18-Jähriger tatverdächtig

Straßenblockade in Rotenburg mit fünf Schüssen

Ärmel einer Polizeiuniform
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Für die Polizei sind die Ermittlungen alles andere als einfach.

Es fallen Schüsse in der Nacht, der Mühlenkreisel ist blockiert. Videos davon machen die Runde: Was steckt dahinter?

  • Schüsse auf dem Rotenburger Mühlenkreisel.
  • 18-Jähriger ist tatverdächtig.
  • „Katz-und-Maus-Spiel“ mit der Polizei im Stadtgebiet.

Rotenburg – Das Video hat eine Länge von nicht einmal 20 Sekunden. Es fängt harmlos an: Auf dem „Mühlenkreisel“ in Rotenburg hat sich am späten Freitagabend ein Stau gebildet. Die Fahrer hupen, Männer steigen aus den Autos, die Türen stehen offen, an einigen Wagen ist das Warnblinklicht eingeschaltet. Plötzlich sind fünf Schüsse zu hören, vermutlich aus einer Schreckschusspistole. Die Kamera schwenkt um, zu sehen ist ein junger Mann mit einer Waffe in der Hand. Schnell wird klar: Dieser Stau ist eine Blockade – und auch so gewollt. Am Tag danach macht das Video die Runde in der Kreisstadt; die Menschen sind verunsichert, haben Angst. Die Polizei ermittelt.

Mit einem Durchsuchungsbeschluss in der Tasche bekommt ein 18-jähriger Rotenburger am Montag Besuch von der Polizei. Die Beamten stoßen auf einen Schlagring sowie auf „Sachbeweise“, die den jungen Mann in Verbindung mit den Schüssen bringen, die in der Nacht zum Samstag auf dem Kreisel gefallen sind, an dem die Mühlenstraße, die Verdener Straße sowie die Brauerstraße zusammentreffen. Rotenburgs Polizeichef Torsten Oestmann sagt: „Der 18-Jährige ist dringend tatverdächtig, die Schüsse abgegeben zu haben.“ Die Polizei geht davon aus, dass eine Schreckschusswaffe benutzt worden ist.

Probleme zunächst auf dem Pferdemarkt

In der Nacht selbst hatte es gegen 23.50 Uhr telefonische Hinweise auf die Geschehnisse gegeben. Als die Beamten dort ankamen, hatten sich die Autofahrer aber bereits in alle Himmelsrichtungen verteilt. Das Ganze dauerte nur wenige Minuten. Simon Kuschkewitz vom Einsatzdienst der Rotenburger Polizei spricht von einem „Katz-und-Maus-Spiel“. Ein Spiel, mit dem es die Polizei schon seit dem vergangenen Jahr zu tun hat – nicht permanent, aber eben immer wieder.

Schon im vergangenen Sommer hatten sich extreme Probleme auf dem Pferdemarkt abgezeichnet. Verschmutzungen, Lärmbelästigungen, Geschrei, Pöbeleien und mitunter auch handfeste Auseinandersetzungen, Verkehrsdelikte sowie Straftaten: Der Platz hatte sich zu einem Brennpunkt entwickelt. Vor allem abends und nachts haben viele Rotenburger Angst, über den Platz oder durch benachbarte Gassen zu gehen. Inzwischen gibt es Beschwerden, weil sich ähnliche Szenen im Bereich des Burger King abspielen – und dort leiden vor allem Dialyse-Patienten darunter, die nachts in der benachbarten Praxis behandelt werden.

Uns sind gesetzliche Grenzen gesetzt. Unsere Möglichkeiten schöpfen wir aber so weit aus, wie es geht.

Polizeichef Torsten Oestmann

Simon Kuschkewitz macht deutlich: Hinter dem Geschehen vom vergangenen Freitagabend am Kreisel stecke vermutlich eben jene Klientel, mit der es die Polizei schon seit längerer Zeit zu tun habe. Jetzt aber sind die Beteiligten besonders öffentlichkeitswirksam in Erscheinung getreten. Und zwar so sehr, dass diese Aktion allein schon Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Menschen im direkten Umfeld hat. Das unterstreichen auch Torsten Oestmann sowie Martin Kaliebe vom Einsatz-Team. Der Ruf nach Maßnahmen der Polizei wird lauter. Oestmann jedoch macht klar: Nicht nur jetzt, sondern grundsätzlich liefen die Ermittlungen vor allem im Hintergrund sehr massiv. Aber: „Uns sind gesetzliche Grenzen gesetzt. Unsere Möglichkeiten schöpfen wir aber so weit aus, wie es geht.“ Es ginge in erster Linie um langfristige Maßnahmen. Mit im Boot seien die beiden Kolleginnen, die sich inzwischen ausschließlich dem Thema Clan-Kriminalität widmen. Denn Zusammenhänge ließen sich nicht ausschließen.

Die Polizei spricht von in erster Linie „niedrigschwelligen Delikten“, die eben keine Festnahmen und Strafverfahren, sondern überwiegend Bußgelder nach sich ziehen. Das gelte im Prinzip auch für die mit Schüssen garnierte Kreisel-Blockade. Denn: „Anzeigen hat es nicht gegeben“, betont Oestmann. Die wären allerdings möglich gewesen, sollten unbeteiligte Autofahrer zum Anhalten gezwungen worden sein. In diesem Fall hoffe man auf entsprechende Rückmeldungen.

Erkenntnisse aus Bildmaterial

Das Video, das am zurückliegenden Wochenende die Runde gemacht hat, ist auch bei der Polizei eingegangen. Aus dem Bildmaterial lassen sich einige wichtige Erkenntnisse ziehen – zum Beispiel Kfz-Kennzeichen. Kaliebe betont noch einmal: „Es geht überwiegend um Ordnungswidrigkeiten. Das macht es für uns sehr schwer – bei allem Ärger, der die Anwohner beschäftigt.“

Für Torsten Oestmann ist ein Teil der Intention eindeutig: „Es wird versucht, den Rechtsstaat auszuprobieren.“ Vor diesem Hintergrund sei die Kreisel-Blockade Teil einer Kette, mit der sich seine Kollegen schon seit längerer Zeit massiv befassen. Eine Kette allerdings, die vielen Rotenburgern, die in der Nähe der sich herauskristallisierenden Brennpunkte leben, ein Dorn im Auge ist.

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