Keine Erklärung für Ortsauswahl

Visselhövede und Amsterdam waren Ziele

+
Nach der tödlichen Schießerei in Visselhövede haben sich die Experten der Spurensicherung an die Arbeit gemacht. Inzwischen wird der Mord auf offener Straße vor dem Landgericht in Verden verhandelt. Freitag ging’s dort weiter.

Verden/Visselhövede - Von Wiebke Bruns. Um die Daten eines Navigationsgerätes ging es Freitag im Blutrache-Prozess am Landgericht Verden. Bei der Festnahme des 23-Jährigen an seiner Wohnanschrift in Seelze, wurde ein Kilo Marihuana von der Polizei sichergestellt. Außerdem fanden sie ein geklautes Navigationsgerät im Auto seiner Freundin, das ausgewertet wurde.

„Man konnte sehen, dass es von dem Angeklagten und seiner Freundin genutzt worden ist“, berichtete der Zeuge. Ziele rund um Hannover und Seelze seien in dem Gerät registriert worden. „Zudem der Studienstandort seiner Freundin“, berichtete er.

Dann sei Amsterdam als Ziel aufgetaucht. Dort hatte sich vor seiner Festnahme ein ursprünglich zweiter, inzwischen freigesprochener Angeklagter aufgehalten. Dort waren im Zuge der Ermittlungen nach dem Mord am 9. Januar 2017 in Visselhövede auch mehrere Festnahmen erfolgt.

Am 21. Dezember 2016 sei erstmalig mit dem Gerät nach Visselhövede gesucht worden, berichtete der Zeuge. Eingegeben wurde ein Standort ganz in der Nähe der Wohnanschrift des zweieinhalb Wochen später erschossenen Mannes. Visselhövede war auch Ziel an Weihnachten und Silvester. „Bis zum 9. Januar war das Gerät ausgeschaltet“, so der Zeuge. „Und man kann sehen, dass sich das Gerät an der GPS-Koordinate befunden hat.“

Verteidiger bohrten nach

Die Verteidiger bohrten mit Detailfragen nach, beantworteten aber nicht die Frage des Vorsitzenden Richters Volkers Stronczyk, warum Visselhövede als Zielort eingegeben worden ist. „Dafür gibt es aber eine Erklärung“, hieß es von Verteidigerin Antje Heister. Mehr offenbarte sie dazu allerdings nicht.

Der Angeklagte hat sich in dem Prozess zu den Tatvorwürfen nicht geäußert. Nur nach seiner Festnahme hatte er gegenüber Polizeibeamten eingeräumt, das Motorrad gefahren zu haben. Der Sozius hatte das Opfer auf offener Straße niedergeschossen. Wenige Tage später war der 46-Jährige in einer Klinik verstorben.

Am 14. März soll der Prozess fortgesetzt werden. Als Zeuge ist ein Verwaltungsrichter geladen, der im Rahmen des Asylverfahrens Kontakt mit dem späteren Opfer der Visselhöveder Tat hatte. Dem 46-Jährigen war wegen der „tatsächlich zu erwartenden Blutrache subsidiärer Schutz gewährt worden“, heißt es in der Anklageschrift.

Geflüchtet war der Mann aus Albanien, weil er fürchten musste nach einem Blutrache-Schwur einer anderen albanischen Familie getötet zu werden. Mit der Tat in Visselhövede bestätigte sich, dass seine Angst und Fluchtgründe berechtigt waren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Auf den Trümmern einer Brücke: die Bühne der Populisten

Auf den Trümmern einer Brücke: die Bühne der Populisten

Gedenken der Opfer des Gladbecker Geiseldramas in Heiligenrode

Gedenken der Opfer des Gladbecker Geiseldramas in Heiligenrode

Gladbecker Geiselnahme: Geblieben sind Schmerz und Trauer

Gladbecker Geiselnahme: Geblieben sind Schmerz und Trauer

Aufbau für jbs-Maisfeldfete und Oldie-Abend in Westeresch

Aufbau für jbs-Maisfeldfete und Oldie-Abend in Westeresch

Meistgelesene Artikel

„Laut & draußen“-Festival auf dem Kalandshof bleibt vom Unwetter verschont

„Laut & draußen“-Festival auf dem Kalandshof bleibt vom Unwetter verschont

Lars Kühnast und Meike Loewel holen sich die Titel

Lars Kühnast und Meike Loewel holen sich die Titel

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Gasalarm am Brockeler Bussardweg - Baggerfahrer reißt Leitung auf

Gasalarm am Brockeler Bussardweg - Baggerfahrer reißt Leitung auf

Kommentare