Gut besuchte DGB-Maikundgebung auf dem Pferdemarkt / Solidarität mit Erziehern

„Stolz auf den Mindestlohn“

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Rund 100 Zuhörer verfolgten die DGB-Kundgebung auf dem Rotenburger Pferdemarkt.

Rotenburg - Von Jens Wieters. „Scheut euch nicht, kriminelle Unternehmer beim Zoll anzuzeigen, wenn sie den Mindestlohn mit irgendwelchen Tricks umgehen. Solche Bosse gehören in den Knast!“ Starke Worte wählte Maternus Burauen von der IG Bau, Agrar Umwelt (BAU) gestern Mittag bei der traditionellen Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds auf dem Rotenburger Pferdemarkt. Sätze, die die mehr als 100 Zuhörer bei Bier und Bratwurst mit viel Applaus quittierten.

Der Gewerkschafter aus Bremen blickte nicht nur voller „Stolz“ auf die Einführung des Mindestlohns, für den die Arbeitnehmerorganisationen jahrzehntelang gekämpft hätten, sondern forderte auch eine bedingungslose Solidarität mit den Erziehern in den kommunalen Kindertagesstätten, die „für eine engagierte Arbeit mit unseren Kindern unter schlechten Bedingungen bezahlt werden wie ungelernte Kräfte“.

Es könne nicht sein, so Burauen, dass diese Frauen mit solch verantwortungsvollen Aufgaben sich nur mit Zweit- und Drittjobs wirtschaftlich über Wasser halten könnten. „Und das in einem der reichsten Länder auf unserem Planeten.“

Es sei zwar generell eine Trendwende erkennbar, weil sich die Arbeitgeber bei den Tarifverhandlungen nach vielen Jahren wieder in Richtung ihrer Mitarbeiter bewegten, dennoch dürften sich die Gewerkschaften nicht auf ihren Erfolgen wie den Mindestlohn oder die Rente mit 63 ausruhen, forderte Burauen: „Wir müssen weiter die Zähne zeigen und beispielsweise für eine Alters-Flexi-Regelung kämpfen, die es den Schwerarbeitern unter uns ermöglicht, zu machbaren Bedingungen auch vor 63 Jahren sanft in den Ruhestand zu wechseln.“

Der Hauptredner der DGB-Kundgebung, bei der die Band The Daily Story zwischendurch für wippende Füße und nickende Köpfe bei den Zuschauern sorgte, ermunterte mit Blick auf die Hilfe suchenden Asylbewerber jeden einzelnen an den Werkbänken und Kassentresen auf, „ein Klima zu schaffen, das Ausländer nicht als Kriminelle darstellt“. Denn nur so könnte den Pegida-Bewegungen in Deutschland der Nährboden entzogen werden.

Für Burauen gehören die Gewerkschaftsaktionen am 1. Mai „noch lange nicht ins Industriemuseum“, sondern immer noch sei die Forderung der Arbeitnehmer nach einem gerechten Anteil am Verdienst der Unternehmen aktuell.

„Der Wert unserer Arbeit muss in allen Branchen anerkannt und gerecht entlohnt werden“, forderte auch DGB-Kreisvorsitzender Wilfried Warncke, der den Zuschauern mit Ina Petersen eine Verdi-Rednerin präsentierte, die als Erzieherin auf die Streikwelle in den kommunalen Kindertagesstätten einging. „Uns geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um bessere Arbeitsbedingungen, die wir für unseren Bildungsauftrag dringender denn je benötigen“, so die Scheeßelerin. Viele ihrer Kollegen seien physisch und psychisch am Limit. Hinzu käme der eklatante Fachkräftemangel, da „sich junge Männer und Frauen zweimal überlegen, Erzieher zu werden, weil sie nicht wissen, ob sie ihre weiteres Leben davon finanzieren können“, stellte Petersen klar.

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber, selbst „38 Jahre aktiver Gewerkschafter“, sprach in seinem Grußwort ebenfalls von einer „Erfolgsgeschichte Mindestlohn“, denn 3,7 Millionen Menschen in Deutschland würden davon profitieren. „Rotenburg wird nicht nur aus diesem Grund weiter die 1.-Mai-Veranstaltungen unterstützen, sondern auch, weil die Gewerkschaften das Rückgrat unsere Demokratie sind.“

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