„Visa al Paraíso“ in Rotenburg

Film über den „mexikanischen Schindler“ beeindruckt

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Das Buch „Fluchtorte – Erinnerungsorte“ haben Irene Below (v.l.), Maria Kublitz-Kramer und Inge Hansen-Schaberg (es fehlt Hiltrud Häntzschel) gemeinsam recherchiert.

Rotenburg - „Gott hat seine Hände über uns gehalten, indem er diesen großartigen Menschen geschickt hat.“ Das sagte eine Betroffene über Gilberto Bosques.

Der mexikanische Generalkonsul in Marseille hatte von 1940 bis 1942 mehr als 40. 000 Menschen vor der Ermordung durch die Nazis gerettet. Dieser „mexikanische Schindler“, ein außergewöhnlicher Diplomat, dem Juden, Antifaschisten, Anhänger der Spanischen Republik und Interbrigadisten ihr Leben verdanken, stellte von den Nazis Verfolgten Visa für Mexiko aus. Der mittelamerikanische Staat bot Flüchtlingen Schutz und eine neue Heimat.

Unter dem Titel „Visa al Paraíso – Exil und Fluchthilfe in Südfrankreich während der NS-Zeit“ hatte am Montag eine Kooperation des Fördervereins Cohn-Scheune, der Kulturinitiative Rotenburg (Kir) und der Kulturabteilung der mexikanischen Botschaft in den Rotenburger Ratssaal eingeladen. 

29 Besucher waren gekommen. Der Abend mit dem mehrfach ausgezeichneten Film von Lillian Liberman hätte größeres Interesse verdient.

Autorinnen stellen ihr Buch zu Flucht- und Erinnerungsorten vor

Begrüßt wurden die Besucher von der Vorsitzenden des Fördervereins Cohn-Scheune, Inge Hansen-Schaberg, die zusammen mit Irene Below, Hiltrud Häntzschel und Maria Kublitz-Kramer als Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Frauen im Exil“ das begleitende Buch „Fluchtorte – Erinnerungsorte“ geschrieben hat – als Band 10 einer Reihe, die im Münchener Richard Boorberg Verlag verlegt wird und auf unterschiedliche Bereiche des Exils während der Nazi-Zeit eingeht.

Bei ihren Recherchen für den Band „Fluchtorte – Erinnerungsorte“ und dem Besuch von Stätten der NS-Schreckensherrschaft in Südfrankreich stießen die Wissenschaftlerinnen und Autorinnen in Sanary-sur-Mer, Les Milles und Marseille auf Spuren der Vergangenheit, die sich bis heute tief in Menschen eingeprägt haben. 

Darauf gingen Irene Below und Maria Kublitz-Kramer, die am Montag nach Rotenburg gekommen waren, zu Beginn des Abends ein. Im Mittelpunkt stand aber der Lillian-Liberman-Film „Visa al Paraíso“, der den geschichtliche Abschnitt einer Zeit zeigt, die geprägt war von Schrecken und Tod, von Hoffnung und Rettung. 

Bosques rettete auch verfolgte Künstler und Intellektuelle

Historische Bilder zu einer schlimmen geschichtlichen Ära, die durch Männer wie den mexikanischen Generalkonsul Gilberto Bosques ihre Menschlichkeit bewahrte. Als 100-Jähriger gehörte Gilberto Bosques zu denjenigen, die in dem Film Aussagen machten. 

Er, der Zehntausenden von Flüchtlingen und verfolgten Künstlern und Intellektuellen wie Anna Seghers, Marie Pappenheim, Egon Erwin Kisch, Hanns Eisler, Paul Westheim, Walter Reuter, Walter Janka und Max Diamant durch Visa für Mexiko die Flucht ermöglichte und dabei das eigene Leben riskierte. 

Bilder von Bombennächten, Tote und Verletzte, die Leiden von Menschen in Konzentrationslagern und immer wieder Beispiele von Familientragödien ließen beeindruckte Besucher zurück. Eine Besucherin sagte nach der zweistündigen Veranstaltung im Rotenburger Rathaus: „Da muss ich erst einmal kräftig durchatmen.“ - bn

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