Zweites Jahr in Folge ohne eigene Vorrunde

Nur ein Bewerber: Wieder kein „Local Heroes“ im Landkreis

Die Band Project Thunderbolt mit Gitarrist Arne Bentfeld ist die „Gewinnerin“ des Rotenburger Vorentscheid des „Local Heroes“-Bandcontests – allerdings konkurrenzlos. - Foto: Goldstein

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Eigentlich sollten am Samstag im Haus am Luhner Forst Nachwuchsmusiker aus dem ganzen Landkreis ihre Vertreterband für den bundesweiten „Local Heroes“-Bandcontest ausspielen. Doch kurz vor diesem Vorentscheid mussten die Veranstalter aus den Vereinen Kulturbahnhof und Heavy Sounds diesen Konzertabend absagen. Und das nicht einmal als erste Organisatoren: Der Wettbewerb und der Landkreis Rotenburg haben eine komplizierte Vergangenheit.

Mit Project Thunderbolt ist exakt eine Band dem Aufruf der Veranstalter, sich zu bewerben, letztendlich gefolgt. Zu wenig für einen musikalischen Mehrkampf, die Metal-Combo aus Rotenburg darf im Spätsommer nun direkt zum Landeshalbfinale nach Hannover fahren.

Mehr als 20 Bands hat Marcus Cordes vom Kulturbahnhof direkt angeschrieben, ob sie am Wettbewerb „Local Heroes“ teilnehmen wollen. Geantwortet habe keine. „Viele Bands setzen nur noch auf Facebook“, sagt er. So sei es schwer, in Kontakt zu treten. Seiner Ansicht nach gerät dies auch zum Nachteil der Bands selbst. „Man muss sich fragen, wie potentielle  Booker sie ansprechen sollen.“

Schon im vergangenen Jahr fand kein „Local-Heroes“-Vorentscheid auf Rotenburger Boden statt. Fehlende Qualität und fehlende Resonanz waren damals die Gründe der Veranstalter vom Online-Portal ROW-People.de für die Absage. Bands aus dem Landkreis konnten damals noch an einem gemeinsamen Wettbewerb für die Landkreise Verden, Osterholz, Nienburg und Rotenburg teilnehmen. Schon damals war Project Thunderbolt dabei – ebenso waren die mittlerweile aufgelöste Gruppe Supersonic Speeds aus Scheeßel und Another Girl Called Josephine aus Barchel dabei. Drei Bands wären damals eigentlich genug für eine eigene Vorrunde gewesen. Letztendlich gewann Another Girl Called Josephine diesen Vorentscheid sogar.

Bis 2014 hatte Christian Meyer sechs Jahre lang für ROW-People.de die Fäden beim Rotenburger „Local Heroes“ in der Hand. Profitierte der Wettbewerb anfangs noch von einer lebendigen Musikszene in der Kreisstadt, wurde es auch für ihn immer schwieriger, junge, aber vor allem qualitativ gute Bands zur Teilnahme zu bewegen, bestätigt er. Auch das Publikum sei heutztage ein völlig anderes als früher. „Vor zehn Jahren hatte lokale Livemusik einen viel höheren Stellenwert“, sagt Meyer.

Seiner Meinung nach liegt das Kernproblem allerdings nicht ausschließlich an der vermeintlich fehlenden Rotenburger Musikszene, sondern auch am Wettbewerb an sich. „Theoretisch ist alles super durchdacht“, so Meyer, für Bands allerdings sei „Local Heroes“ aber nicht lukrativ genug. Selbst von den Bundessiegern würde man später nichts mehr hören. Mittlerweile würden Musiker sogar prinzipiell Wettbewerbe meiden – aus Angst, sich die Reputation zu verderben. „Wer nicht gewinnt, schadet seinem Ruf“, sagt Meyer.

Bei der Landesarbeitsgruppe (LAG) Rock, die „Local Heroes“ in Niedersachsen koordiniert, sei man erstaunt gewesen, über die Absage aus Rotenburg und wollte erst gar nicht glauben, dass es im Landkreis offenbar nicht genügend Bands gibt, so Cordes. In den kommenden Wochen will er sich mit Vertretern der LAG Rock zusammensetzen und die Situation besprechen. Denn weitermachen will er auf jeden Fall und 2017 einen neuen Versuch wagen. „Vielleicht haben wir auch als Veranstalter Fehler gemacht“, überlegt er. Die müsse man dann schnell beheben. Mit genügend Vorlaufzeit, ist er sich sicher, sei das kein Problem.

An dem einen oder anderen Punkt möchte er bereits ansetzen. So will er früher mit der Planung beginnen, um stärker auf den Wettbewerb aufmerksam zu machen. Auch den Austragungsort möchte er ändern. „Ich wünsche mir Zeven“, sagt Cordes, denn das liegt zentral.

„Ich finde das persönlich traurig, dass junge Bands diesen Contest nicht mehr wahrnehmen“, sagt Cordes – obwohl „Local Heroes“ zu den größten Bandwettbewerben in Deutschland gehört und die Teilnahme kostenlos ist.

Mit Project Thunderbolt sieht er den Landkreis dennoch sehr gut vertreten. Die Band gilt in der Szene als renommiert und hat sich in den vergangenen Jahren eine solide Fangemeinde erarbeitet. Doch auch sie wäre gerne im Haus am Luhner Forst aufgetreten. „Eine Runde in Rotenburg wäre cool gewesen. Es macht immer Spaß, vor eigenem Publikum zu spielen“, erklärt Sänger Felix Henke. Für seine Band gelte es jetzt, ihre Anhänger nach Hannover zu kriegen. Warum es in Rotenburg offenbar an Band-Nachwuchs fehle, wüssten die vier Musiker nicht. Was sie davon halten allerdings schon: „Es ist sehr schade.“

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