Irritationen um Landvolk-Wahlwerbung

CDU sucht Landtagskandidaten: Blickrichtung Hannover

Auch für Mechthild Ross-Luttmann sucht die CDU einen Nachfolger. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Michael Krüger. Wird am Mittwochabend schon entschieden, wer im Januar 2018 Nachfolger von Mechthild Ross-Luttmann im niedersächsischen Landtag wird?

Die CDU-Mitglieder im Wahlkreis 53 Rotenburg dürfen im Haus am Luhner Forst wählen, wen sie für die Landtagswahl ins Rennen um das Direktmandat schicken. Drei Kandidaten stehen bereit. Dem Sieger winkt das Mandat in Hannover.

Tobias Koch aus Fintel ist der Herausforderer. Die SPD hat den 32-jährigen bereits am Wochenende nominiert. Er soll das versuchen, was vor ihm im Wahlkreis nur Bode Räke 1994 und 1998 geschafft hat: gegen die CDU ein Landtags-Direktmandat zu ergattern. Tatsächlich muss der CDU auch trotz des Abschieds der Ex-Sozialministerin Ross-Luttmann aus Hannover und der aktuellen Schulz-Euphorie bei den Sozialdemokraten wohl die klare Favoritenrolle zugesprochen werden. Bei der Wahl 2013 lag Ross-Luttmann neun Prozentpunkte vor Ralf Borngräber von der SPD, 2008 fast 16.

Eike Holsten

Das CDU-interne Rennen gilt allerdings als völlig offen. Für den CDU-Kreisverbandsvorsitzenden Hans-Heinrich Ehlen ist Eike Holsten jedoch der Favorit. Der Rotenburger Büroleiter der Bundestagsabgeordneten Kathrin Rösel ist auch Chef des größten CDU-Gemeindeverbandes im Wahlkreis. Rotenburg zählt nach Angaben aus der Kreisgeschäftsstelle 235 Mitglieder. Die Heimatverbände der beiden anderen Bewerber, Achim Figgen aus Sottrum und Ernst Behrensaus Scheeßel, zählen jeweils 118. Hinzu kommen die Stimmen der Verbände aus Bothel (101), Visselhövede (93) und Fintel (76). Ehlen: „Es kommt darauf an, wer seine Anhänger bewegen kann, am Mittwochabend zu erscheinen.“ Mindestens 350 Parteimitglieder erwartet der Parteichef im Haus am Luhner Forst. Da zur Wahl eine absolute Mehrheit notwendig ist, dürfte eine Stichwahl zwischen zwei Kandidaten wahrscheinlich sein. Zu wem wandern dann die Stimmen? Die Wahl ist auch eine zwischen Generationen: Holsten ist 33 Jahre alt, Figgen 47, Behrens 58.

Ernst Behrens

Noch heikler stellt sich die Situation im Wahlkreis 54 Bremervörde dar. Dort treten zur Abstimmung am Donnerstag in Selsingen mit Marco Prietz und Marco Mohrmann laut Ehlen „zwei Alpha-Tiere“ an, die in den vergangenen Wochen für „erdrutschartige Bewegungen“ in der Partei gesorgt hätten. Seit der Bekanntgabe der Kandidaturen Ende 2016 habe die CDU 450 neue Mitglieder gezählt, 350 allein im Wahlkreis 54. Gerade dem 43-jährigen Mohrmann, der als Leiter der Fachabteilung Schweinehaltung bei Hansa Landhandel arbeitet, wird ein offensiver Wahlkampf in eigener Sache nachgesagt. Nachdem der Rhader Gemeindebürgermeister 2013 parteiintern bei der Nominierung für das Bundestagsmandat gegen Oliver Grundmann verlor, will er nun nichts dem Zufall überlassen. Unterstützung erhält Mohrmann bemerkenswerterweise vom Landvolk-Kreisverband Zeven. Dessen Vorsitzender Rudolf Heins hat sich am vergangenen Wochenende schriftlich an alle Landvolk-Mitglieder gewandt und für die Wahl von Mohrmann geworben. Begründet wird das unter anderem damit, dass Mohrmann sich „besonders stark für Verbesserungen bei Baugenehmigungen für Stallbauten“ einsetze. CDU-Chef Ehlen, um dessen Nachfolge im Landtag es im Nordkreis geht, hat dafür wenig Verständnis: „Ich habe mich über das Schreiben gewundert. Ich finde das nicht gut.“

Achim Figgen

Eine ähnliche Wahlempfehlung der Landwirte ist im Südkreis nicht zu erwarten, auch wenn mit Behrens einer ihrer Vertreter kandidiert. Das Vorstandsmitglied der Raiffeisen-Warengenossenschaft Scheeßel hat in diesem Sinne bereits kräftig in eigener Sache bei Parteimitgliedern Werbung gemacht, der zuständige Landvolk-Kreisverband Rotenburg-Verden hält sich aber zurück. Vorsitzender Jörn Ehlers: „Wir sind überparteilich, die Nominierung ist Sache der CDU.“ Als Einzelperson könne man Favoriten haben, als Verband müsse man aber neutral bleiben – und später schließlich mit demjenigen zusammenarbeiten, den die Wähler nach Hannover schicken.

Egal, wie die Mitglieder am Mittwoch und am Donnerstag entscheiden, CDU-Kreis-Chef Ehlen betont, dass alle fünf Bewerber im Kreis ihren Weg Richtung Landtag gehen könnten: „Wir haben die bürgernächsten Kandidaten und das solidere Konzept.“

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