist das nach wie vor der schönste Beruf der Welt für Sie? Oder schwingt dieser Tage auch ein Hauch Nachdenklichkeit mit?

Sagen wir, es ist einer der schönsten Berufe, den ich mir vorstellen kann. Auf der einen Seite unterhalten wir mit unserer Kunst, um nichts anderes handelt es sich bei Feuerwerk, Millionen von Menschen. Auf der anderen Seite rettet die Pyrotechnik täglich Menschenleben, ob als Airbag oder als Gurtstraffer. Diese Mischung aus präziser Technik, Tradition, Handwerk und Kunst macht den Reiz für mich aus. Was soll mich nachdenklich stimmen? 

Dass das Umweltbundesamt und die Deutsche Umwelthilfe wiederholt lange widerlegte Zahlen über unsere Branche veröffentlichen oder dass wir Menschen unterhalten und erfreuen und unseren Mitarbeitern und Partnern weltweit Lohn und Brot geben? Die Frage zur Nachhaltigkeit kann auch jedem gestellt werden, der sich zu Weihnachten einen Tannenbaum ins Wohnzimmer stellt. Alles, was da dahinter steht, kann man genauso infrage stellen wie jede Silvesterrakete. Ach, bevor Sie mich auch das fragen, ja ich habe natürlich einen Tannenbaum. Meine Familie erfreut sich auch an dieser Tradition.

Beim Feuerwerk geht der Trend hin zu mehr Licht statt Lärm.

Wie stehen Sie zum Feuerwerksverbot in einigen Städten? Ist das aus Ihrer Sicht nachvollziehbar oder ein unnötiger Eingriff in Tradition und Feierkultur?

Es ergibt aus professioneller Sicht durchaus Sinn, den Behörden die Möglichkeit zu geben, den Einsatz von Feuerwerk in den Innenstädten zu beschränken. Um nichts anderes geht es ja. Man muss es halt nur logisch betrachten. Fachwerkhäuser, Altenheime, Krankenhäuser, da hat Feuerwerk eben nichts verloren. In deren Nähe ist Feuerwerk sowieso schon untersagt. Leider halten sich nicht alle daran, also wird der Staat über kurz oder lang zu weiteren Maßnahmen greifen. Mir wäre das Liebste, man würde Leute, die Feuerwerkskörper missbräuchlich verwenden, härter bestrafen und nicht die Normalbürger einschränken, weil man ihnen nicht zutraut, einen Vulkan ordnungsgemäß aufzustellen.

Gibt es nur die Lösung: „Ganz oder gar nicht“ oder wäre auch ein Mittelweg vorstellbar?

Man sagt ja, dass Kompromisse denkbar schlecht sind, weil jeder etwas aufgeben muss. Bevor wir etwas lösen, müssen wir wirklich endlich erst einmal feststellen, ob wir überhaupt ein Problem haben. Alle Beteiligten müssen Fakten zusammentragen. Der Verband der pyrotechnischen Industrie arbeitet im Moment hart daran, den oben genannten „üblichen Verdächtigen“ ihre offensichtlich an den Haaren herbeigezogenen Zahlen zu widerlegen.

Der viele Müll, der nach der Böllerei und dem Feuerwerk an Silvester und Neujahr übrig bleibt, ist ein Kritikpunkt von Umweltschützern.

Wie groß sind die Feinstaubbelastungen im Vergleich zu anderen Formen der Belastungen konkret – gibt es da Erhebungen?

Hier verweise ich Sie auf die Webseiten des Verbandes der pyrotechnischen Industrie VPI, www.feuerwerk-vpi.de, besonders auf den Artikel „Feinstaubzahlen nicht die einzige Falschmeldung des Umweltbundesamts zum Jahreswechsel“ und auf www.feuerwerk-fanpage.de, „Feinstaubbelastung durch Feuerwerk – dicke oder doch nur heiße Luft?“ Wer sich einmal darüber amüsieren will, wie ein gestandener Chemiker das Umweltamt mit wirklichem Wissen in die Ecke stellt, der ist dort gut aufgehoben.

Haben sich die Verbote und das veränderte Umweltbewusstsein denn schon in den Verkaufszahlen niedergeschlagen?

Ja, wir haben mehr verkauft als jemals zuvor. Die Leute da draußen können Meinungsmache von Wirklichkeit wohl ganz gut unterscheiden.

Wie reagiert die Branche auf die Verbote – wird an feinstaubarmen und plastikfreien Varianten gearbeitet beziehungsweise sind diese überhaupt realisierbar?

Seit vielen Jahren schon unterliegt unsere Branche den härtesten nur denkbaren Anforderungen, speziell „Pyroland“ hat seit 2013 Pfeifbatterien im Sortiment, in deren Innenleben alles Plastik komplett durch Pappe ersetzt wurde. Wo immer es erlaubt oder möglich ist, verzichten wir auf Plastik.

Wer bei Ihnen als deutschem Unternehmen kauft, das unter hohen Qualitätsauflagen fertigen lässt, statt Polenböller oder Asienprodukte zu beziehen – feuerwerkt derjenige dann nur sicherer, oder auch weniger umweltschädlich?

Wir sind dafür bekannt, dass wir keinen Ramsch, sondern hochwertige Produkte herstellen. Das geschulte Auge kann an unseren Effekten sehen, wie viel weniger Rauch zum Beispiel bei unseren Batterien entsteht, dass unsere Verpackungen dazu einladen, sie für andere Dinge zu verwenden, man sie also nicht unbedingt wegwerfen muss. Und natürlich tragen unsere Artikel alle das CE-Prüfzeichen. Man ist mit uns also sicher und umweltfreundlich unterwegs. Auf jeden Fall unternehmen wir immer mehr als wir müssen, das sind Werte, die mir meine Eltern mit auf den Weg gegeben haben.

In den vergangenen Jahren ging der Trend zu Batterien, ebenso zu mehr Licht statt Lärm, also optischen Effekten statt Böllern. Setzt sich das in diesem Jahr fort?

Dieser positive Trend hält ungehindert an, ja.

Es gibt immer wieder Neuheiten, wie vor einigen Jahren den Konfettibooster. Worauf darf man sich dieses Jahr freuen?

Lassen Sie mich zwei Produkte nennen, die den Kreis schließen: „Bloody Blue“ und „Hypermaze“. Wieder einmal sind wir Vorreiter auf diesem Gebiet, diese Batterien feuern zwei Schuss aus nur einem Rohr. So etwas hat es in diesem Segment vorher noch nie gegeben. Was sich hier unspektakulär anhört, ist eine Sensation. Sie brauchen also für 120 Schuss nur noch 60 Röhrchen. Das bedeutet halb so viel Material, halb so viel Verpackung, es fällt nur halb so viel Müll an, man benötigt viel weniger Kraftstoff, um die Produkte zu transportieren. Wir haben also Produkte mit einem viel besseren CO2-Abdruck im Angebot als andere Hersteller, auf gleiches Kaliber und Anzahl der Schuss bezogen.

Rubriklistenbild: © Heyne

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