Baum fällt auf Oberleitung

ICE bleibt mit 450 Reisenden bei Westerwalsede stehen

Ein ICE ist in der Nähe von Westerwalsede liegen geblieben. Die Passagiere müssen eine rund anderthalbstündige Zwangspause in Kauf nehmen. Viele von ihnen verbringen diese im Freien. - Fotos: Menker
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Ein ICE ist in der Nähe von Westerwalsede liegen geblieben. Die Passagiere müssen eine rund anderthalbstündige Zwangspause in Kauf nehmen. Viele von ihnen verbringen diese im Freien.

Rotenburg / Westerwalsede - Von Ulf Buschmann und Guido Menker. Ein mit rund 450 Fahrgästen besetzter ICE ist Mittwoch am späten Nachmittag auf der Fahrt von Kiel nach Karlsruhe bei Westerwalsede liegen geblieben.

Der Grund dafür war ein Baum, der bei dem über Rotenburg ziehenden Unwetter auf die Oberleitung gestürzt war. Dadurch war der Fahrstrom in der Oberleitung unterbrochen. Aufgrund der zunächst unklaren Lage löste die Rettungsleitstelle in Zeven Großalarm aus. Im Einsatz waren Kräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes, der Bundespolizei und der Deutschen Bahn AG. Verletzt wurde von den Fahrgästen niemand, die Stimmung war entspannt.

Durch den Stromausfall lief auch die Klimanlage im Zug nicht mehr. Um die Gesundheit der Fahrgäste nicht zu gefährden, dachte die Einsatzleitung deshalb zuerst an eine vollständige Evakuierung des ICE. So war nach Angaben von Feuerwehr-Sprecher Dennis Preißler allein die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Rettung des Landkreises Rotenburg mit 75 Kräften vor Ort. Auch für die Versorgung und Unterbringung der Fahrgäste war bereits gesorgt worden. „Die Sporthalle in Kirchwalsede steht dafür bereit“, ergänzte Preißler.

Eine Evakuierung war dann doch nicht notwendig. Die Fahrgäste waren wohlauf und zeigten sich mehr oder weniger entspannt. Die Leute warteten im Freien neben den Bahnschienen auf die Weiterfahrt. Einige der Passagiere saßen in den geöffneten Türen, um zumindest etwas frische Luft zu schnappen. Zwar war die Luft nach dem Gewitter zuvor deutlich abgekühlt, doch es dauerte nicht lange, bis es wieder drückend warm wurde. 

Eineinhalb Stunden Zwangspause

Rund anderthalb Stunden dauerte die Zwangspause. „Warum soll ich mich aufregen, das bringt ja doch nichts“, sagte zum Beispiel Uwe Sayer. Er war auf dem Weg von Lübeck nach Freiburg im Breisgau. „Ich glaube ja nicht, dass ich heute noch zuhause ankomme“, gab sich der Vielreiser realistisch. Er kenne derartige Lagen schon, sagte Sayer: „Ich fahre beruflich 3000 Kilometer pro Jahr mit der Bahn.“

Mit einer aus Rotenburg angeforderten Diesellok ging es zurück in die Kreisstadt, von wo aus der ICE 1171 von Kiel nach Karlsruhe seine Fahrt fortsetzte. Ein Bahnsprecher zur Kreiszeitung: „Wir leiten den Zug über Bremen in Richtung Hannover um.“ Schön für die Fahrgäste: In Rotenburg gab es reichlich Getränke von den Einsatzkräften. Außerdem verteilte die Bahn bereits Fahrgastgutscheine als Entschädigung für die Unterbrechung. Unterdessen haben sich Mitarbeiter der Bahn an die Reparatur der beschädigten Oberleitung gemacht. Die Strecke sollte bis heute morgen wieder befahrbar sein, sagte ein Bahnsprecher.

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