Betrieb in der Einrichtung am Therkornsberg läuft gut an

Es herrscht Leben im Hospiz

An drei Tagen in der Woche arbeitet Jessica Lott als Hauswirtschafterin im Hospiz.
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An drei Tagen in der Woche arbeitet Jessica Lott als Hauswirtschafterin im Hospiz.

Vor zwei Monaten haben sich die Türen des neuen Hospizes „Zum Guten Hirten“ am Rotenburger Therkornsberg zum ersten Mal geöffnet. Bislang zählt es 16 Gäste. Und es gibt ganz viel Leben in diesem Haus, in dem der Tod ohne Frage ein ganz wesentliches Thema ist

Rotenburg – Das Herzstück dieses Hauses steht im Wohnzimmer. Es ist vier Meter lang und besticht durch eine massive Eichenplatte von hoher Qualität. Wer an diesem Tisch Platz nimmt, ist meistens nicht allein. „Hier findet das Leben statt“, sagt Johannes Stephens, Geschäftsführer des Hospizes „Zum Guten Hirten“ am Therkornsberg in Rotenburg.

Vor zwei Monaten haben sich zum ersten Mal die Türen dieses neuen Hauses geöffnet. Neun Gäste-Plätze stehen Menschen in der letzten Phase ihres Lebens zur Verfügung. Während Stephens und die Hospiz-Leiterin Sandra Köbe an diesem langen Tisch Platz nehmen, um über die Startphase dieser Einrichtung zu berichten, steht wenige Meter entfernt Jessica Lott in der offenen Küche am Herd, um ein Mittagessen zuzubereiten, den Nachtisch herzurichten und einen Kuchen zu backen. Neben Sandra Köbe liegt ein älterer Mann in einem bequemen Rollsessel und genießt den Blick durch die große Fensterfront ins Grüne.

Wir sind sehr glücklich“, sagt Sandra Köbe. Die erste Phase im neuen Hospiz sei sehr gut angelaufen. Die Nachfrage nach den Plätzen sei „ungebrochen hoch, und der Bedarf ist da“. Alles richtig gemacht also. „Das stimmt“, bestätigt Johannes Stephens. Denn das Haus strahle weit über den südlichen Teil des Landkreises Rotenburg hinaus. Aus dem Heidekreis sowie aus dem Landkreis Verden gebe es Nachfragen. Die Zusammenarbeit mit dem Palliativ-Stützpunkt habe auf Anhieb funktioniert. Binnen kurzer Zeit habe sich ein Pool von rund 20 Ehrenamtlichen gebildet, der sicherstellt, dass täglich zwischen 17 und 20 Uhr einer aus diesem Kreis im Haus ist.

Die Rückmeldungen der Gäste und ihrer Angehörigen sind wirklich positiv. Sie fühlen sich wohl hier und gut versorgt.

Hospiz-Leiterin Sandra Köbe

Das Haus zeigt die erhoffte Wirkung – und genau das sei Grundlage für die Überlegungen zum Bau eines Hospizes in Rotenburg gewesen, die vor vier Jahren begonnen hatten, freut sich Johannes Stephens. Das Diakonissen-Mutterhaus hat den Bau nach Entwürfen eines Hospizes in Sulingen errichtet, an der Betreibergesellschaft sind die Rotenburger Werke beteiligt. Man hat sich also eines funktionierenden Modells bedient und dabei auf erste Erfahrungen zurückgreifen können. Sandra Köbe spricht von einem guten Konzept – alles passe so, wie es sein soll. Sie habe zudem ein „wunderbares Team“.

Im Mittelpunkt stehen natürlich die Gäste und ihre Angehörigen, erklärt Köbe. Sie hat außerdem die 26 Mitarbeiter im Blick, von denen 20 ausschließlich in der Pflege, vier in der Hauswirtschaft sowie zwei in der Sozialarbeit tätig sind. „Die Rückmeldungen der Gäste und ihrer Angehörigen sind wirklich positiv. Sie fühlen sich wohl hier und gut versorgt.“

Vor wenigen Tagen erst hat ein Gast den 50. Hochzeitstag gefeiert. Die Kinder haben das organisiert und gleich auch einen Pianisten engagiert, der zur Feier des Tages auf dem E-Piano spielte, das ebenfalls im Wohnzimmer einen Platz hat. „Die Kinder“, erzählt Sandra Köbe, „sorgen nun dafür, dass dieser Pianist einmal im Monat bei uns zu Gast ist.“ Die Mutter freut sich derweil beim Blick aus ihrem Fenster über den mannshohen Kranz in Form eines Herzens, der direkt an ihrer Terrasse steht.

Spenden sind ein Grundpfeiler des Hospizes, dessen Betrieb im Idealfall zwar zu 95 Prozent von den Krankenkassen abgesichert ist, aber eben freiwillige Zuwendungen aus der Gesellschaft benötigt. „Das ist nicht immer leicht, aber es funktioniert“, berichtet Johannes Stephens. Der beeindruckende Tisch, das Piano – auch das waren Spenden. Jeder Euro kann dazu beitragen, dass es den Menschen im Hospiz gut geht. Genau das ist ja das Ziel, betont Sandra Köbe.

„Läuft“, sagen Johannes Stephens und Sandra Köbe.

Dabei lassen Stephens und Köbe nicht unerwähnt, dass in diesem Haus der Tod natürlich ein wesentliches Thema ist. Für das Team bietet Sandra Köbe einmal im Monat eine Supervision. Es gibt viel zu verarbeiten und zu verkraften, wenn einer der Gäste stirbt. Bislang hat das Hospiz 16 Gäste gezählt.

„Man ist sehr nah dran an den Menschen, da entsteht eine Beziehung“, weiß Sandra Köbe, wie wichtig gerade das Gespräch mit den Kollegen ist. Die richtige Mischung von Nähe und Distanz sei bedeutsam, aber auch schwer in ein gutes Verhältnis zu bringen. „Man muss da schon Grenzen ziehen“, fügt sie hinzu, „man muss einfach auf sich selbst achten.“

Johannes Stephens nickt zustimmend, betont aber auch: „Es geht hier um ein möglichst angenehmes Leben für die Gäste bei bestmöglicher Pflege – wir warten hier nicht auf den Tod.“ Die Hospizleiterin weiß ihre bisherigen Erfahrungen zu schätzen: „Ich werde ruhiger, diese Arbeit erdet mich. Sehr oft geht es um den Moment.“ So, wie bei einem der Gäste, der das trockene Wetter an diesem späten Vormittag nutzt, um für ein paar Minuten an der frischen Luft zu sein und an einem Kräuterblatt zu knabbern, das ihm die Pflegerin gepflückt hat.

Dieser Mann erzählt wenig später von einem ganz besonderen Tag zwei Wochen zuvor: Mit dem „Wünschewagen“ ging es für ihn noch einmal nach Bremerhaven – ein Herzenswunsch, der ihm erfüllt wurde. Während er davon berichtet, kommen ihm die Tränen. Er ist dankbar.

Der Liebling der Gäste und Besucher: Odin.

Unter dem langen Tisch mit der dicken Eichenplatte liegt Odin. Der zwölfjährige Border Collie ist immer montags bis mittwochs im Haus – Jessica Lott bringt ihn mit. Ein ruhiger, sehr lieber Hund, der es ganz offensichtlich genießt, so viel gestreichelt zu werden. Die Gäste und ihre Besucher freuen sich, wenn er da ist. Auch ein Tier im Haus trage in dieser „Wohngemeinschaft“ zur Lebensqualität bei, betont Johannes Stephens. Andere, weitaus kleinere Tierchen, sind für die Gäste eher lästig.

Daher stehen zurzeit Fliegengitter für die Gästezimmer auf der Wunschliste des Hospizes. Für alle, die helfen möchten: Diese Wünsche sind auf der Homepage zu finden – und zwar unter hospiz-zum-guten-hirten.de.

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